Mikrokredite helfen überwiegend in Entwicklungs- und Schwellenländern den Menschen, die wenig Möglichkeiten haben, am wirtschaftlichen Leben teilzunehmen. Gerade in Asien, Südamerika oder Afrika leben Millionen von Menschen in ländlichen Regionen, die nur erschwerten Zugang zu Finanzdienstleistungen haben; außerdem fehlen ihnen in vielen Fällen Sicherheiten, weshalb ihnen klassische Bankkredite verwehrt werden. Mikrokredite sind Kleinstkredite, die diese Lücke schließen und einkommensschwachen Menschen Unterstützung anbieten. Ihnen reichen oft schon wenige Hundert Euro für den Kauf von Saatgut, Werkzeugen, Maschinen oder Baumaterialien. Insbesondere Frauen kommt dieses System zu Gute; sie befinden sich aufgrund traditioneller Rollenmuster häufig in einer starken Abhängigkeit. Mithilfe der Kredite können sie eine, zumindest in Teilen, finanzielle Unabhängigkeit erreichen.

Internationale FinTechs wie TALA und branch haben sich auf diese Art der Entwicklungshilfe spezialisiert und Plattformen entwickelt, über die Interessierte mittels Apps schnell und einfach ein Antrag für solche Kleinstkredite stellen können. TALA ist mittlerweile in Kenia, Tansania, auf den Philippinen, in Mexiko und Indien zum Download verfügbar. branch bietet seinen Service zusätzlich auch in Nigeria an. Trotz des einfachen Zugangs überprüfen die Anbieter die Kreditwürdigkeit der Antragssteller. Hierbei wertet ein Algorithmus die auf dem Smartphone vorhandenen Daten wie Anrufe, Textnachrichten und mobile Geldtransaktionen aus. Fällt die Prüfung positiv aus, landet das Geld in nur wenigen Minuten auf dem Konto der Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer. Diese haben dann die Möglichkeit, das geliehene Geld in kleinen Raten zurückzuzahlen. Aufgrund des relativ hohen Ausfallrisikos sind die anfallenden Zinsen für die Kredite recht hoch und liegen oft zwischen 20 und 30 Prozent.

Digitale Landwirtschaftsplattform

Farmcrowdy ist Nigerias erste digitale Landwirtschaftsplattform, die es Landwirten ermöglicht, verbessertes Saatgut, Produktionsmittel und Schulungen zu erhalten und gleichzeitig einen eigenen Markt für ihre Produkte aufzubauen. Die Frauen und Männer aus Nigeria haben auf diese Weise nicht nur Zugriff auf Mikrokredite, sondern Menschen aus der ganzen Welt können ihnen über Farmcrowdy beim Aufbau ihres Betriebs helfen. Dabei können Sponsoren aus verschiedenen festgelegten Paketen wählen: für 95.000 Naira – umgerechnet rund 225 Euro – verhelfen einem nigerianischen Farmer beispielsweise zu einer Anbaufläche für Mais.

Als Sponsor eines solchen Projektes wird man regelmäßig über den Verlauf informiert und kann die unterstützten Farmen auf Wunsch sogar besuchen. Von den erzielten Gewinnen behalten die Landwirte 40 Prozent. Von den übrigen 60 Prozent gehen neben der Investitionssumme auch 40 Prozent an die Sponsoren zurück. Die restlichen 20 Prozent des Gewinnes behält sich Farmcrowdy ein. Das klingt auf den ersten Blick nach unfairen Bedingungen, allerdings seien die Angebote von lokalen Banken deutlich schlechter. Bei dem jungen FinTech erhalten die kreditnehmenden Farmerinnen und Farmer tatsächlich Hilfe zur Selbsthilfe: Nicht nur erhalten sie einen Kredit zu vergleichsweise günstigen Konditionen, sondern zusätzlich eine laufende und professionelle Beratung zum Aufbau ihrer Agrarbetriebe.

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

1 Kommentar

  1. Interessante Zusammenstellung, wie mit kleinen Summen gut geholfen werden kann. Gut ist auch die Erwähnung des doch schon relativ hohen Ausfallrisikos. Also sicherheitshalber nur Geld investieren, das wirklich übrig ist. Dann ist das eine gute Sache. LG Kalle

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