Unterwegs einfach und bequem mit dem Smartphone bezahlen – was insbesondere in Asien, Nordamerika und einer Reihe europäischer Länder wie England, Schweden oder Italien bereits üblich ist, fristet in Deutschland derzeit noch ein Nischendasein. Neuen Schwung in das Thema könnten der Markteintritt des chinesischen E-Commerce-Unternehmens Alibaba mit dessen Onlinebezahlsystem Alipay sowie Tencent mit WeChat Pay bringen.

Deutsche Verbraucher wünschen sich flächendeckende Lösung
Bisher zeigen sich deutsche Verbraucher beim Thema Mobile Payment zurückhaltend. Ein Grund hierfür sehen Experten in der Vielzahl unterschiedlicher Technologien und Anbieter am Markt. Dies führt zu Verunsicherung und Verwirrung auf Seiten der Verbraucher und hemmt sie, auf neue Bezahlverfahren per Smartphone umzusteigen. Eine aktuelle Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) bestätigt diese Annahme. Demnach wünschen sich 52 % der Teilnehmer eine flächendeckende Lösung für Mobile Payment, vergleichbar etwa mit Giro- und Kreditkarten.[1]

Quelle: Studie „Mobile Payment Report 2017 – what customers really want“ von PwC (http://www.pwc.de/mobilepayment)

Alibaba und Tencent drängen nach Deutschland
Einen Schritt in Richtung flächendeckendes Angebot hat im April dieses Jahres der chinesische E-Commerce-Riese Alibaba unternommen. Dieser kündigte an, ab sofort seinen mobilen Bezahldienst Alipay breitflächig in ganz Deutschland anzubieten, über die Drogerie-Kette Rossmann. Zunächst richtet sich das Angebot ausschließlich an chinesische Touristen, die von Reisen gerne Kosmetik und Pflegeprodukte in größeren Mengen wieder mit in die Heimat nehmen. Experten sind jedoch überzeugt, dass der Dienst mittel- bis langfristig auch für deutsche Kunden freigeschaltet wird. Voraussetzung hierfür ist eine ausreichend hohe Anzahl entsprechender Akzeptanzstellen. Für Rossmann eröffnet sich durch die Kooperation mit Alipay der boomende Markt mit chinesischen Touristen. In der publizierten Mitteilung zum Markteintritt heißt es, dass jährlich zwei Millionen Besucher aus China in Deutschland Urlaub machen und dabei nur für Shopping im Schnitt 3.000 Euro ausgeben.[2]

Auf chinesische Touristen zielt auch das Unternehmen Tencent mit seinem Chatprogramm WeChat, welches eine integrierte Zahlmöglichkeit beinhaltet. Von November an soll es dieser Personengruppe möglich sein, in Deutschland über WeChat Pay per Handy zu bezahlen. Hierzulande der breiten Masse noch weitestgehend unbekannt, besitzt Tencent analog wie Alibaba in China eine Marktmacht, die vergleichbar ist mit Konzernen wie Google oder Apple. Die Zahl der WeChat-Nutzerkonten bezifferte Tencent zuletzt mit über 900 Millionen, 600 Millionen davon nutzen WeChat Pay. Alipay wiederum zählt 400 Millionen Nutzer. Laut einer UN-Studie wurde im vergangenen Jahr über beide Dienste eine nur schwer vorstellbare Summe von fast drei Billionen Dollar bewegt.[3]

Globale Ansprüche
Diese Zahl verdeutlicht eindrucksvoll, über welche Marktmacht die Konkurrenz aus China weltweit betrachtet bereits verfügt. Und der Hunger nach mehr Nutzern ist bei beiden Unternehmen ungebrochen. Gegenwärtig verstärkt insbesondere Alipay seine Anstrengungen Richtung globaler Ausdehnung. Zuletzt ging der Dienst auch in Russland, Brasilien und Südkorea an den Start. Europaweit akzeptieren inzwischen über 10.000 Einzelhändler das Angebot, in Deutschland sind es immerhin bereits 2.000. Und wo Alibaba mit Alipay ist, dort ist auch Tencent mit WeChat Pay nicht weit, dies hat die Vergangenheit bereits mehrfach gezeigt.

Zwar konzentrieren sich beide Unternehmen in Deutschland bis dato „nur“ auf chinesische Touristen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass perspektivisch auch deutsche Verbraucher in den Fokus geraten, spätestens wenn beide Unternehmen über eine ausreichend hohe Anzahl von Akzeptanzstellen für ihre Dienste verfügen. Ein Weg, um dieses Ziel zu erreichen, sind Kooperationen wie mit Rossmann. Man sei offen für Kooperationen mit europäischen Partnern, unterstrich jüngst Sprecherin Yang von Ant Financial, der Finanztochter von Alibaba. Es wird spannend zu beobachten sein, welche Entwicklungen in diesem Bereich in den kommenden Monaten erfolgen und welche Rolle deutsche Finanzdienstleister dabei einnehmen.

Quellen:
[1]
http://www.pwc.de/mobilepayment
[2] http://bit.ly/2vGb9wZ
[3] http://bit.ly/2o9wlJM

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Über den Autor

Marco ist Prokurist sowie Leiter Unternehmenskommunikation und Vertrieb bei der Star Finanz. Er interessiert sich für alle Themen und Lösungen rund um Online- und Mobile-Banking – sowohl auf Privat- als auch Firmenkundenseite. Marco ist seit über 15 Jahren beim Hamburger Softwareunternehmen tätig und teilt seinen reichen Erfahrungsschatz gern mit anderen. Außerhalb des Büros feiert und leidet er leidenschaftlich mit dem HSV.

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