FinTechs denken das traditionelle Bankgeschäft radikal neu und bringen intelligent konzipierte, vom Anwender her gedachte Lösungen auf das Gerät, das bereits 63 Prozent aller Deutschen über 14 Jahren immer bei sich tragen: das Smartphone. Mit schickem Design und guten Ideen gewinnen sie digital affine Nutzer für ihre Angebote. Die Zukunft der Digitalisierung könnte in Single-Purpose-Apps liegen, die Innovationen schnell und agil auf den Markt bringen. Mit intuitiven Anwendungen erhalten hier ehemals lästige Pflichten wie Bezahl- oder Überweisungsvorgänge einen smarten „Lifestyle-Touch“.

Für Banken und Sparkassen kann dieser Prozess mitunter schmerzhaft sein. Denn obwohl nur wenige FinTechs bislang dem Girokonto – einem Kern der Bankdienstleistungen – Konkurrenz machen, greifen sie sich doch Teile des klassischen Bankgeschäfts heraus wie den Zahlungsverkehr oder die Konten-Übersicht. Haben die neuen Wettbewerber den Kunden erst einmal für sich gewonnen, lassen sich die angebotenen Leistungen schnell ausbauen. Die Macht, die ein solches Start-up im Finanzbereich mit einer Einzelfunktion entfalten kann, lässt sich gut am Beispiel des Unternehmens Paypal aufzeigen. Aus dem ehemaligen Zahlungsabwickler des Online-Auktionshauses Ebay hat sich mittlerweile bekanntlich der erfolgreichste Anbieter von Online-Bezahllösungen entwickelt, mit rund 17 Millionen Kundenkonten allein in Deutschland. Und mit GoogleWallet und ApplePay stehen internationale Großkonzerne als Anbieter für mobilen Zahlungsverkehr auch hierzulande bereits in den Startlöchern.

Jedoch haben die Kreditinstitute in den letzten Jahren ihre Hausaufgaben gemacht: Nicht nur das Browser-basierte Online Banking erlebt aktuell einen massiven Modernisierungsschub, auch der mobile Zugriff auf das Girokonto wird von zahlreichen Banken mittels eigener Konto-Apps bereits angeboten. Darauf sollten sich die etablierten Anbieter im Finanzbereich jedoch nicht ausruhen. Welche Herausforderungen auf Banken und Sparkassen zukommen, soll im Folgenden anhand von drei Beispielen beleuchtet werden. Beim Einkaufen schnell mal den Kontostand prüfen oder der Freundin das ausgelegte Geld für das Kinoticket zurückerstatten? Solche in sich geschlossenen Anwendungen treffen heute nicht nur den Nerv der jüngeren User. Als potenziell aussichtsreich gilt auch ein funktionierendes mobiles Bezahlsystem, bei dem das Handy selbst im Grunde als Geldbörse fungiert. Auch wenn die Deutschen im internationalen Vergleich stark am Bargeld hängen, könnte so eine App sicher sehr erfolgreich werden. Während solche schlanken Lösungen für das Smartphone nützlich sind, haben isolierte Funktionalitäten in der Regel nur eine limitierte Nutzergruppe. Und das ist der entscheidende Faktor. Niemand möchte für fünf Standardfunktionen fünf Finanz-Apps auf seinem Smartphone speichern und für eine sechste Aufgabe doch wieder auf den PC umsteigen müssen. Während die Grundfunktion eines Girokontos sich noch verhältnismäßig gut und kundenorientiert auf dem Handy abbilden lässt, werden die Ansprüche der Kunden weiter zunehmen. Die Nutzer werden auch von diesem Angebot in Zukunft Features wie die einfache Kategorisierung ihrer Ausgaben, eine grafische Aufbereitung der Ergebnisse und hohe Sicherheitsstandards erwarten, die zunehmend Teil der normalen Online-Banking-Erfahrung werden. Das zwingt Fin-Techs dazu, die einstmals schlanken App-Angebote immer weiter auszubauen. Damit wird die App ihren Vorteil der schnellen Ergebnisse mit wenigen Klicks zunehmend verlieren. Hinzu kommt: Auf Smartphones sind umfangreiche Funktionalitäten durch kleine Bildschirme oder Schwierigkeiten beim Wechsel des Betriebssystems nicht komfortabel abzubilden.

Der zweite Teil des Beitrags erscheint am 29. März 2017

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Über den Autor

Christian ist seit 2011 Geschäftsführer bei der Star Finanz und verantwortet u.a. die Bereiche Markt und Finanzen. Beruflich und privat ist er leidenschaftlich interessiert an Banking- und Payment-Themen und vor diesem Hintergrund umfassend über aktuelle Entwicklungen und Trends informiert. Abseits des Büros engagiert sich Christian beim Kolpingwerk, ein katholischer Sozialverband, der sich u.a. um Jugendarbeit und soziale Projekte kümmert. Darüber hinaus verstärkt er die Tischtennis-Kreisligamannschaft seiner Heimatstadt, wenn es der Terminkalender zulässt.

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