Unternehmen in Deutschland scheinen bereit für die Digitalisierung. Die meisten Betriebe (83 Prozent) begreifen die Transformation als Chance: Sie beschäftigen sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung und der Automatisierung ihrer Geschäftsprozesse. Gleichzeitig unterschätzen die Unternehmen die volle Tragweite des digitalen Wandels und die tiefgreifende Disruption ihres Geschäftsmodells, die damit einhergeht. Das geht aus Deutschlands derzeit größter Umfrage zur „Digitalisierung im deutschen Mittelstand“ hervor. An dieser von Star Finanz durchgeführten Befragung nahmen im Zeitraum von Juni bis Juli 2019 mehr als 11.000 Einzelunternehmer, mittelständische Firmen und Konzerne teil.

Im ersten Teil der Umfrage analysiert die Star Finanz, wie Unternehmen in Deutschland mit dem Thema Digitalisierung umgehen. Insgesamt zeigen sich die Betriebe optimistisch: Ganze 83 Prozent sagen, dass der digitale Wandel Chancen für ihr Unternehmen bietet. In kleinen, langjährig etablierten Unternehmen sind die Vorbehalte größer. Auch mit Blick auf die Branchen lassen sich Trends erkennen. So sieht etwa der Handel, der vergleichsweise schon heute durch die Macht von Amazon und anderen Großanbietern am stärksten von den Auswirkungen der Digitalisierung betroffen ist, darin öfter eine Bedrohung (21 Prozent). In Industrie und verarbeitendem Gewerbe sind es nur 15,3 Prozent.

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Viele Unternehmen in Deutschland sind zudem verunsichert, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf das eigene Geschäftsmodell hat. Rund jeder vierte Betrieb (27,2 Prozent) kann die Veränderungen nicht abschätzen. Und während fast die Hälfte der Unternehmen (44,9 Prozent) in den kommenden fünf Jahren durch den digitalen Wandel eine Transformation ihres Geschäftsmodells erwartet, wollen nur 11,3 Prozent der Betriebe diese Veränderung aktiv in die Hände nehmen und ihr Geschäftsmodell anpassen. Größere Unternehmen stehen der Digitalisierung positiver gegenüber. Sie sind oft auf einem höheren Digitalisierungslevel als kleinere Betriebe.

Dr. Christian Kastner, Geschäftsführer der Star Finanz: „Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen den digitalen Wandel als Chance begreifen. Gleichzeitig wird jedoch klar, dass ein Großteil der Betriebe die volle Tragweite der Disruption unterschätzt. Sie wollen zwar ihre bestehenden Prozesse optimieren und digitalisieren, mit den wirklich disruptiven Veränderungstreibern wie neuen Geschäftsmodellen, digitalen Produkten, Big Data oder künstlicher Intelligenz setzen sie sich jedoch selten auseinander. Der Veränderungsdruck ist in vielen Unternehmen offenbar noch nicht so hoch, als dass sie Anpassungen ihres Geschäftsmodells als Priorität wahrnehmen.“

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Dr. Christian Kastner, Geschäftsführer der Star Finanz

Finanzinstitute als kaufmännische Begleiter bei der digitalen Transformation

Im zweiten Teil der Umfrage untersucht die Star Finanz, wie Banken und Sparkassen ihre Unternehmenskunden bei der digitalen Transformation unterstützen können. Noch wird der überwiegende Teil der Prozesse in den Unternehmen manuell abgewickelt, das betrifft insbesondere Prozesse in den Bereichen Weiterbildung und Mitarbeiterorganisation. Klassisch kaufmännische Vorgänge weisen den höchsten Automatisierungsgrad auf. So sagen 86,2 Prozent der Unternehmen, dass sie Gehaltsabrechnungen automatisch oder überwiegend automatisch erstellen. Es folgen Ausgangsrechnungen mit einem vollständigen oder überwiegenden Automatisierungsgrad von 64 Prozent, die Erstellung regelmäßiger Reports (57,7 Prozent), das Mahnwesen (57,2 Prozent) und die Angebots- und Auftragserstellung (53,8 Prozent).

Bei der Erstellung von Ausgangsrechnungen setzen 49,2 Prozent der Unternehmen auf eine lokale Buchhaltungssoftware am PC. Eine cloudbasierte Buchhaltungssoftware nehmen hingegen nur 8,3 Prozent der Betriebe in Anspruch. Erstaunlich ist, dass gut ein Viertel der Unternehmen (23,7 Prozent) für die Erstellung der Ausgangsrechnungen noch auf Word, Excel oder Textprogramme setzt. Dabei gilt: Je kleiner ein Unternehmen, desto eher erstellt es seine Ausgangsrechnungen per Word, Excel oder Textprogramm. Doch selbst bei Großunternehmen wird noch verhältnismäßig viel Zeit in die Abwicklung kaufmännischer Prozesse auf Basis von Textprogrammen investiert.

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Ein erheblicher Teil der Unternehmen erwartet von ihren Banken oder Sparkassen zudem zusätzliche digitale Services, die über das aktuelle Angebot hinausgehen. An der Spitze liegen Kredit-Services (39,4 Prozent). Es folgen Cash Management (28 Prozent), Vertragsverwaltung (21,5 Prozent) und Rechnungsservice (20,3 Prozent).

Dr. Kastner: „Die etablierten Finanzinstitute können sich noch weit stärker als Experten für den digitalen Wandel positionieren und disziplinenübergreifende Mehrwertlösungen für ihre Firmenkunden anbieten. Die Umfrageergebnisse zeigen, welchen Bedarf es hier insbesondere bei kleineren Firmen gibt. Für sie gibt es heute oft noch nicht die passenden Angebote, um kaufmännische Prozesse durchgehend automatisiert abzubilden. Auch wenn die Digitalisierung noch lange nicht abgeschlossen ist: Die deutsche Wirtschaft hat sich auf den Weg gemacht. Wichtig ist, dass Banken und Sparkassen sie auf diesem Weg noch stärker begleiten“, sagt Dr. Kastner abschließend.

Weitere Informationen zum Whitepaper gibt es hier: https://www.starfinanz.de/digitalisierung-im-deutschen-mittelstand/

Titelbild: ©ipopba (istockphoto.com)

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Über den Autor

Birte ist Pressesprecherin bei der Star Finanz und hält in dieser Funktion immer die Augen offen, um frühzeitig neue Trends in den Bereichen Digitalisierung und Banking zu identifizieren. Privat ist sie sehr gern mit dem Fahrrad unterwegs.

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