Digitale Berater-Suche: Kunden können sich ihren persönlichen Finanzberater via Banking-App aussuchen. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie in der Dating-Welt. Die Banken führen mit ihren Kunden einen Kompatibilitätstest durch, um Gemeinsamkeiten mit den Beratern zu finden. Doch wie läuft die „Partnersuche“ via Banking-App genau ab und wie kommt sie bei den Kunden an?

Deutsche sind Finanzberatern gegenüber skeptisch

Viele Deutsche vertrauen der Finanzbranche nicht, so eine Umfrage des CFA Institutes unter Investoren in 15 Ländern. Auch Finanzberater haben einen schweren Stand: Ein Drittel der deutschen Anleger befürchtet sogar, dass ihr Finanzberater nicht in der Lage ist, ihr Portfolio erfolgreich durch schwierige Marktphasen oder Krisen zu bringen. Nur 17 Prozent bezeichnen Finanzberater als wichtigste Informationsquelle für Investmententscheidungen. Deutschland liegt damit hinter dem internationalen Durchschnitt. Doch warum sind die Deutschen gegenüber Finanzberatern so verhalten?

Viele Kunden befürchten, dass ihr Berater Entscheidungen aus finanziellem Eigeninteresse trifft. Den Kunden fehlen Informationen zu Themen wie der Preistransparenz oder den professionellen Standards. Der Grund dafür ist, dass der persönliche Kontakt mit Beratern oft zu kurz kommt. Die mangelnde Kundenbeziehung sorgt für Wissenslücken und führt zum Vertrauensverlust der Kunden.

Das Tinder-Prinzip

Dem Banking-Tinder liegt die Überzeugung zugrunde, dass regelmäßige Interaktionen mit dem Kunden im Bankenwesen unverzichtbar sind. Und dass nicht jeder Finanzberater zu jedem Kunden passt. Die Verlagerung des gesamten Kundenkontakts in den digitalen Raum ist deshalb nur sinnvoll, wenn darunter nicht die persönliche Beziehung zum Kunden leidet. Ziel ist eine starke Beziehung zwischen Kunden und Finanzberatern, die letztlich die Voraussetzung für eine personalisierte Beratung ist.

Damit es zwischen Beratern und Kunden menschelt, setzen erste Banken bereits auf das Tinder-Prinzip:

  • Sparkasse: Der Online-Beraterfinder der Hamburger Sparkasse ermittelt für den Kunden den passenden Berater basierend auf vier Fragen. Ist der Kunde Privatkunde, selbstständig oder Unternehmer? Soll das erste Treffen digital oder vor Ort stattfinden? Was ist das Anliegen des Kunden und in welcher Stadt sucht der Kunde einen Berater? Anschließend wird der Kunde zu ausgewählten Beraterprofilen weitergeleitet, in denen die Berater sich kurz persönlich vorstellen und über ihren Werdegang, ihre beruflichen Qualifikationen und persönlichen Interessen berichten. Erst jetzt trifft der Kunde die Entscheidung für einen Berater und kann die Kontaktaufnahme direkt starten.
  • Umpqua Bank: Bei der Umpqua Bank aus Portland im US-Bundesstaat Oregon finden die Kunden via „Go-To“-App ihren persönlichen Finanzberater. Hier wählen die Kunden direkt aus den verschiedenen Profilen ihren persönlichen Berater aus. Dafür stehen ihnen Informationen zu dem beruflichen Werdegang, dem Know-how, persönlichen Interessen und dem Standort des Beraters zur Verfügung. Ist die Entscheidung auf einen Kandidaten gefallen, chatten Kunde und Berater erst online, bevor sie ein persönliches Gespräch in der Bankfiliale vereinbaren oder sich dauerhaft digital austauschen.
Jüngere Kunden für Banking-Tinder bereit

Laut dem Marktforschungsunternehmen YouGov reagieren die Kunden auf die Tinder-Offensive der Banken jedoch noch zögerlich. Bisher kann sich erst ein Drittel von ihnen vorstellen, ihren Bankberater via App auszuwählen. Die Bereitschaft hängt dabei stark vom Einkommen ab. Nur 22 Prozent der Geringverdiener mit Haushaltsnettoeinkommen unter 1.500 Euro pro Monat können sich eine solche Beratersuche vorstellen, während es unter den Besserverdienern mit Einkommen von 3.000 Euro immerhin 38 Prozent sind. Betrachtet man das Alter, sind unter den jüngeren Kunden zwischen 18 und 24 Jahren sogar 40 Prozent zum Bank-Tindern bereit. Dagegen hat nur ein Viertel der Befragten ab 55 Jahren Interesse an einer solchen App.

Wer die Kunden von morgen erreichen will, kann also durchaus innovative Wege gehen. Ältere Kunden sind hingegen nach wie vor in Bankfilialen anzutreffen. Aber ob im digitalen Raum oder in der Filiale: Das Wichtigste ist und bleibt der persönliche Austausch.

Quellen

Weitere Informationen zum Thema Digitalisierung gibt es hier

Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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