Im Zuge der zunehmenden Verbreitung von Kryptowährungen hat sich mit dem sogenannten Initial Coin Offering (ICO) ein neues Finanzierungsmodell entwickelt. Dieses ist angelehnt an den von Börsengängen bekannten Initial Public Offering (IPO), bei dem Aktien aus dem Bestand von Altaktionären oder aus einer Kapitalerhöhung auf einem Kapitalmarkt angeboten werden. Während beim IPO jedoch Firmenanteile verkauft werden, handelt es sich beim ICO um ein Investment in ein auf der Blockchain-Technologie basierendes Projekt oder Unternehmen. In der Regel werden dabei Token bzw. Coins angeboten, die eine Art digitalen Coupon für Beteiligungen am Unternehmen bzw. dem Projekt darstellen.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Neben einem rein monetären Wert können Token allerdings auch in einem anderen Zusammenhang zum Einsatz kommen. So gibt es Organisationen, die Token zum Kauf anbieten und im Gegenzug dem Investor ein Stimmrecht über die Zukunft der Organisation einräumen. Quasi eine Art digitale Mitgestaltungsoption. Ein weiteres Szenario ist der Einsatz von Token als Kryptowährung zum direkten Bezahlen einer Dienstleistung wie bspw. für Speicherplatz im Internet.

Steigendes Investoreninteresse

Aufgrund der zahlreichen Einsatzmöglichkeiten und der steigenden Nachfrage nach Kryptowährungen insgesamt hat auch das Interesse von Investoren an ICOs in den vergangenen Monaten spürbar zugenommen. Für dieses Jahr erwarten Experten ein Investitionsvolumen von 3,2 Milliarden Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Summe für die neue Finanzierungsmethode somit verzwölffacht.[1]

BaFin warnt vor Risiken

Während klassische Börsengänge rechtlich streng reguliert und weitestgehend transparent sind, handelt es sich bei ICOs um weitestgehend nicht regulierte Prozesse. Jüngst wies die BaFin darauf hin, dass der Erwerb von Coins bzw. Tokens im Rahmen von ICOs für Anleger erhebliche Risiken birgt. Im schlimmsten Fall kann ein Investment zum Totalverlust führen. Typischerweise befinden sich Unternehmen bzw. Projekte, die mittels ICO finanziert werden, in einem sehr frühen, meist experimentellen, Stadion. Entsprechend unerprobt seien die Entwicklung und das Geschäftsmodell. Ein weiteres Risiko bestehe aufgrund hoher Preisschwankungen und, im Gegensatz zum klassischen Kapitalmarkt, dem Fehlen eines liquiden Zweitmarkts, auf denen Investoren ihre erworbenen Tokens bzw. Coins wieder gewinnbringend veräußern können. ICOs seien daher aktuell noch äußerst anfällig für Betrug, Geldwäsche und Terrorfinanzierung. Daher bestünde für Anleger ein erhöhtes Risiko, das eingesetzte Kapital am Ende zu verlieren.

[1] http://bit.ly/2iU3NhI

 

Share.

Über den Autor

Bernd ist seit 2001 Geschäftsführer bei der Star Finanz und seit 2014 Vorsitzender der Geschäftsführung. Er ist stets auf der Suche nach Trends und innovativen Lösungen rund um die Themen Finanzen, Banking und Payment. Abseits des Büros ist Bernd leidenschaftlicher Anhänger des 1. FC Köln.

Nachricht hinterlassen