In einer Welt, in der Nachrichten von einem Ende zum anderen nur wenige Sekunden brauchen und es Live-Videos aus den Tiefen des Meeres gibt, stellt sich doch immer wieder die Frage: Warum braucht es mehrere Tage, bis bei einer Überweisung das Geld beim Empfänger ankommt? Seit 2017 gibt es dafür eine Lösung: Mit Instant Payment können innerhalb von zehn bis 20 Sekunden bis zu 15.000 Euro von einem Girokonto zum anderen überwiesen werden. Der Empfänger kann das Geld dann sofort nutzen. Dies ist der erste Beitrag einer dreiteiligen Serie über Instant Payment, der zunächst darauf eingeht, worum es sich konkret handelt und welche Vor- beziehungsweise Nachteile mit dieser Technik verbunden sind. In den kommenden Artikeln skizzieren wir dann die konkrete Funktionsweise von Instant Payment und beschreiben Herausforderungen und Probleme bei dessen Verbreitung.

Im Moment ist Instant Payment theoretisch in dem 34 Länder umfassenden SEPA-Raum möglich, bisher nehmen aber nur wenige Banken in 15 Ländern teil. Das Problem: Um eine Überweisung sekundenschnell auszuführen, müssen sowohl der Sender als auch der Empfänger ein Konto bei einer Bank haben, die Instant Payment anbietet. Das sind in Deutschland aktuell* die Sparkassen, die Genossenschaftsbanken, die Deutsche Bank, die norisbank und die HypoVereinsbank. Europaweit bieten derzeit mehr als 2.000 Institute Instant Payment an. In diesem Jahr sollen wahrscheinlich noch mehr als 100 Banken folgen.[1]

Vor- und Nachteile von Instant Payment

Besonders Händler profitieren von der schnellen Zahlungsmethode. Wenn Kunden im Geschäft ihren Einkauf via Giro- oder Kreditkarte zahlen, mussten Händler bisher einige Tage warten, bis das Geld tatsächlich auf ihrem Konto landet. Mit Instant Payment lässt sich diese Situation vermeiden. Vorteilhaft für Händler sind neben dem schnelleren Geldeingang auch die geringeren Transaktionskosten gegenüber Bargeld bzw. Kreditkartenzahlungen. Weiterer Pluspunkt: Händler können sofort überprüfen, ob der Kunde tatsächlich über die notwendige Liquidität verfügt. Auch Geschäfte zwischen Unternehmen sind einfacher durchzuführen, wobei die aktuelle 15.000-Euro-Grenze die Zahlmethode für größere Unternehmen derzeit noch wenig attraktiv macht. Dies könnte sich jedoch demnächst ändern: Laut European Payments Council ist derzeit eine Anhebung der Grenze im Laufe des Jahres im Gespräch.

Privatpersonen kommt Instant Payment ebenfalls zugute. Elektronische Zahlungen nähern sich „realen“ Barzahlungen an. Während der Empfänger unmittelbar über die gutgeschriebenen Mittel verfügt und diese anderweitig einsetzen kann, wird auch das Konto des Zahlenden unmittelbar belastet. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass Kontostände jederzeit aktuell sind. Kontoinhaber können so Einnahmen und Ausgaben besser im Blick behalten. Außerdem können auch am Wochenende und an Feiertagen Rechnungen überwiesen werden und Überweisungszeiten hängen nicht mehr von Banköffnungszeiten ab. Momentan gibt es in der Regel nämlich nur einmal am Tag einen Buchungsschnitt. Danach werden die Zahlungen unter den Banken verrechnet und die Überweisung ausgeführt. Mit Instant Payment wäre dieses System obsolet.

Doch zwei Sorgenpunkte bleiben: Der Vorgang ist unwiderrufbar und momentan, bei manchen Banken, kostenpflichtig. Besonders ersteres ist ein großes Problem, weil das Geld im Falle eines Hackerangriffs, oder wenn eine Transaktion versehentlich falsch ausgeführt wird, unwiderruflich weg ist. Es besteht kein Zweifel: Sobald sich Instant Payment auch über den SEPA-Raum hinaus etabliert hat, sind Bezahlvorgänge in wenigen Sekunden auch außerhalb Europas möglich.

* Stand: 12. März 2019

[1] https://www.bezahlen.de/wann-ihre-bank-instant-payment-einfuehrt.php

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Der zweite Artikel unserer Serie zu Instant Payment erscheint voraussichtlich am 02. April 2019

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

1 Kommentar

  1. Hoffentlich kommt mehr Fahrt in die Angelegenheit bspw. durch:
    Die Deutsche Bank und der Zahlungsverkehrssystemanbieter Serrala haben eine offene Schnittstelle (API) für Sepa Instant Payments auf den Markt gebracht. Nach Angaben der beiden Dienstleister handelt es sich dabei um die erste API, mit der Unternehmen Echtzeitzahlungen direkt über ihr SAP-System auslösen können.
    Quelle: https://www.dertreasurer.de/news/software-it/deutsche-bank-und-serrala-starten-instant-payment-loesung-2008371/

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