Voraussichtlich am 18. Januar 2018 tritt die neue EU-Richtlinie PSD2 in Kraft. Sie soll Innovationen fördern sowie den Kundenschutz und die Wettbewerbsfähigkeit insgesamt erhöhen. Denn Banken und Sparkassen müssen Drittanbietern ab diesem Zeitpunkt Schnittstellen (APIs) zur Verfügung stellen, über die Zahlungen initiiert und Kontodaten eingesehen werden können. Die APIs werden frühestens ab Herbst 2018 zur Verfügung stehen, weil die technischen Vorgaben erst vor kurzem von der EU finalisiert wurden. Ungeachtet dessen werden perspektivisch neue Anbieter bzw. Dienste auf den Markt kommen, wodurch sich die Wettbewerbssituation für etablierte Finanzinstitute weiter verschärft.

PSD2 stellt die Erweiterung einer EU-Richtlinie aus dem Jahr 2009 dar. Mit ihr möchte die EU Behörde mehr Wettbewerb erzeugen und Innovationen fördern. Zudem soll die Transparenz und Effizienz entlang offener, technisch einheitlicher Standards gesteigert werden. Ziel ist ein integrierter und effizienterer Markt für Zahlungsdienstleister innerhalb Europas.

Innovation, Sicherheit und Verbraucherschutz
Entlang der Richtlinie werden die kontoführenden Kreditinstitute dazu verpflichtet, eine Schnittstelle zu den Kontodaten ihrer Kunden für Drittanbieter bereitzustellen (Access to Accounts). Gleichzeitig soll die Sicherheit durch eine starke Kundenauthentifizierung, einheitliche Standards für die sichere Kommunikation und Schutz der persönlichen Sicherheitsmerkmale gewährleistet werden. Und auch die Verbraucherrechte erfahren eine Stärkung. Dazu tragen eine geringere Haftung für nicht autorisierte Zahlungen und weiterführende Maßnahmen wie bspw. beim Rückruf von Lastschriften bei.

Und auch Kunden, die häufig mit der Kreditkarte zahlen, profitieren von der neuen Richtlinie. Ab 2018 ist die Erhebung von Extragebühren für Kreditkartenzahlungen untersagt, wobei dies nur für die gängigen Kreditkartensysteme Visa und MasterCard gilt. Das Bezahlen mit der Kreditkarte sowohl an der Ladenkasse als auch im Internet wird dann entsprechend günstiger.

Aktives Schnittstellenmanagement erforderlich
PSD2 stellt einen weiteren Schritt in Richtung „open banking“ dar. Aufgabe der Institute wird sein, Drittanbietern eine sichere und robuste Schnittstelle bereitzustellen. Dies ist mit entsprechenden Kosten verbunden. Zudem ist ein aktives Management der Schnittstelle notwendig. Konkret geht es dabei um das Managen der Zugriffe seitens von Entwicklern, der Etablierung eines attraktiven Ökosystems von Dienstanbietern und um die Erschließung neuer Erlösquellen und Geschäftsmodelle für Institute durch Monetarisierung von Schnittstellenzugriffen. Unter anderem darin liegt einer der Chancen von PSD2 für etablierte Institute. Denn sie verfügen über Möglichkeiten und Kapazitäten eine digitale Plattform für FinTechs, InsurTechs sowie weitere externe Partner umzusetzen.

Kontaktpunkte besetzen
Mit Umsetzung der Richtlinie werden neue Anwendungsfälle entstehen. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Thema Kontodaten. Diese werden auch weiterhin durch die Institute verwaltet und sicher aufbewahrt. Allerdings erhalten künftig auch Drittanbieter direkten Zugang zu Kontoinformationen des Kunden und somit auch zu dessen Konsumgewohnheiten, Verträgen etc. Aus diesen Informationen lässt sich entsprechendes Wissen extrahieren und für die Entwicklung bzw. Implementierung neuer Services nutzen. Drittanbieter können dadurch wesentliche Kontaktpunkte zwischen Kunde und dem kontoführenden Institut besetzen. Durch den Verlust von Kontaktpunkten zum Kunden ergeben sich gewisse Risiken für das Bestands- aber auch Neugeschäft bei Instituten. Auf der anderen Seite müssen Drittanbieter Strukturen schaffen, die sicherstellen, dass regulatorische Anforderungen im Zuge von PSD2 zuverlässig erfüllt werden. Dies stellt neue Marktteilnehmer, insbesondere Start-Ups oder branchenfremde Anbieter, vor enorme organisatorische Herausforderungen.

Durch die neue Regulatorik verändert sich die Wertschöpfungskette im Zahlungsverkehr nachhaltig. Das Konto als bisher exklusives Ankerprodukt in der Beziehung zwischen Institut und Kunde wird künftig auch Geschäftsmodelle Dritter abbilden. Der Wettbewerb verschärft sich dadurch weiter, nicht zuletzt aufgrund neuer Marktteilnehmer. Institute können in diesem Umfeld mit neuen, übergreifenden und kundenorientierten Services punkten. Wichtig dürfte sein, neue Dienste an die eigene Wertschöpfungskette anzubinden und für den Kunden echte Mehrwerte zu schaffen.

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Über den Autor

Thomas ist in der Unternehmenskommunikation der Star Finanz für Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen in den Bereichen Banking, Payment und E-Commerce ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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