Am 16. und 17. August fand in Hamburg die Blockchance Conference 2019 statt. Im Interview wirft Initiator Fabian Friedrich einen Blick zurück auf zwei spannende und informative Tage, erläutert die Idee hinter der Veranstaltung und führt aus, wie Hamburg zum führenden Blockchain-Zentrum Europas werden kann.

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Fabian Friedrich (c) Karsten Eichhorn

Fabian, die Blockchance Conference 2019 liegt hinter uns. Wie fällt dein Fazit aus. Hat die Konferenz deine Erwartungen erfüllt?

Die Blockchance Conference Hamburg 2019 war ein voller Erfolg. Die rund 800 Gäste durften ein hochprofessionelles und informatives Programm erleben. Durch die historische Handelskammer Hamburg als Event Location und durch die Unterstützung der Stadt, der Wirtschaftsbehörde und auch persönlich durch den Wirtschaftssenator Westhagemann und Hamburgs Ersten Bürgermeister Dr. Tschentscher war eine Nähe zur Politik gegeben. Die 80 internationalen Sprecher unter anderem von der UN, dem Club of Rome, der Europäischen Kommission, aber auch aus der Wirtschaft von VW, Mercedes, BMW, IBM, Osborne Clarke und aus der Blockchain-Branche von Bitmain, ConsenSys, spot9 etc. haben ein großes Bild gezeichnet – im Vordergrund stand dabei: Was bringt diese Technologie uns Menschen und welches sind die wirtschaftlichen Veränderungen die auf uns zukommen.

Was bleibt nach der Konferenz bei dir hängen? Gab es spezielle Momente, Begegnungen oder ungewöhnliche Ereignisse, die du in besonderer Erinnerung behältst?

Mir persönlich bleibt unvergesslich welch positive Energie durchweg bei allen Veranstaltungen vorhanden war. Als Veranstalter rechnet man immer mit dem Schlimmsten. Doch anscheinend haben wir vieles richtig gemacht, denn es kamen bis heute nur positives Feedback bei uns an. Ich bin überwältigt von meinem Team und wie aufopferungsvoll es mit mir den Weg gegangen ist – unermüdlich und manchmal Tag und Nacht – um unseren Traum zu realisieren. Wir haben unser Ziel erreicht. Hamburg ist Blockchain-Hotspot und Hamburg ist zudem Ausgrabungsort der größten Blockchain-Konferenz Deutschlands. Was unsere Konferenz darüber hinaus einzigartig gemacht hat sind Formate wie der Blockchance Kindergarten, bei dem Kinder den Erwachsenen die Blockchain Technologie erklärt haben. Sowie unsere großzügigen Ausstellungsflächen mit viel Kunst, gutem Essen, einem Swimmingpool und jeder Menge Platz fürs Networking. Nicht zu vergessen auch unser 50.000 Euro Startup Contest, das Spielgeld Casino und unsere Tanzabende.

Gehen wir einen Schritt zurück: Wie ist die Idee zur Blockchance Conference überhaupt entstanden und wie lange habt ihr am Konzept gearbeitet?

2018 fand die erste Blockchance Conference statt. Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus die Blockchain-Technologie bekannter zu machen und Berührungsangst auf den Seiten der Wirtschaft aber auch auf den Seiten der Öffentlichkeit zu nehmen. Sie fand in einer Location im Hafen statt, ganz nach dem Motto: „In den USA fangen große Unternehmung in einer Garage an, bei uns in Hamburg ist das Pendant dazu der Übersee Container“. Das Event war ein voller Erfolg und so haben wir uns entschieden einen mutigen Schritt zu gehen und zu skalieren und sind schon im zweiten Jahr die größte Konferenz in Deutschland geworden. Anstatt im Hafen gab es 2019 die historische Handelskammer Event Location, die mitten in Hamburgs Innenstadt liegt und einst Deutschlands erste Börse war. Als wir dann zehn Monate harte Arbeit in zwei Konferenztagen erleben durften war dies ziemlich intensiv. Da bekam selbst ich ab und zu Gänsehaut.

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Für den Einstieg in die Konferenz habt ihr einen ungewöhnlichen, aber sehr frischen und unterhaltsamen Einstieg gewählt. Unterstützt u.a. von einer Klavierspielerin, einem Beatboxer sowie Tänzerinnen und Tänzer wurden die Besucher in die Themenwelt rund um Blockchain eingeführt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen und warum genau auf diese Art und Weise?

Wir wollten gerne jeden mitnehmen und auch zeigen, dass wir gemeinsam auf leichte Weise lernen und lehren können. Auch Hamburgs Bürgermeister, der während des Theaters neben mir saß, war ganz angetan. BitArt erklärt die Effektivität ihrer Educational-Theatres mit den Worten von E.Y. Harburg: „Words make you think a thought. Music makes you feel a feeling. A song makes you feel a thought”.

Ihr habt eine Vielzahl internationaler Speaker und Vertreter namhafter Unternehmen für beide Tage gewinnen können. Kannst du uns einen Einblick geben, wie Du und Dein Team das Programm zusammengestellt habt und welche Hürden es eventuell bis zur finalen Agenda zu überwinden gab?

Dadurch das ich im Vorstand des größten internationalen Blockchain-Verbandes INATBA bin und auch ansonsten im Bundesblock und im Hanseatic Blockchain Institute gut vernetzt bin, habe ich ein großartiges Netzwerk und hatte Freude daran, dass Programm zusammenzustellen. Für das nächste Jahr haben wir schon ein paar richtig große Fische an der Angel, die international zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen werden. Dazu bald mehr.

Die Schirmherrschaft für die Konferenz übernahm Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher. Wie leicht oder schwierig war es, ihn für das Projekt zu gewinnen und welche Rolle spielt Politik aus deiner Sicht generell bei der weiteren Entwicklung im Bereich Blockchain.

Ich habe Herrn Dr. Tschentscher einfach eine E-Mail geschrieben und nach kurzem Austausch mit seinem Chefsekretär hatte ich die Zusage. Das er auch bereit war mit mir ein Foto Shooting auf seinem Balkon und in seinem Büro zu machen hat mich natürlich besonders geehrt. Um im Bereich Blockchain weiter voran zu kommen und die nötigen Weichen zu stellen, um Industrie aber auch die interessierte Öffentlichkeit mitzunehmen, können wir nicht ohne die Legislative auskommen. Wir von Blockchance verstehen uns als Brückenbauer zwischen der alten und der neuen Welt, denn wir verstehen, dass die kommende Blockchain-Technologie-Welle zu so starken gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen sowohl lokal als auch globalen führen wird, wie die Erfindung des Buchdruckes 1440.

Blockchain

Worin siehst du die größten Chancen der Blockchain-Technologie und vor welchen Herausforderungen steht die Branche deiner Meinung nach?

Bei der Blockchain-Technologie geht es darum, den Menschen die Integrität, Verfügbarkeit und Authentizität ihrer Daten sicherzustellen, um dadurch eine öffentliche Gemeinschaft gewährleisten zu können. Mittelsmänner und Machtzentren werden in vielen Fällen obsolet. Diese Technologie kann uns in ein Zeitalter von Gerechtigkeit, Transparenz und Gleichheit führen. In einer Blockchain-Welt ist Kooperation effektiver als Wettbewerb. Zusammenarbeit und Fairness stimulieren die Wirtschaft. Die Herausforderung aktuell sind offensichtlich. Wir sind an einem Punkt wie bei der Erfindung des Flugzeuges. Ein Jahr später 1904 flog es schon 300 Meter weit, aber nur die mutigsten sind eingestiegen und los geflogen. Wir müssen nun diese neue Technologie zum abheben bringen, die Usability erhöhen, Skalierungsprobleme lösen und auch an der Energieeffizienz der Systeme arbeiten. Zudem muss es Standards und Schnittstellen geben die unterschiedliche Blockchains mit einander interagieren lassen. Auch regulatorisch muss natürlich einiges passieren. Doch in allen genannten Punkten sind wir auf einem guten Weg.

Werfen wir einen Blick voraus. Wird es eine Blockchance Conference 2020 geben? Welche Projekte stehen bei dir in den kommenden Monaten an?

Natürlich wird es eine Blockchance 2020 geben. Kommendes Jahr wird Blockchance 100 Prozent grün. Das bedeutet wir werden unsere Konferenz CO2-neutral gestalten. Um Flüge und Drucke zu kompensieren werden wir nach der Konferenz gemeinsam einen Wald anlegen. Des Weiteren hängen wir 2020 einen Konferenztag dran und werden vom 10. bis zum 12. September die Tore der Handelskammer öffnen. Vieles was wir gut gemacht haben, machen wir dann noch besser und manche weiteren Änderungen und Überraschungen möchte ich heute noch nicht nennen.

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Ein weiteres Projekt das ich aktuell initiiere ist der BlockRock Ventures Fonds, der ein Hybrid aus einem Accelerator und einem klassischen Fond darstellt und noch mehr Blockchain Start-ups nach Hamburg holen wird. Für den Beirat haben wir auch schon Branchengrößen wie z.B. den CEO der Börse Stuttgart, Alexander Höptner, gewinnen können.

Zudem starten wir im kommenden Jahr Blockchain Media, ein internationales Newsportal. Auch unsere Marken „Blockchain Summer Hamburg“ und „Blockchain Week Hamburg“ werden ausgearbeitet und bekommen weitere Inhalte. Das von mir mitinitiierte Hanseatic Blockchain Institute ist auch auf einem starken Wachstumskurs. Das alles führt dazu das Hamburg bald eines der führenden Blockchain-Zentren Europas werden wird.

Schauen wir zu guter Letzt zehn Jahre in die Zukunft: Welche Rolle spielt die Blockchain-Technologie zu diesem Zeitpunkt bzw. sollte sie idealerweise aus deiner Sicht spielen?

Die Blockchain Technologie wird den Alltag leichter machen aber auch zu mehr Selbstverantwortung führen. Es wird nicht mehr „bank the unbanked“ heißen, sondern „everybody is a bank“. Wahlen werden unfälschbar auf der Blockchain abgehalten. Soziale Netzwerke werden nicht mehr über Zentrale Server organisiert. Der Einkauf mit digitalem Bargeld ist kostengünstig und effizient. Patienten haben Krankendaten mit ihrem Private Key gesichert und veröffentlichen nur die für den behandelnden Arzt relevanten Infos und Autonome Autos bezahlen selbstständig aus ihrem „persönlichen“ Wallet die Elektroladesäule. Nur um einmal ein paar Szenarien aufzuzeigen.

Wir sind gespannt, was noch kommt. Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen zur Blockchance Conference gibt es hier 

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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