„Sinnsuchende“, „Faulenzer“, „Weicheier“, „gnadenlose Selbstoptimierer“, „Andersmacher“ – es gibt viele und teilweise durchaus negative Bezeichnungen für die „Generation Y“. Generation Y oder auch Digital Natives – das sind die zwischen 1980 und 1995 Geborenen. Sie sind im Gegensatz zur Generation X, auch „Digital Immigrants“ genannt, die erste Generation, die von Anfang an mit Internet und sozialen Medien groß geworden ist und sich das Wissen darüber nicht erst aneignen musste wie die Digital Immigrants. Die nachfolgende Generation, also die ab 1995 Geborenen nennt sich „Generation Z“ oder auch „Digital Aborigines“.

Generation der Sinnsucher

Generation Y und Z werden gern über einen Kamm geschoren, dabei gibt es durchaus Unterschiede. Die Generation Y steht inzwischen komplett im Berufsleben. Sie gilt als Generation der Sinnsucher, die versucht, Erfüllung und Sinn im Beruf sowie im Privatleben zu finden.

Freunde sollen einen weiterbringen, aber auch „wahre“ Freunde sein. Der Beruf soll Geld bringen, aber auch Sinn stiften. Die Hierarchien sollen flach sein, man will sich schließlich weiter entwickeln können. Die ausgeübte Tätigkeit muss zwingend anspruchsvoll sein, wozu hat man schließlich studiert? – aber die Work-Life-Balance darf nicht zu kurz kommen. Und wem das alles zu viel wird, der greift zur Meditations-App.

Gnadenlose Selbstoptimierer

Arbeit und Freizeit – alles wird optimiert, es gibt reichlich To do-Listen, auch die online gebuchte „Zeit der Stille“ im Kloster wird zum Projekt. Das Schlimme dabei: Wem das alles tatsächlich über den Kopf wächst, der ist auch noch selbst schuld, hat offenbar nicht regelmäßig in die Achtsamkeits-App geschaut und die Ernährung war jetzt auch nicht so richtig gesund.

Wie konnte es so weit kommen? Die Generation Y hat im Vergleich zu anderen Generationen deutlich erhöhte Burn-out-Zahlen. Breit diskutiert wurde der BuzzFeed-Beitrag von Anne Helen Petersen „How Millennials became the Burn-out-Generation“, in dem sie das beschreibt, was sie „errand paralysis“ nennt – die Unmöglichkeit, kleine, alltägliche Dinge zu erledigen. Schuhe zum Schuster bringen, Schuhe wieder abholen, ein Paket versenden – nichts geht mehr, obwohl man es schafft, jeden Tag zur Arbeit zu gehen.

Generation Burn-out

Woran das liegt? Die Generation Y ist immer „on“, immer erreichbar, immer im Aktionsmodus und hat einen überhöhten Anspruch an sich selbst. Die Eltern der Generation Y, also Baby-Boomer oder Generation X sind noch in dem Selbstverständnis aufgewachsen, dass jede Generation es besser hat als die vorherige. Wenn man also nur fleißig genug ist, ist alles möglich. Entsprechend haben sie ihre Kinder gefördert, trainiert und zur Leistungsbereitschaft erzogen.

Diese Kinder aber, inzwischen erwachsen, sehen, dass die Verheißung nicht stimmt. Der Eintritt in die Berufswelt gestaltet sich schwierig, daher ist diese Generation auch als „Generation Praktikum“ bekannt. Der berufliche Aufstieg ist nicht garantiert und hat oftmals ohnehin nichts mit Leistung zu tun. Wirtschaftskrisen erschüttern den Globus, die Klimakatastrophe erweist sich als reale Bedrohung, die Rente ist alles andere als sicher, die Gewissheit steigt, dass man weniger erreichen wird als die eigenen Eltern.

Digital Natives

Sicherheit gibt es nur in der Familie

Daher der Rückzug in die Familie, denn diese gibt Sicherheit. Die meisten Angehörigen der Generation Y verstehen sich super mit ihren Eltern. Während frühere Generation Erwachsenwerden als Abgrenzung von ihren Eltern verstanden haben – also SO wollte man wirklich nicht werden – sind die jetzigen jungen Erwachsenen im Einklang mit ihren Eltern.

Im Beruf geht es zunehmend nicht mehr um Karriere und Aufstieg – bringt ja eh nichts – sondern, eben, um den sinnvollen Job. Dieser Anspruch ist jedoch nicht weniger vermessen als der Karriereanspruch, bringt er doch unter anderem mit sich, dass man für die sinnvolle Tätigkeit, die man ausübt, jederzeit erreichbar sein sollte, denn es ist ja gerade kein langweiliger Nine-to-five-Job.

Wie geht man als Arbeitgeber mit der Genration Y um?

Viele Arbeitgeber beklagen sich über die Generation Y. Viel Anspruchsdenken, aber wenig Leistungsbereitschaft – das ist der Tenor der Aussagen. Zudem ist die Generation Y ihren Arbeitgebern gegenüber deutlich weniger loyal als die Generation X oder die Babyboomer. Wenn der eine Job zu langweilig oder zu wenig sinnstiftend ist, sucht sich die Generation Y halt den nächsten.

Viele Arbeitgeber übersehen, dass im Umgang mit der Generation Y auch eine Chance liegt. Arbeitnehmer, die sich einbringen wollen, die inhaltlich vorankommen wollen und die einen Sinn in ihrer Arbeit sehen möchten, sind ein Geschenk. Arbeitgeber, die interessante Aufgaben zu vergeben haben und die es ihren Mitarbeitern ermöglichen, sich weiter zu entwickeln, fahren gut mit der Generation Y.

Generation Z ist pragmatischer

Die Generation Z tickt anders. Sie geht nicht von einer Erfüllung im Berufsleben aus, sondern möchte einfach Geld verdienen. Beiden Gruppen gemeinsam ist ein pessimistischer Ausblick auf die Welt. Wie der Deloitte Millennial Survey jährlich ermittelt, sehen die Angehörigen beider Gruppen den Klimawandel als die größte Bedrohung an und gehen davon aus, dass die wirtschaftliche Situation sich verschlechtern wird.

Weniger Stress dank Covid-19

Interessant: Der diesjährige Survey, der zusätzlich Fragen zu den Auswirkungen von Covid-19 enthält und im Mai 2020 durchgeführt wurde, zeigt, dass das Stresslevel bei Generation Y und Z gesunken ist. Die Befragten machen sich zudem weniger finanzielle Sorgen als im Jahr zuvor. Sie bewerten ihre Arbeitgeber positiver und sind nicht mehr ganz so pessimistisch, was die Auswirkungen des Klimawandels angeht. Offenbar hat der Lockdown den Stress reduziert, man konnte ja auch gar nichts machen, und das entschlossene Handeln der meisten Staaten gibt den jungen Erwachsenen Hoffnung, dass Veränderungen doch möglich sind.

Es fehlen Überzeugungen und Werte

Was beiden Generationen fehlt, sind feste Überzeugungen und Werte, auf die man sich auch in Krisenzeiten verlassen kann. Daher auch die Bedeutung der Familie. In einer Gesellschaft, in der man Freundschaften unter dem Nützlichkeitsaspekt bewertet, ist die Familie das einzig Haltbare. Schade ist, dass die Institutionen, die für Werte zuständig sind, also die Kirchen, den Kontakt zur jüngeren Generation komplett verloren haben. Scheitern und Ängste sind Grundthemen der christlichen Religionen, die Kirche ist in der Theorie für jeden offen. In der Praxis verhalten sich die Kirchenjedoch weitgehend weltfern, angepasst, dogmatisch und konservativ und bieten somit für viele Menschen keine wirkliche Option mehr.

Fazit: Die Ansprüche der Generation Y prallen auf eine harte Wirklichkeit, das lässt sich erstmal nicht lösen. Aber es „wächst sich heraus“, zum einen, indem die Generation Y sich weiterentwickelt und zum anderen, indem die nächste Generation Z schon wieder ganz andere Vorstellungen und Ansprüche hat.

Arbeitgeber haben es schwer, den Mitarbeitern aller Altersgruppen gerecht zu werden. Während Babyboomer und Generation X loyal sind und sich hauptsächlich Beständigkeit wünschen, ist die Generation Y fordernd und tendenziell eher unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Die Generation Z, die jetzt in den Arbeitsmarkt einsteigt, weiß um den Fachkräftemangel und kann entsprechend auftreten. Da die Generation Y die Babyboomer als größte Arbeitnehmergruppe demnächst ablösen wird, tun Arbeitgeber gut daran, sinnstiftende Tätigkeiten anzubieten, um diese Arbeitnehmergruppe langfristig an sich zu binden.

 

Quellen:

https://www2.deloitte.com/de/de/pages/innovation/contents/millennial-survey-2019.html

https://www2.deloitte.com/de/de/pages/innovation/contents/millennial-survey.html

https://www.buzzfeednews.com/article/annehelenpetersen/millennials-burnout-generation-debt-work

https://www.diepresse.com/5683763/arbeitsmarkt-millennials-und-generation-z-wollen-nicht-dasselbe

https://www.youtube.com/watch?v=I3IkE8qbqUs

https://www.derstandard.at/story/2000039999075/unter-30-jaehrige-sehnen-sich-nach-halt-im-leben

https://www.generation-thinking.de/post/die-millennials-ziehen-an-den-mittelalten-vorbei-und-werden-dann-von-den-jungen-%C3%BCberholt

https://www.impulse.de/leben/die-generation-y-ist-ihnen-geld-egal/2012202.html

https://www.stern.de/neon/vorankommen/karriere/millennials-ohne-arbeitsmoral–so-sehen-fuehrungskraefte-die-generation-y-8793876.html

https://onlinemarketing.de/jobs/artikel/generationskonflikt-millennials-babyboomer-arbeitsplatz

https://www.derstandard.de/story/2000113998633/sinnsuche-im-job-erschoepft-von-der-jagd-nach-dem-einhorn

https://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_lifestyle/article192483047/Millennial-Burn-out.html

https://www.zeit.de/arbeit/2019-01/burnout-syndrom-berufsstart-ueberarbeitung-erschoepfung-leistungsunfaehigkeit

https://www.zeitjung.de/generation-y-arbeit-burnout-stress-erholung/

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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