Lange Zeit belächelt hat sich Bitcoin inzwischen, gemessen am Gesamtwert der sich im Umlauf befindlichen Geldmenge, zu einer der wertvollsten Währungen der Welt entwickelt. Inzwischen beschäftigt die Kryptowährung nicht nur oberste Notenbanker. Auch auf Seiten von Regierungen nimmt das Interesse an Bitcoin und Co. sukzessive zu. So hat zuletzt Schweden ein Projekt angekündigt, im Rahmen dessen geprüft werden soll, ob die schwedische Krone durch die digitale e-Krone als Zahlungsmittel ergänzt werden kann. Bis Ende 2019 soll es eine finale Entscheidung dazu geben.

Suche nach alternativen Zahlungsmöglichkeiten

Schweden zählt in punkto Zahlungsverkehr traditionell zu den modernen Vorreitern. So verzeichnet das Land gegenwärtig bereits eine der geringsten Bargeldnutzungsraten weltweit. Allein zwischen 2010 und 2016 ging der Anteil von Bargeldzahlungen im Land von 40 Prozent auf 15 Prozent zurück.[1] Viele Geschäfte lehnen Bargeldzahlungen grundsätzlich ab. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass die Nutzung von Bargeld im Land in den kommenden Jahren weiter zurückgeht. Vor diesem Hintergrund ist die schwedische Zentralbank auf der Suche nach alternativen Zahlungsmöglichkeiten, für die kein Mittler wie eine Bank notwendig ist.

Wert- und registrierbasierter Ansatz

Laut schwedischer Zentralbank sind für die e-Krone zwei unterschiedliche Modelle denkbar: eine registrierbasierte und eine wertbasierte e-Krone. Bei einer registrierbasierten Variante würde der Saldo in jeweiligen Accounts innerhalb einer zentralen Datenbank gespeichert. Der wertbasierte Ansatz orientiert sich eher am derzeitigen Bargeld und sieht eine lokale Speicherung in einer App oder auf einer Karte vor. Die derzeitige Einschätzung der Zentralbank geht davon aus, dass eine einfache wertbasierte Lösung, im Gegensatz zu einer registriergestützten Lösung, nur begrenztes Entwicklungspotenzial hat, jedoch schneller eingeführt werden könnte. Mehr Entwicklungspotenzial wird der registrierbasierten Lösung attestiert. Gleichzeitig halten die Währungshüter sie für deutlich komplexer in der Umsetzung. Auch eine Mischung aus beiden Modellen soll im Rahmen des Projekts geprüft werden. Genauso wie die dahinterliegende Technik. Grundsätzlich seien in diesem Zusammenhang auch Kooperationen zwischen öffentlichen Behörden und Akteuren aus der Privatwirtschaft denkbar.

Die Einführung einer e-Krone könnte weitreichende Folgen haben, sowohl für Schwedens Geldpolitik als auch den Zahlungsmarkt und die finanzielle Stabilität des Landes insgesamt. Aktuell sieht die Zentralbank die Einführung einer e-Krone mit der derzeitigen Gesetzgebung hinsichtlich ihrer geldpolitischen Aufgaben nicht vereinbar. Allerdings könnte sie kompatibel mit ihrer übergeordneten Aufgabe sein, ein sicheres und effizientes Zahlungssystem zu fördern. Es wird somit spannend zu beobachten sein, welche Ergebnisse zur Machbarkeit, Ausgestaltung und möglicher Umsetzung spätestens Ende 2019 präsentiert werden.

Quellen:
[1] http://www.riksbank.se/en/Financial-stability/Payments/Does-Sweden-need-the-e-krona/Reports/

 

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Über den Autor

Marco ist Prokurist sowie Leiter Unternehmenskommunikation und Vertrieb bei der Star Finanz. Er interessiert sich für alle Themen und Lösungen rund um Online- und Mobile-Banking – sowohl auf Privat- als auch Firmenkundenseite. Marco ist seit über 15 Jahren beim Hamburger Softwareunternehmen tätig und teilt seinen reichen Erfahrungsschatz gern mit anderen. Außerhalb des Büros feiert und leidet er leidenschaftlich mit dem HSV.

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