In Sachen Digitalisierung hinkt Deutschland im europäischen Vergleich nach wie vor hinterher. Dies verdeutlicht der „Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft 2018“ der Europäischen Union. Unter den 28 EU-Mitgliedsstaaten belegt die Bundesrepublik demnach, wie im vergangenen Jahr, nur Platz 14.[1] Im Index wird der aktuelle Stand in den Bereichen Netzabdeckung, digitale Kompetenzen, Internetnutzung und der Digitalisierungsgrad der Wirtschaft sowie elektronischer Behördendienste erfasst und bewertet. Hinter den Spitzenreitern Dänemark, Schweden und Finnland platziert sich unter anderem auch Estland vor Deutschland. Der hohe Digitalisierungsgrad des Landes zeigt sich u.a. darin, dass die gesamte Verwaltung weitestgehend digital erfolgt. Mit der sogenannten E-Residency können mittlerweile sogar Ausländer ihren virtuellen Wohnsitz in den baltischen Staat verlegen.

Virtueller Wohnsitz

In der Vernetzung sehen Esten den schnellsten Weg zu Freiheit und Modernität. Seit 1997 wird die Digitalisierung daher konsequent vorangetrieben. Per Gesetz sichert der Staat seinen Bürgern kostenlosen Zugang zum Internet zu. Die Regierung arbeitet zudem völlig papierlos. Das Parlament ist mit Laptops ausgestattet, Abstimmungen erfolgen per Mausklick. Auch die Wahlen erfolgen seit 2005 mittels E-Voting über das Internet. Jeder volljährige Bürger besitzt eine ID-Chipkarte, mittels derer nahezu alle Behördengänge vom PC aus erledigt werden können. Mit der E-Residency haben Menschen aus aller Welt die Möglichkeit, sich um einen virtuellen Wohnsitz in Estland zu bewerben. Dafür muss lediglich ein Onlineformular ausgefüllt, eine Passkopie hochgeladen und ein kurzes Motivationsschreiben verfasst werden. Hinzu kommt noch eine Bearbeitungsgebühr von 100 Euro. Anschließend erfolgt noch ein Background-Check der Polizei- und Grenzschutzbehörde.

Unternehmensgründung in wenigen Minuten

Sogenannte E-Bürger haben u.a. die Möglichkeit ein Unternehmen in Estland zu gründen, rund 40 Prozent der Bewerber machen davon auch Gebrauch. Nach Angaben der Regierung dauert eine Gründung 18 Minuten. Eine Staatsbürgerschaft erlangen die Bewerber indes nicht und können somit auch nicht an Online-Wahlen teilnehmen oder Sozialleistungen beantragen.

Nach Angaben der estnischen Regierung haben bisher rund 1300 Deutsch eine E-Residency erhalten. Insgesamt beläuft sich die Zahl der E-Bürger auf 23.000. Ziel ist es, bis zum Jahr 2025 die Marke von 10 Millionen zu erreichen.[2] Für die Regierung ist das E-Residency-Programm bereits jetzt ein voller Erfolg. Da bei jeder Unternehmensgründung eine Unternehmenssteuer in Höhe von 20 Prozent an den Staat abgeführt werden muss, übersteigen die Einnahmen schon gegenwärtig die Kosten für das gesamte Programm.


Quellen:

[1] https://bit.ly/2kojoaw

[2] https://www.welt.de/wirtschaft/article170098780/In-dieses-Land-koennen-Sie-jetzt-digital-auswandern.html

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Über den Autor

Marco ist Prokurist sowie Leiter Unternehmenskommunikation und Vertrieb bei der Star Finanz. Er interessiert sich für alle Themen und Lösungen rund um Online- und Mobile-Banking – sowohl auf Privat- als auch Firmenkundenseite. Marco ist seit über 15 Jahren beim Hamburger Softwareunternehmen tätig und teilt seinen reichen Erfahrungsschatz gern mit anderen. Außerhalb des Büros feiert und leidet er leidenschaftlich mit dem HSV.

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