Für die meisten Deutschen ist das Thema Mobile Payment nach wie vor Neuland. Zwar besitzen mittlerweile 44 Millionen Bundesbürger ein Smartphone [1] und integrieren es in nahezu jeden Bereich des Alltags. Wenn es um das mobile Bezahlen geht, zeigen sie sich aktuell jedoch deutlich skeptischer. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Ein wesentlicher ist die Angst vor Datenmissbrauch. In einer aktuellen Umfrage geben 30 Prozent der Teilnehmer [2] dies als Hinderungsgrund für die Nutzung von Mobile Payment hierzulande an. Ein weiteres Drittel will aus Sorge um den Datenschutz nicht mobil bezahlen. Quo vadis Mobile Payment in Deutschland?

Lohnender Blick nach Skandinavien
Wie es anders geht, beweist ein Blick über die Landesgrenzen. Innerhalb Europas ist uns vor allem Skandinavien einen großen Schritt voraus. So entschied sich 2013 das größte dänische Geldinstitut, die Danske Bank, eine Bezahl-App namens Mobile Pay zu lancieren. Drei Jahre später zählte die App bereits 3,4 Millionen Nutzer in Dänemark – bei insgesamt 5,6 Millionen Einwohnern. [3]

Mittlerweile beschränkt sich Mobile Pay nicht mehr ausschließlich auf den dänischen Markt, sondern ist auch in Finnland und Norwegen erhältlich. Hinzu kommt, dass Dänemark 2016 veranlasst hat, den Bargeldannahmezwang für Tankstellen und kleine Läden gänzlich aufzuheben. Einige Banken im Nachbarland Schweden blasen ins gleiche Horn und weigern sich etwa, Bargeld auszuzahlen und anzunehmen. Auslaufmodell Geldschein?

Vorreiter Schweden
Schweden ist bekannt für seine Innovationen: Banknoten und Bankautomaten wurden hier erstmalig eingeführt. Steht nun mit dem bargeldlosen Zahlen die nächste Revolution ins Haus? Die Zahlen sprechen dafür. Während in Deutschland jeder zweite Einkauf mit Bargeld getätigt wird, ist es in Schweden nur jeder Fünfte. Über das Land verteilt gibt es rund 60 Prozent weniger Geldautomaten als in der Bundesrepublik, sogar Kirchen arbeiten mit Scanner und Kartenleser für die wöchentliche Kollekte. [4]

Für eine breite Akzeptanz mobiler Bezahllösungen sorgt auch die populäre P2P-Anwendung ‚Swish‘. Sie ermöglicht Geldtransfer von Handy zu Handy und macht den transferierten Geldbetrag in Echtzeit auf dem Konto verfügbar. Mit Erfolg – 2012 aus einem Zusammenschluss der größten schwedischen Banken gestartet, kann ‚Swish‘ mittlerweile mehr als fünf Millionen Nutzer vorweisen. [5] Egal ob große oder kleine Beträge, im Supermarkt, auf dem Flohmarkt, beim Kauf von Bahntickets – überall kann ‚Swish eingesetzt werden. Die App ist derart populär und verbreitet, dass auch das Verb ‚swisha‘ beinahe jedem Schweden geläufig ist. Aktuelle deutsche Lösungen wie lendstar, Kwitt der Sparkassen oder geld senden/anfordern der VR Banken haben an dieser Stelle derzeit noch Nachholbedarf.

Quellen:
[1] Bitkom, „Smartphones stärker verbreitet als normale Handys“ (Presseinformation vom 11.06.2014)
[2] pwc, „Mobile Payment – Repräsentative Bevölkerungsbefragung 2015“
[3] mobilepay.dk, http://bit.ly/2pEU3u6
[4] docplayer.org, http://bit.ly/2r046gZ
[5] foerderland.de, http://bit.ly/2r0mlD9

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Über den Autor

Christian ist seit 2011 Geschäftsführer bei der Star Finanz und verantwortet u.a. die Bereiche Markt und Finanzen. Beruflich und privat ist er leidenschaftlich interessiert an Banking- und Payment-Themen und vor diesem Hintergrund umfassend über aktuelle Entwicklungen und Trends informiert. Abseits des Büros engagiert sich Christian beim Kolpingwerk, ein katholischer Sozialverband, der sich u.a. um Jugendarbeit und soziale Projekte kümmert. Darüber hinaus verstärkt er die Tischtennis-Kreisligamannschaft seiner Heimatstadt, wenn es der Terminkalender zulässt.

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