Die aktuellen Überschriften zum Thema Digitalwirtschaft und Corona sind deutlich: „Schwere Einbußen erwartet“, „Sinkende Umsätze“, „Entlassungen befürchtet“. Also alles so wie beim Restaurant um die Ecke? Nicht ganz, es gibt auch Stimmen, die in der Krise eine Chance sehen.

Krise als Chance

So geben laut einer aktuellen DMEXCO-Umfrage unter mehr als 800 Digitalentscheidern zwar 60 Prozent an, dass sich die Corona-Pandemie aktuell „eher negativ“ bis „negativ“ auf ihr Unternehmen auswirke. Langfristig jedoch gehen zwei Drittel der Befragten davon aus, dass die Pandemie das Tempo der digitalen Transformation beschleunigt. Und immerhin ein Drittel der Entscheider ist der Meinung, dass die Branche nach dem Ende der akuten Pandemie von der Krise wirtschaftlich profitiert.

Digitaltools auf dem Vormarsch

Warum ist das so? In der Krise setzen die Unternehmen verstärkt auf digitale Kommunikations- und Kollaborationstools. Und sie sehen: Es funktioniert. Das Streaming von Konferenzen wird immer akzeptierter, genau so wie Homeoffice. Die meisten Digitalentscheider gehen davon aus, dass diese Entwicklungen über die Krise hinaus Bestand haben und so die Branche auch über die Krise hinaus befeuern.

Kurzarbeit und Entlassungen in der Digitalbranche

Aber bis es soweit ist, muss ein Tal der Tränen durchschritten werden. Wie die Ergebnisse einer aktuellen Mitgliederbefragung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. zeigen, rechnen 98 Prozent der 202 befragten Digitalexperten mit Umsatzeinbußen von durchschnittlich 32 Prozent für das laufende Jahr. Etwas mehr als ein Drittel der Digitalunternehmen (35 Prozent) hat bereits Kurzarbeit beantragt oder plant, dies zu tun. Dabei sind durchschnittlich 65 Prozent der Belegschaft betroffen – die ursprüngliche Arbeitszeit wird oder wurde um 44 Prozent reduziert. Dennoch rechnet ein Fünftel der Unternehmen (21 Prozent) damit, Mitarbeiter wegen der Coronakrise entlassen zu müssen.

Dabei sind sich die Digitalexperten bewusst, dass es andere Branchen noch härter erwischt. Zwei Drittel der befragten Digitalexperten (65 Prozent) glauben, dass die Digitale Wirtschaft im Vergleich zu anderen Branchen weniger stark von der Krise betroffen ist, nur sechs Prozent geben an, dass sie stärker betroffen sei.

Corona und die Digitalwirtschaft

Bitkom-Digitalindex im Sinkflug

Ein ähnlich trübes Bild zeichnet der monatlich erhobene Bitkom-Digitalindex für den Monat März. Der Bitkom-Digitalindex basiert auf der monatlichen ifo Konjunkturumfrage und bildet Geschäftslage und Geschäftserwartungen von Unternehmen der Digitalbranche ab. Der Index notiert aktuell nur noch bei 0,6 Punkten – nach 24,6 Punkten im Februar. Das ist der niedrigste Wert seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2009. Die Unternehmen leiden unter zurückgestellten oder komplett stornierten Aufträgen. Auch Lieferprobleme, vor allem bei Lieferungen aus China, sind ein Problem.

Eine Mehrheit der Unternehmen rechnet für die kommenden sechs Monate mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäftslage, der Saldo der Erwartungen ging um 30,9 auf -18,4 Punkte zurück. Das ist der stärkste Rückgang innerhalb eines Monats seit der erstmaligen Erhebung im Jahr 2006. Die aktuelle Geschäftslage wird dagegen immer noch mehrheitlich positiv eingeschätzt, auch wenn sie mit 21,6 Punkten um 15,7 Punkte unter dem Februar-Wert liegt.

Trotz dieses Rückgangs beurteilen die Unternehmen der IT- und Telekommunikationsbranche ihre konjunkturellen Perspektiven immer noch besser als die der Wirtschaft insgesamt. In der Gesamtwirtschaft erlebte die Stimmung im März einen außerordentlichen Einbruch. Das ifo Geschäftsklima drehte ins Minus und stürzte auf -11,8 Punkte ab. Die Erwartungen trübten sich damit so stark ein wie niemals zuvor. Besonders stark von negativen Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sind Tourismusbranche (96 Prozent), Gastgewerbe (79 Prozent) und Industrie (68 Prozent).

Fazit: Auch wenn die konjunkturelle Lage aktuell nicht gut aussieht, birgt die Coronakrise eine große Chance für die Digitalwirtschaft. Digitale Tools dürften mehr und mehr nachgefragt werden und die Chancen stehen gut, dass auch der Netzausbau nach dem Ende der Coronakrise schneller vorankommt. Zumindest glaubt dies ein knappes Drittel der Befragten der DMEXCO-Umfrage, und es wäre ein großer Schritt nicht nur für die abgehängten Gegenden auf dem Land.

Quellen
https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Corona-Krise-drueckt-Stimmung-in-der-Digitalbranche

https://dmexco.com/de/stories/ist-die-corona-pandemie-ein-motor-fuer-den-digitalen-wandel/

https://www.bvdw.org/der-bvdw/news/detail/artikel/auswirkungen-der-coronakrise-digitalbranche-rechnet-mit-massiven-umsatzeinbussen/

https://www.contentmanager.de/nachrichten/home-office-auftraege-geschaeftsergebnisse-so-schaetzt-die-digitalwirtschaft-die-corona-krise-ein/

Hier gibt es weitere Informationen zum Thema Digitalisierung

Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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