Christine Lagarde, die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) ist sich sicher: „Wir werden einen digitalen Euro haben“, sagte sie im Januar bei der Online-Veranstaltung „Reuters next“. Sie rechne mit der Einführung des digitalen Euros in den nächsten fünf Jahren. [1]

Doch was ist der digitale Euro eigentlich?

Der digitale Euro (E-Euro) wird wie Bargeld von der EZB ausgegeben und kontrolliert. Keinesfalls soll er laut EZB das Bargeld ersetzen. Der E-Euro entsteht durch die Geldschöpfung der EZB und der Geschäftsbanken, also ganz normal wie Münzen oder Scheine. Im Unterschied zu Bitcoin behält also die Notenbank die Kontrolle über die Währung und will damit Stabilität und Sicherheit garantieren. [2]

In der virtuellen Geldbörse

Der digitale Euro soll in einer Art virtueller Geldbörse aufbewahrt werden. Das Geld wird etwa beim Kauf eines Brötchens beim Bäcker mittels eines einfachen Verfahrens, zum Beispiel durch eine App oder einen QR-Code, in die Kasse des Verkäufers wandern. Dies soll sowohl online als auch offline möglich sein, ohne Internet etwa durch Bluetooth oder andere technische Lösungen. Das Verfahren ist also sehr einfach und auch viel schneller als etwa eine SEPA-Überweisung, die den europäischen Zahlungsverkehr ja auch schon rasant beschleunigt hat.

Faktisch liegt das E-Euro-Konto bei der EZB

E-Euros werden auf einem separaten Konto verbucht, also getrennt von den Einlagen auf einem normalen Girokonto. Faktisch liegt dieses Konto bei der EZB, doch verwaltet werden soll es durch die Geschäftsbanken. Der normale Verbraucher wird also wie beim Bargeld keinen direkten Zugang zur EZB erhalten. Aus Sicht der Verbraucher ist der Vorteil des E-Euros vor allem dessen Sicherheit.

Denn dem E-Euro kann nichts passieren, selbst dann nicht, wenn die entsprechende Geschäftsbank des Kunden durch eine Krise in Schieflage gerät, weil am Ende eben die EZB dahinter steht. Davon erhofft man sich deutlich mehr Vertrauen als in Zahlungsmethoden wie ApplePay oder GooglePay, hinter denen nicht Zentralbanken, sondern große Konzerne stecken, deren Solidität in Krisenzeiten nicht immer gesichert ist.

Damit aber nicht alle Verbraucher ihr Erspartes auf das E-Euro-Konto umschichten und somit den Geschäftsbanken ihre finanzielle Basis entziehen, soll es einen Höchstbetrag pro Konto von 3.000 Euro geben.

Persönliche Daten werden nicht übermittelt

Ein weiterer Vorteil für den Verbraucher ist der Schutz der Privatsphäre. Denn im Unterschied zu Apple & Co., aber auch zu den großen amerikanischen Kreditkartenunternehmen, werden bei der Transaktion keine persönlichen Daten übermittelt. Anonymität und Schutz der Privatsphäre hätten gerade für Europäer einen großen Stellenwert, so die EZB.

Bereits im letzten Jahr startete die EZB eine öffentliche Anhörung zu diesem Thema, die nun mit Rekordbeteiligung abgeschlossen wurde. 8221 Antworten von Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Verbänden seien eingegangen, teilte die Notenbank mit.

Die Ergebnisse sollen im Frühjahr vorgestellt werden. Die Notenbank verriet aber schon, dass vor allem die Frage der „Privacy“, also des Datenschutzes, der Anonymität und des Schutzes vor Beobachtung durch öffentliche Institutionen die Menschen bei diesem Thema bewege. 41 Prozent der Rückmeldungen hätten dieses Thema betroffen. Danach folgten mit weitem Abstand die Sorge um die Sicherheit (17 Prozent) und das Interesse an einer europaweiten Reichweite (10 Prozent). [1]

E-Euro bringt der Wirtschaft mehr als den Verbrauchern

Viel interessanter als für den Verbraucher ist das Projekt aber für die Wirtschaft. Der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr zum Beispiel, der derzeit oft mehrere Tage dauert, könnte binnen Sekunden erfolgen. Auch ließen sich Finanztransaktionen von Unternehmen automatisieren und damit beschleunigen. [3]

Hinzu kommen Vorzüge wie Kleinstüberweisungen (Micro Payments) oder die Automatisierung von Transaktionen, wie sie beispielsweise im Rahmen des Internet der Dinge (IoT) Anwendung finden können. Ein Beispiel: Mit dem Internet verbundene Maschinen könnten automatisiert am Zahlungsverkehr teilnehmen – und selbstständig Umsätze und Kosten buchen. Auch mit Blick auf künftige Innovationen im Bereich Industrie 4.0 befürworten große Teile der Industrie die Einführung eines digitalen Euros. [4]

Europa hängt hinterher

Andere Länder sind der europäischen Initiative weit voraus. China testet bereits seine staatliche Digitalwährung – Chinese Digital Currency Electronic Payment (DCEP). Seit neuestem kann die Digitalwährung erstmals auch beim Online-Shopping genutzt werden – wenn auch vorerst nur bei einem Anbieter. Seit 2020 kommen bereits probeweise Apps zum Einsatz, mit denen in E-Yuan bezahlt werden kann. Zudem erhalten die Menschen einen Teil ihrer staatlichen Leistungen in der neuen Digitalwährung. Mit dem digitalen Yuan reagiert die chinesische Regierung auf den Erfolg von Kryptowährungen wie dem Bitcoin. Dabei setzt Chinas Digitalwährung zwar auch teilweise auf eine Blockchain. Gleichzeitig kommen aber auch traditionelle Verrechnungsmethoden zum Einsatz.

Aus Facebooks Libra wurde Diem

Facebook kündigte bereits im Sommer 2019 die Einführung einer eigenen digitalen Währung an. Die zuerst Libra genannte Variante soll Nutzerinnen und Nutzern von Facebook und den damit verbundenen Plattformen wie WhatsApp und Instagram die Möglichkeit geben, die digitale Währung beim Onlineshopping zu nutzen. Dabei sollte der Libra-Coin einen Korb von internationalen Währungen abbilden.

Diese Initiative stieß aber weltweit auf Widerstand bei Politikern und Notenbanken. Sie sahen in dem Projekt den Angriff eines Privatunternehmens auf das staatliche Währungsmonopol – und kündigten eine starke Regulierung von privaten Digitalwährungen an. In der Hoffnung auf eine Zulassung hat Facebook das Konzept stark abgewandelt. Nun soll es zunächst nur einen sogenannten Stablecoin geben, der jeweils einen US-Dollar abbildet. Stablecoins sind Kryptowährungen, deren Preis aktiv oder automatisch gesteuert wird, um die Schwankungsbreite seines Kurses gering zu halten. Auch den Namen hat Facebook geändert: Libra heißt nun Diem.

Die nächsten Schritte

Das weitere Verfahren ist nun offenbar so: Im Frühjahr will die Notenbank eine detaillierte Auswertung der Eingaben zum Für und Wider des digitalen Euro veröffentlichen. Auf Basis der Konsultationsergebnisse und weiterer interner Arbeiten soll der EZB-Rat Mitte 2021 eine Grundsatzentscheidung dazu treffen, ob das Projekt weiter verfolgt wird. [1]

Quellen:

[1] https://www.faz.net/aktuell/finanzen/ezb-praesidentin-lagarde-kuendigt-digitalen-euro-in-fuenf-jahren-an-17144352.html

[2] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/ezb-digitaler-euro-101.html

[3] https://www.ing.de/ueber-uns/wissenswert/digitaler-euro/

[4] https://www.sparkasse.de/aktuelles/digitaler-euro.html

Titelbild: ©aprott (iStock)

Weitere Infos zum Thema Digitalisierung gibt es hier.

Über den Autor

Claudia ist CRM-Managerin und somit für die Gestaltung der Beziehung zwischen der Star Finanz und ihren Kunden zuständig. Daher interessiert sie sich für Datenqualität und Datenmanagement. Darüber hinaus verfolgt sie Trends in Digitalisierung, Banking und E-Commerce. Privat ist sie beim Joggen und Radfahren sportlich unterwegs.

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