Die Digitalisierung ist seit geraumer Zeit eines der prägenden Themen innerhalb der Finanzbranche. Insbesondere Fintechs, zumeist junge Unternehmen, die mit Hilfe technologiebasierter Systeme kundenorientierte Finanzdienstleistungen anbieten, setzen etablierte Institute zunehmend unter Druck. Ihre innovativen und häufig disruptiven Technologien haben sich dabei zu einem wichtigen Einflussfaktor für das Bankgeschäft insgesamt entwickelt. Vor diesem Hintergrund haben sich auch die Investitionen in entsprechende Unternehmen in den letzten Jahren sukzessive erhöht. Deren Bewertung kann inzwischen im Einzelfall durchaus die Marke von einer Milliarde US-Dollar überspringen. Ein solches Unternehmen wird als sogenanntes „Einhorn“ bezeichnet.

Die Bezeichnung geht auf Aileen Lee zurück, die Gründerin von Cowboy Ventures, einem Fonds, der während der ersten Finanzierungphase eines jungen Unternehmens investiert. Ende 2013 veröffentlichte Lee im Techblog Tech Crunch einen Artikel, im Rahmen dessen sie über die Faszination von Start-ups schrieb, die eine Bewertung von einer Milliarde US-Dollar erreicht hatten – entweder durch einen Börsengang oder dem erfolgreichen Ausstieg eines Gründers. Die Überschrift des Artikels lautete „Welcome to the Unicorn Club“.

China und USA dominieren
Zu den weltweit größten Fintech-Unicorns zählt unter anderem Lufax. 2011 gegründet, hat sich das Unternehmen inzwischen zur führenden chinesischen internetgestützten Peer-to-Peer-Kreditplattform entwickelt. Aktuell zählt Lufax über 130 Millionen Kunden. Das Wachstum des Unternehmens ist beachtlich. Allein im vergangenen Jahr wurden über die Plattform Finanztransaktionen in Höhe von 750 Milliarden Dollar abgewickelt. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um gut 280 Prozent.[1] Aktuell kommt das Unternehmen auf eine Bewertung von zehn Milliarden US-Dollar.[2]

Ebenfalls zu den Schwergewichten im Fintech-Markt zählt das US-Unternehmen Stripe. 2010 gegründet, kommt der Bitcoin-kompatible Online-Bezahldienst auf eine Bewertung von über neun Milliarden US-Dollar.[3] Mit Facebook, Twitter, Slack oder Salesforce vertrauen einige der größten Firmen der amerikanischen Technologie-Branche auf den Dienst. Mit Stripe haben Online-Händler die Möglichkeit, ihren Shop u.a. um eine kreditkartengestützte Zahlungsfunktion zu ergänzen – ohne Grundgebühr und zusätzliche Verträge. Insgesamt werden 130 Währungen unterstützt. Nach einer längeren Testphase in Deutschland steht der Dienst auch Händlern hierzulande seit Mitte des Jahres zur Verfügung. Für jede über Stripe getätigte Zahlung erhält das Unternehmen eine Gebühr auf den Warenwert. Bei europäischen Kreditkarten liegt diese bei 1,4 Prozent, zuzüglich 25 Cent. Im Falle von nicht-europäischen Karten gilt eine Pauschale von 2,9 Prozent zuzüglich 25 Cent. Neben Kreditkarten unterstützt Stripe auch Apple Pay und Android Pay, SEPA Direct Debit, Sofortüberweisung oder auch Giropay.

Das 2009 vom Twitter-Chef Jack Dorsay gegründete US-Unternehmen Square kommt derzeit auf eine Bewertung von sechs Milliarden Dollar. Der Zahlungsabwickler ermöglicht es kleinen Geschäften Kreditkarten anzunehmen und Daten auszuwerten. Mit Hilfe eines kleinen Dongles lässt sich ein Lesegerät bspw. mit einem iPad oder Smartphone verbinden. Dadurch lassen sich Kreditkarteninformationen einlesen. Im Vergleich zu klassischen Kreditkartenlesegeräten ist dies deutlich günstiger, wodurch Square neue Kundengruppen für diese Bezahlmethode wie z.B. Taxifahrer oder kleine Händler erfolgreich angesprochen hat. Zwar muss der Händler 2,75 Prozent an der Transaktion als Gebühr an den Dienst abführen. Gleichzeitig hat er darüber hinaus keine weiteren Investitionskosten zu tragen, wodurch die Eintrittshürden für ihn niedrig sind.

Europa mit Aufholpotenzial
Während es in Asien und den USA eine Reihe weiterer Fintech-Unicorns gibt, sind es auf europäischer Ebene derzeit u.a. den schwedischen Payment-Service-Provider Klarna mit einer aktuellen Bewertung von 2,5 Milliarden US-Dollar und den Payment-Provider Ayden, der auf eine Bewertung von 2,3 Milliarden US-Dollar kommt.[4]  Zu den Unicorns gehört auch Revolut, eine Banking-App, die im Sommer 2015 gestartet ist und auf eine Bewertung von derzeit 1,7 Milliarden Euro kommt (Stand: April 2018). Seit Anfang Januar 2019 zählt auch das Berliner Fintech N26 zu den Schwergewichten der Szene. 260 Millionen Euro hat das Unternehmen zum damaligen Zeitpunkt von Investoren eingenommen, zu einer Bewertung von 2,3 Milliarden Euro.

Quellen:

• [1] http://bit.ly/2i5P3ff
[2] http://bit.ly/2ySUnN1
[3] http://bit.ly/2ySUnN1
[4] http://bit.ly/2z8lvc7

*Hinweis: Der am 27. Oktober 2017 veröffentlichte Artikel wurde am 26. April 2019 aktualisiert. Er stellt eine Auswahl von Unicorns da und erhebt nicht den Anspruch einer vollständigen Darstellung.

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Über den Autor

Bernd ist seit 2001 Geschäftsführer bei der Star Finanz und seit 2014 Vorsitzender der Geschäftsführung. Er ist stets auf der Suche nach Trends und innovativen Lösungen rund um die Themen Finanzen, Banking und Payment. Abseits des Büros ist Bernd leidenschaftlicher Anhänger des 1. FC Köln.

1 Kommentar

  1. Ja, leider ist es heutzutage sehr schwer mit der USA und mit den BRIC Ländern mitzuhalten, Deutschland macht sich aber ziemlich gut, für den größen Unterschied 🙂

    LG

    Anna

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