Der digitale Wandel hat längst auch die Versicherungsbranche erreicht. Sogenannte InsurTechs, eine Wortbildung aus Insurance (engl. Versicherung) und Technology, setzen etablierte Anbieter unter Druck. Ihr Angebot richtet sich dabei insbesondere an Kunden der jüngeren Generation. Diese erwarten heutzutage von ihrer Versicherung neben einer kompetenten Beratung auch schnelle Problemlösungen, günstige Preise und eine einfache Abwicklung ­­– idealerweise in digitaler Form.

Über 130 InsurTechs in Deutschland

Laut dem Online-Portal Statista gab es allein bis Mitte 2019 insgesamt 134 InsurTechs in Deutschland.[1] Das waren rund 30 Unternehmen mehr als noch Ende 2017 und über 80 mehr als Mitte 2016. Die meisten Anbieter sind im Bereich Vertragsmanagement aktiv. Hierzu zählen Anbieter wie Knip, Clark oder Getsafe. Mittels einer App können Kunden dieser InsurTechs alle laufenden Versicherungen bequem per Smartphone oder Tablet im Blick behalten, direkt einen Schadensfall melden oder bestehende Verträge vergleichen bzw. optimieren.

Ein weiterer Bereich ist Peer-to-Peer-Insurance, bei der sich eine Gruppe von Menschen zusammenschließt und Versicherungsbeiträge im Rahmen eines gemeinsamen Pools sammelt. Im Schadensfall begleicht der Pool die entstandenen Kosten. Kommt es zu keinem Schadensfall, reduzieren sich die Beiträge der einzelnen Mitglieder bzw. erhalten diese am Ende des Jahres einen entsprechenden Bonus. Spot-Insurance-Anbieter wiederum ermöglichen den Abschluss einer kurzzeitigen Versicherung, bspw. eine 12-monatige Diebstahlversicherung für den Kinderwagen oder einen 24-stündigen Drittfahrerschutz.

Anzahl von Kooperationen steigt

Vergleichbar mit der Situation in der Finanzbranche, in der sich Banken und FinTechs in zu Beginn vor allem als Konkurrenten angesehen haben, wandelt sich auch in der Versicherungsbranche die Perspektive. Inzwischen bestehen bereits eine Vielzahl an Kooperationen bzw. Beteiligungen zwischen etablierten Playern und jungen Startups. So nutzt bspw. Axa die InsurTechs Friendsurance, Knip und Getsafe, um seine Angebote über alle drei Plattformen weiter zu verbreiten. Ergo, die VHV Versicherungen und Barmenia arbeiten mit dem Anbieter Wefox zusammen. Über dessen App werden Anliegen von Bestandskunden digital, schnell und einfach bearbeitet.

Seit April kooperieren der Sparkassen Innovation Hub, die zentrale Anlaufstelle für FinTechs innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe, und die Berliner id-fabrik, Start-up und Ideenschmiede für die öffentlichen Versicherer, um gemeinsam digitale Lösungen für den Versicherungsvertrieb und die Kundenbetreuung zu entwickeln. Ziel ist es, thematische Kompetenzen zu bündeln und noch schneller kundenzentrierte und marktreife digitale Innovationen für die Sparkassen-Finanzgruppe bereitzustellen. Entlang agiler Arbeitsmethoden werden neue Konzepte, Use Cases und Prototypen von Start-ups, aus der Gruppe und dem Markt getestet. Erste Themen für die neue Einheit stehen bereits fest: So soll der Fokus auf die digitale Beraterunterstützung und die Verprobung neuer Technologien gesetzt werden. In sogenannten Product Discoveries, vierzehntägige Workshops, sollen mit möglichen Partnern potenzielle Ideen und Use Cases überprüft und weiterentwickelt, um diese anschließend in der id-fabrik umzusetzen. Interessierte InsurTechs, Start-ups und Gründer können sich für eine Zusammenarbeit melden unter hallo@id-fabrik.de.

Weitere Hintergründe zur Kooperation gibt es hier:

Sparkassen Innovation Hub und id-fabrik entwerfen gemeinsam digitale Innovationen für die öffentlichen Versicherer

Experten erwarten, dass die Anzahl von Kooperationen künftig weiter zunehmen wird. Nicht zuletzt, um die Beziehung der Versicherung zu ihren Kunden weiter vertiefen zu können. Zu diesem Ergebnis kommt bspw. auch der „World Insurtech Report“ vom Beratungsunternehmen Capgemini. Demnach sei eine intensive Zusammenarbeit von Versicherungen mit InsurTechs unerlässlich, um den steigenden Erwartungen der Kunden gerecht zu werden. Denn die Kunden verlangen zunehmend personalisierte, flexible Angebote und verknüpfte Services. Laut den Autoren der Studie bestehe aktuell eine erhebliche Lücke zwischen den Erwartungen der Kunden und der aktuellen digitalen Reife von Versicherungen. InsurTechs könnten einen wichtigen Beitrag leisten, diese Lücke zu schließen.

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1031770/umfrage/anzahl-der-insurtechs-in-deutschland/

Titelbild: ©akinbostanci (istockphoto)

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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