„Unbanked“ – so werden Menschen im Englischen genannt, die keinen oder nur unzureichenden Zugang zu Finanzdienstleistungen haben. Davon sind rund 2,5 Milliarden Menschen betroffen, das entspricht 53 Prozent aller Erwachsenen weltweit. Die meisten von ihnen leben in Asien, Afrika, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Dass diese Menschen keinen Zugang zum Finanzsystem haben liegt zum einen daran, dass die dortigen Banken keine Privatkundengeschäfte tätigen. Zum anderen fehlen teilweise schlicht vollständige Ausweispapiere. Genau in diesem Bereich könnte die eigentliche digitale Revolution stattfinden. Die auf Blockchain basierenden digitalen Währungssysteme verzichten schließlich nicht nur auf Banken als zentrale Vermittlerstelle. Dezentrale Datenbänke ermöglichen auch das Sichern digitaler Identitäten, für welche es keine Papiere mehr braucht.

Humanes Krypto-Banking

Das Start-Up-Unternehmen „Humaniq“ (https://humaniq.com/) entwickelt beispielweise ein Krypto-Währungssystem, für welches Nutzer lediglich vier Dinge benötigen: ein Smartphone, Internetzugang, die Humaniq-App und ihr eigenes Gesicht. Über die Face-ID können die Nutzer die Anwendung entsperren und auf ihr kostenloses Konto zugreifen, mit welchem einfache Überweisungen und Währungstransaktionen möglich sind. Zudem sollen zukünftig auch Lohnzahlungen und Privatkredite über die Finanz-App abgewickelt werden können.

Die Tatsache, dass Menschen keinen Zugang zum Finanzsystem haben, betrifft natürlich nicht nur Entwicklungsländer. In Deutschland sollen rund 860.000 Menschen wohnungslos sein. Wagen sie einen Neustart und wollen etwa Sozialhilfe beantragen, müssen sie sich an die Behörden wenden. Meist scheitert dieses Vorhaben aber schon an einem gültigen Personalausweis. Diesen haben viele Obdachlose schlicht verloren und können so weder einen neuen beantragen noch einen Sozialhilfeantrag stellen. Das US-Unternehmen „Blockchain For Change“ (https://blockchainforchange.org/) hat sich dieser Problematik angenommen und die App „Fummi“ entwickelt. Nutzer der App erhalten eine Smart-ID und verfügen über einen eingebetteten SmartWallet. Auf der Fummi-Plattform können sie so sicher ihr Geld speichern und auf diverse Dienste von kooperierenden Partnern zugreifen – dazu gehören neben Suppenküchen eben auch Behörden, bei denen sie sich mit der App ausweisen können.

Digitale Hilfe

In einem jordanischen Flüchtlingscamp beweist das UN-Welternährungsprogramm seit 2017, wie mithilfe der Blockchain-Technologie effizient humanitäre Hilfe geleistet werden kann. In einem Supermarkt nahe dem Flüchtlingscamp wird ein Iris-Scanner genutzt, der es den Geflüchteten ermöglicht, per Augenaufschlag zu zahlen. Die Geräte an der Kasse scannen die Iris und gleichen den Kontostand und die Identität der Flüchtlinge mit einem Profil auf der Blockchain ab. Auf diese Weise wird nicht nur ihr Geld sicher aufbewahrt, sondern auch ihre Identität gesichert – auf der Flucht vor Krieg und Terror ist das keine Selbstverständlichkeit. Diese Projekte zeigen, dass die digitale Revolution insbesondere diejenigen unterstützen kann, die Hilfe am meisten benötigen.

Bildnachweis: © peshkov / www.istockphoto.com

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Über den Autor

Marco ist Prokurist sowie Leiter Unternehmenskommunikation und Vertrieb bei der Star Finanz. Er interessiert sich für alle Themen und Lösungen rund um Online- und Mobile-Banking – sowohl auf Privat- als auch Firmenkundenseite. Marco ist seit über 15 Jahren beim Hamburger Softwareunternehmen tätig und teilt seinen reichen Erfahrungsschatz gern mit anderen. Außerhalb des Büros feiert und leidet er leidenschaftlich mit dem HSV.

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