Die anhaltende Gesundheitskrise hält weltweit die Menschen weiterhin fest in ihrem Griff. Eine der derzeit am häufigsten diskutierten Fragen: Wie kann der Corona-Impfstoff zügig verteilt werden? Für viele Bürger erscheint die Bürokratie hinter der Pandemie unverständlich und unstrukturiert. Die bisher vor allem im Finanzbereich genutzte Blockchain-Technologie soll nun bei der Krisenbewältigung helfen und wird bereits erfolgreich zum Verwalten, Tracking und Austausch von Gesundheitsdaten angewandt.

Pandemie bietet neue Anreize für Blockchain

Mit dem Erfolg der Kryptowährung Bitcoin steigt seit einigen Jahren das Interesse an Blockchain, der Technologie hinter der digitalen Währung. Blockchain ermöglicht, Kryptowährungen auch ohne eine Bank sicher und transparent zwischen Personen zu übermitteln. Der Name der Technologie steht für eine Kette von Informationsblöcken, in denen Transaktionen gespeichert werden und so in ein digitales, dezentrales und öffentliches Buchhaltungssystem integriert werden. Durch eine Aktualisierung im Abstand von zehn Minuten können alle Nutzer auf dieselben Informationen zugreifen.

Der Start von Blockchain in anderen Geschäftsfeldern war zunächst holprig: Viele Unternehmen erkannten zwar das Potenzial der Technologie, scheiterten oft jedoch an der strategischen Umsetzung. Nach dem Marktforschungsinstitut CB Insights flossen in junge Unternehmen, die mit Blockchain arbeiten, 2018 noch über 4,1 Milliarden Dollar Venture Capital, während es 2019 nur noch rund 1,6 Milliarden Dollar waren. Während der globalen Gesundheitskrise erleben die Anwendungsmöglichkeiten der Blockchain-Technologie nun jedoch ein Comeback.

Dies liegt zum einen daran, dass die Digitalisierung infolge der weltweiten Lockdowns rasant an Fahrt aufnimmt, zum anderen hat sich Blockchain aber auch stark weiterentwickelt.

So unterstützt Blockchain das Corona-Krisenmanagement:
Austausch von Gesundheitsdaten

Die WHO hat mit mehreren IT-Konzernen, darunter Oracle, Microsoft und Hacera, die Plattform MiPasa entwickelt, auf der Informationen zum Coronavirus zusammengetragen werden. Diese stehen Regierungsstellen, Gesundheitsbehörden, aber auch Privatpersonen zur Verfügung.

Die Blockchain ermöglicht die dezentrale Speicherung der Daten und garantiert ihre Sicherheit, Aktualität und Verifizierbarkeit. Durch künstliche Intelligenz und Big Data können so Aussagen über die Verbreitung des Virus getroffen werden und Personen und deren Gesundheitszustand unter Wahrung der Privatsphäre (unter Verwendung von Zero Knowledge Proofs) nachverfolgt werden. Sogar Infizierte ohne Symptome können ermittelt werden. Dadurch schafft die Blockchain-Technologie Transparenz und kann zur Eindämmung des Virus beizutragen.

Impfstoffverteilung

Eine große Herausforderung bei der Verteilung des Impfstoffs: Die enorme Impfstoffmenge, die Zahl der Empfänger sowie die Verlustrate durch den Transport und die Kühlung erfordern stabile Lieferketten. Diese sind jedoch so komplex, dass sie nur schwer nachzuverfolgen sind.

Hier kann die Blockchain-Technologie ansetzen und die gesamten Daten im Lieferprozess erfassen, verwalten und an die verschiedenen Partner weitergeben. Durch die Kombination von Blockchain und IoT-Sensoren können über eine Echtzeit-Tracking-Funktion zu jeder Zeit zum Beispiel, die Temperatur und die Lagerbestände bestimmt werden. Alle Beteiligten der Kette von Primärproduzenten, Transportunternehmen, Lieferanten über Zertifizierungsanbieter und Pharmaunternehmen bis hin zu medizinischen Behörden wie der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) oder der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) stellen dabei ihre Informationen in einem gemeinsamen Netzwerk zur Verfügung. Beispielsweise können durch ein auf der IBM Blockchain basierendes Netzwerk Nebenwirkungen kontrolliert und das Rückrufmanagement verbessert werden. Die Blockchain-Technologie ermöglicht durch die geschaffene Transparenz und Datenintegrität den gesamten Prozess schnell und sicher zu gestalten.

Blockchain: Reifeprozess noch nicht abgeschlossen

Die Coronapandemie offenbart das enorme Potenzial der Blockchain-Technologie, das lange noch nicht ausgeschöpft ist. Allerdings stellt die Umsetzung der Technologie noch eine große Herausforderung dar, besonders das Löschen von ungewünschten Daten. Hierbei könnten unter anderem Lösungen auf Basis künstlicher Intelligenz Abhilfe schaffen. Der entscheidende Vorteil der Blockchain Technologie: Die Messlatte für die Sicherheit und Verifizierbarkeit von Daten liegt nun deutlich höher.

Quellen

Titelbild: ©peterschreiber.media (istockphoto)

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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