Robo-Advisors, Angebote für die automatisierte und computergesteuerte Vermögensberatung, erfreuen sich hierzulande zunehmender Beliebtheit. Insbesondere junge Menschen setzen vermehrt auf diese neue Form der Anlageverwaltung. Anders als beim bisherigen klassischen Prozess erfolgt die Anlage der Gelder hier entlang von Vorgaben eines Algorithmus, der auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Portfoliotheorie beruht. Durch die Automatisierung sollen menschliche Fehler wie bspw. Panikverkäufe ausgeschlossen werden.

Während die sogenannten „Anlage-Roboter“ hierzulande noch relativ neu am Markt sind, gibt es sie in den USA bereits seit 2010. Kern der Robo-Advisors sind standardisierte Fragen u.a. zum Alter, Renditeerwartung oder Anlagehorizont, deren Beantwortung durch den Kunden zu einer normierten Geldanlage führt. Ziel ist es, die Risikobereitschaft des Kunden besser einschätzen zu können. Hierfür wird der Kunde nach Beantwortung der Fragen in eine bestimmte Risikoklasse eingeordnet, woraus sich dann wiederum die vorgeschlagene Anlagestrategie ergibt. Verbraucher können die Entwicklung ihres Portfolios jederzeit auf dem PC oder Smartphone verfolgen.

Da die Risikotragfähigkeit des Anlegers nicht vollständig ermittelt wird und die Anlageberatung sehr vereinfacht ist, handelt es sich bei Robo-Advisory allerdings um keine Anlageberatung im eigentlichen Sinn und somit auch um keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Finanzinstrumente. Ein entsprechender Hinweis findet sich folgerichtig in den Risikohinweisen der Anbieter.

Die fehlende Berücksichtigung individueller Bedürfnisse, die ebenfalls analysiert werden müssen, ist einer der Hauptkritikpunkte solcher Systeme. Es ist jedoch davon auszugehen, dass derlei Aspekte in künftige Fragebögen stärker mit einfließen. Hinzu kommt die äußerst schlanke und transparente Kostenstruktur. Durchschnittlich verlangen Robo Advice-Anbieter aktuell weniger als ein Prozent per anno an Vergütung, ohne zusätzliche Gebühren oder versteckte Kosten. Ein weiterer Vorteil: Über den computergesteuerten Berater kann der Anleger zu jeder Zeit und von jedem Ort eine Änderung im Portfolio vornehmen.

Vorteile und Risiken der Robo-Advisory auf einen Blick:

Vorteile:

  • Schlanke Kostenstruktur
  • Hohe Transparenz: Alle Robo-Advisor legen transparent dar, in welches Produkt sie investieren
  • Unabhängigkeit: Es werden keine bestimmten Produkte bevorzugt; es finden keine Provisionszahlungen statt

Risiken:

  • Fehlende persönliche Beratung und Berücksichtigung individueller Bedürfnisse

Fazit
Die Entscheidung darüber, ob man sein Geld durch einen menschlichen Berater oder einen automatisierten Algorithmus verwalten lässt, muss jeder individuell für sich treffen. Das Wachstum von Robo Advice-Anbietern verdeutlicht, dass es für diese neue Form der Vermögensanlage durchaus einen Markt und eine (steigende) Nachfrage gibt.

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Über den Autor

Bernd ist seit 2001 Geschäftsführer bei der Star Finanz und seit 2014 Vorsitzender der Geschäftsführung. Er ist stets auf der Suche nach Trends und innovativen Lösungen rund um die Themen Finanzen, Banking und Payment. Abseits des Büros ist Bernd leidenschaftlicher Anhänger des 1. FC Köln.

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