Kredite gelten heutzutage weitgehend als sinnvolle Möglichkeit, um finanzielle Engpässe zu überbrücken oder kostspielige Anschaffungen finanzieren zu können. Hierzu zählt bspw. der Kauf eines Autos oder einer Wohnimmobilie. Neben etablierten Instrumenten wie der Schufa-Auskunft ist es Banken theoretisch auch möglich, die Kreditvergabe in Abhängigkeit von anderen Kriterien vorzunehmen. Denkbar wäre die Einbeziehung von Daten, die z.B. in sozialen Netzwerken oder anderweitig im Internet öffentlich verfügbar sind. Ein solches Verfahren bezeichnet man als Social Scoring.

Skepsis überwiegt – Jüngere zeigen sich offen

Laut einer Umfrage[1] des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) vom Mai 2018 ist Social Scoring hierzulande noch weitgehend unbekannt. Nur rund ein Drittel der Befragten gab an, schon einmal vom Ratingverfahren gehört zu haben. 56 Prozent nehmen Social Scoring als Risiko und nicht als Chance wahr. Die Ablehnung resultiert im Wesentlichen aus der Angst, dass aus erhobenen Nutzungsdaten falsche Schlüsse über die jeweilige Kreditwürdigkeit gezogen würden. Die Befragung zeigt jedoch auch: Insbesondere in der jüngsten Verbrauchergruppe der 18 bis 25-Jährigen beträgt die Zustimmung zum Social Scoring über 50 Prozent. Bisher findet das Verfahren in Deutschland derzeit noch keine Anwendung. Es wird vielmehr in Ländern eingesetzt, in denen es keine Auskunfteien vergleichbar mit der deutschen Schufa gibt.

China plant Bürgerbewertungssystem

In China soll Social Scoring 2020 eingeführt werden – in einer deutlich schärferen Variante. Menschen, die sich gut benehmen, werden belohnt, für schlechtes Verhalten gibt es Strafen. Wer wirft seinen Müll auf den Gehweg? Wer geht bei Rot über die Ampel? Wenn es nach den Vorstellungen der chinesischen Regierung geht, wird ein solches Fehlverhalten künftig sanktioniert. Möglich macht es eine immer weiter fortschreitende Überwachungstechnik, die jeden Einzelnen jederzeit identifizierbar macht – in der U-Bahn, im Einkaufszentrum oder bei der Arbeit. Nicht wenige sprechen vor diesem Hintergrund von einer digitalen Diktatur. Social Scoring – Digitale Bonitätsprüfung 6

In rund einem Dutzend Versuchsregionen wird die Bürgerbewertung derzeit bereits ausprobiert. Jeder Bürger erhält hier vom Staat Noten. Wer zum Beispiel über das Internet gesunde Babynahrung bestellt, erhält Pluspunkte. Wer hingegen zu viel Zeit mit Computerspielen verbringt, muss mit Abzügen rechnen. Geplant ist, dass Nutzer mit mindestens 1.300 Punkten die höchste Bewertung AAA erhalten. Halten sie diesen Stand einige Zeit lang, kommen sie an vergünstigte Kredite oder eine bessere Krankenversicherung. Auch bei der Vergabe von Studienplätzen könnte sich eine hohe Punktzahl der Eltern positiv auswirken. Wer unter 600 Punkte fällt, erhält die schlechteste Bewertung D und muss dann sogar befürchten, seinen Job zu verlieren. Mittels einer Smartphone-App sollen sich die Bürger jederzeit über ihren aktuellen Punktestand informieren können.

[1] https://www.pwc.de/de/finanzdienstleistungen/studie-ist-deutschland-bereit-fuer-social-scoring.pdf

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Über den Autor

Thomas ist in der Unternehmenskommunikation der Star Finanz für Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

1 Kommentar

  1. Danke erstmal, für den guten Artikel. Ich bin kein Befürworter des Social-Scoring. Jeder kann man bei nicht Beachtung durch Ablenkung oder stress, über Rot gehen, zu schnell Fahren wegen schlechter Beschilderung oder Wetterverhältnissen. Soll man wirklich dafür Kredittechnisch zusätzlich zum Bußgeld belangt werden ?

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