In unserer Serie über Frauen in der FinTech- und Digitalbranche möchten wir euch dieses Mal Caro Beese, Gründerin und Geschäftsführerin der finletter und Fintech Week GmbH, näher vorstellen.

Kannst du Dich den Lesern bitte einmal vorstellen und erläutern, wie Du dorthin gekommen bist, wo Du heute bist?

Mein Name ist Caro Beese und ich bin Gründerin und Geschäftsführerin der finletter und Fintech Week GmbH. Wir sind verantwortlich für die Fintech Week, Deutschlands größte Fintech-Veranstaltung, den Fintech-Newsletter finletter sowie zahlreiche weitere publizistische Projekte und Veranstaltungen rund um Fintech. Dass ich in der Branche gelandet bin, geht auf meinem Mitgründer Clas Beese zurück, der schon seit zehn Jahren mit dem Thema zu tun hat und mich mit seiner Begeisterung angesteckt hat. Von Hause aus bin ich Journalistin und habe viel für (Online-)Magazine gearbeitet sowie für Events und Unternehmen kommuniziert.

Was beinhaltet Dein Beruf? Was sind Deine Aufgaben?

Als Geschäftsführerin in einem kleinen Unternehmen muss man das große Ganze im Blick haben, das ist meine primäre Aufgabe. Außerdem betreibe ich – das passt ja im Kontext dieses Interviews ja gut – viel „Female Speaker Scouting“, d.h. ich suche nach starken Frauen in Fintech-Berufen und versuche ihre Repräsentation auf unseren Bühnen und in unseren Publikationen voranzutreiben.

Was fasziniert Dich an der Fintech-Branche? Was nervt manchmal?

Als ich 2007 nach meinem Studium in den Beruf gestartet bin, hatte es die erste große Digitalisierungswelle in der Medienbranche bereits gegeben und gefühlt waren die Fronten zwischen alter und neuer Welt schon verhärtet. In der Fintech-Branche erlebe ich gerade einen ähnlichen Wandel, wie ihn die Medienwelt durchlebt hat, aber früher und näher. Zu sehen, wie alte und neue Player in den vergangenen Jahren aufeinander zugegangen sind, finde ich sehr spannend. Mich fasziniert auch im Bereich Finanzen immer die Motivation der Menschen, da mein Bild von Banken und Bankern schon sehr kritisch ist. In meinem jetzigen Beruf treffe ich viele Leute, die Klischees widerlegen – und andere, die sie völlig bestätigen. Die nerven dann. Zum Glück gibt es immer genug spannende Menschen, denen etwas an der Welt liegt. Für sie ist das, was sie machen, kein reiner Selbstzweck, sondern sie sind überzeugt, dass zum Beispiel ihre Produkte bestimmte Aspekte im Leben von Menschen verbessern können. Oder sogar – Stichwort Nachhaltigkeit – etwas Gutes für die Zukunft tun. Das sind mir die liebsten Fintechies und Projekte.

Welche Erfahrungen hast Du als Frau in der Fintech-Szene gemacht?

In Fintech ähneln die Erfahrungen wohl denen in jeder anderen technisch geprägten Branche: Frauen sind in Führungspositionen unterrepräsentiert, generell sind sie öffentlich nicht so sichtbar wie ihre männlichen Kollegen. Frauen erleben eher Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechtes, sind Alltagssexismus ausgesetzt. Der durchschnittliche Mann kann sich gar nicht vorstellen, wie es als Frau ist, durch den Alltag zu gehen, zwischen Mansplaining, häufig unterbrochen werden und den eigenen, gesellschaftlich mitverursachten, Selbstzweifeln. Ich kenne das alles auch und gehöre dabei zu den stärkeren Frauen, die auch auf Bühnen gehen und sich selbst sichtbar machen. Um anderen dabei zu helfen, habe ich schon vor meiner Fintech-Zeit das Netzwerk Digital Media Women gegründet. Mir hat der Austausch mit gleichgesinnten Frauen in einem geschützten Rahmen, wo wir uns gegenseitig unterstützt und über Schwierigkeiten gesprochen haben, mehr geholfen als alle anderen Kontakte in meiner Laufbahn.

Warum ist es wichtig, dass mehr Frauen in der Fintech-Szene Fuß fassen?

Muss man 2020 immer noch erklären, warum es für ein Unternehmen besser ist, nicht immer nur weiße Männer zwischen 30 und 55 in bestimmte Positionen zu heben? Eine wirkliche Vielfalt an Perspektiven, Arbeits- und Herangehensweisen erreicht man so nicht, und Unternehmen mit mehr Frauen in den Führungsebenen sind nachweislich produktiver und wirtschaftlich erfolgreicher.

Befürwortest Du Quotenregelungen?

Wessen Quotenregelungen? Gesetzliche oder selbst gesteckte? Einen wirklichen Effekt in der Breite in einer gewissen Geschwindigkeit werden nur von oben aufoktroyierte Regelungen haben, weil sich nur dann niemand aus seiner Verantwortung wieseln kann. Aber grundsätzlich finde ich jede Quotenregelung begrüßenswert, die dabei hilft, Leute in bestimmten Positionen auf die Problematik aufmerksam zu machen. Mir geht es immer so: Wenn ich eine Frau in einer Rolle sehe – auch wenn es eine Quotenfrau ist –, kann ich mir diese Rolle eher für mich vorstellen. Studien verfolgen diesen Effekt bis in die frühe Kindheit, wo Rollenklischees und Sprache prägen, was Mädchen und Jungs für ihre eigene Zukunft für möglich halten. In der Fintech-Szene sind zum Glück immer mehr Frauen unterwegs und es gibt Netzwerke wie die Fintech Ladies, fintexx, das European Women Payment Network und viele mehr, die Frauen sichtbar machen und ihnen zeigen, was möglich ist, und die außerdem auch helfen, die männlichen Seilschaften zu infiltrieren und Frauen für bestimmte Positionen ins Spiel zu bringen. Diese Netzwerke können aber auf Dauer nicht das Versagen von Unternehmen im Bereich Diversität kompensieren.

Was muss aus Deiner Sicht passieren, damit in den kommenden Jahren mehr Frauen wie Du den Weg in FinTech-Unternehmen finden oder selbst Start-ups gründen?

Mehr Entscheider*innen müssen sich bewusst werden, dass es für ihr Unternehmen eine Bereicherung ist, Frauen einzustellen und zu fördern. Doch das Bewusstsein ist nur der erste Schritt. Aus dem Veranstaltungsgeschäft kann ich berichten, dass es einen zusätzlichen Zeit- und damit auch Geldeinsatz bedeutet, das Ziel 50/50 für die Bühne anzustreben. Meiner Meinung nach lohnt es sich aber – nicht zuletzt, weil sich Frauen dadurch gesehen fühlen und viel eher ein Thema, eine Branche oder ein Unternehmen für sich in Betracht ziehen.

Welche Tipps kannst Du Gründerinnen oder Berufseinsteigerinnen geben? Gibt es bspw. typische Studienfächer oder Karrierewege?

Nein. Ich bin überzeugt, dass Frau nicht das eine Fach studieren oder den einen Beruf erlernen muss, um in der Fintech-Branche Fuß fassen zu können. Die meisten sind doch Quereinsteiger*innen, mich eingeschlossen. Ich habe Journalismus studiert und gelernt, mein Mitgründer ist BWLer, eine Mitarbeiterin von uns ist Japanologin usw. Uns eint die Begeisterung für die Branche. Wenn diese gegeben ist, dann kann eine Berufseinsteigerin im Grunde einen beliebigen Hintergrund haben. Wobei ich allen mit technischer Begeisterung auch ein technisches Studium empfehlen würde, weil das zumindest im Moment doch die Berufe mit der vielversprechendsten Zukunft sind.

Was sind Deine beruflichen Pläne für die Zukunft?

Ich bin gerade sehr glücklich mit dem, was ich mache. Ab dem Sommer bin ich erst mal ein bisschen in Elternzeit, aber ich habe nicht vor, danach irgendwas zu ändern. Unsere Firma wächst, macht Spaß und hat noch viel vor sich. Das will und werde ich mitgestalten!

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto: ©Romy Geßner

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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