Die Anzahl der Blogs, Podcasts und Bücher, die sich mit dem Thema Frauen und Finanzen beschäftigen, ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Finanz-Plattformen für Frauen wie „Madame Moneypenny“ [1], „Female Finance Forum“ [2], „Hermoney“ [3] oder „Geldfrau“ [4] bieten Finanz-Informationen, Kurse und Coachings speziell für Frauen. Doch ist das wirklich notwendig? Themen wie Altersvorsorge oder Hausbau betreffen doch schließlich beide Geschlechter gleichermaßen.

Altersvorsorge ist vor allem für Frauen wichtig

Tatsächlich sollten jedoch vor allem Frauen frühzeitig an Altersvorsorge und finanzielle Absicherung denken. Denn Frauen verdienen nicht nur während des Berufslebens weniger Geld als Männer, sie bekommen auch deutlich weniger Rente – im Schnitt 46 Prozent. Die „Gender-Pay-Gap“ hat also einen noch größeren „Gender-Pension-Gap“ zur Folge. [5] 75 Prozent der heute 30 bis 55-jährigen Frauen droht eine Rente unter Hartz IV-Niveau – das ist unter 400 Euro.

Frauen scheuen das Thema Geldanlage

Das sollte Grund genug sein, dem Thema Altersvorsorge frühzeitig Aufmerksamkeit zu schenken. Aber: Frauen tun es nicht. Sie verlassen sich auf ihre Ehemänner in Bezug auf die Altersvorsorge. Sie übernehmen unbezahlte Sorgearbeit und arbeiten bezahlt häufig nur in Teilzeit, so dass aus dem Teilzeit-Gehalt auch eine Teilzeit-Rente wird. Sie glauben, dass Geldanlage ein kompliziertes Thema ist, daher investieren sie nicht, sondern legen allenfalls Geld auf ein Sparbuch. Im Jahre 2020 waren nur 36 Prozent der Anleger, die Aktien oder Aktienfonds gekauft haben, weiblich. [6]

Eine nicht repräsentative Umfrage unter fünf Müttern im Bekanntenkreis mit Kindern unter sechs Jahren ergibt: Fünf von fünf Müttern haben ihre Arbeitszeit nach dem ersten Kind reduziert und vier von fünf Müttern erhalten keine Kompensation seitens ihres Ehemannes oder Lebensgefährten, der seine Arbeitszeit wiederum nicht reduziert hat. Bei nur einem Paar haben beide ihre Arbeitszeit auf 30 Wochenstunden reduziert. Das erschien auch deshalb sinnvoll, weil beide zuvor ungefähr gleich viel verdient hatten.

Gender Pay Gap verringert sich, aber sehr langsam

Womit wir bei der ungleichen Bezahlung wären. Laut Statistischem Bundesamt verdienten Frauen in Deutschland 2020 durchschnittlich 18 Prozent weniger pro Stunde als Männer. [7] Da liegt es nahe, dass die Frau in Elternzeit geht und danach ihre Arbeitszeit reduziert. Zwar verringert sich der Gender Pay Gap seit 2015 leicht, aber bis zum gleichen Verdient für die gleiche Arbeit ist es noch ein weiter Weg.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage im Bekanntenkreis, dieses Mal unter Müttern mit Kindern, die zehn Jahre oder älter sind, ergab, dass vier von fünf Müttern ihre Arbeitszeit dauerhaft reduziert hatten. Auch diejenigen, deren Kinder schon aus dem Haus waren, hatten nach dem ersten Kind nie wieder voll gearbeitet. Auch in diesen Fällen gab es nie eine Absicherung oder anderweitige Kompensation der Einnahmeverluste durch den Ehemann oder Lebensgefährten. Nur eine Mutter arbeitet voll, sie ist alleinerziehend und käme sonst nicht über die Runden.

Die meisten Banken haben die Zielgruppe Frauen nicht speziell im Visier

Daher sollten Frauen nicht abwarten, sondern ihre Altersvorsorge in die eigene Hand nehmen. Eine Möglichkeit wäre, dass der Ehemann oder Lebensgefährte in eine private Rentenversicherung für seine Frau / Lebensgefährtin einzahlt, um damit die Einkommens- und Rentenverluste auszugleichen. Interessanterweise haben traditionelle Banken die doch sehr große Zielgruppe der Frauen offenbar nicht gezielt im Visier. Zwar findet man auf fast allen Banken-Websites Informationen zur Altersvorsorge speziell für Frauen, man muss aber sehr intensiv danach suchen. Die einzige Ausnahme ist die comdirect, die mit der Website „finanz-heldinnen.de“ eine Plattform mit Informationen rund um Geldanlage und Altersvorsorge speziell für Frauen geschaffen hat. [8]

Umso mehr helfen die eingangs genannten Websites. Hier wird mit Vorurteilen über Geldanlage aufgeräumt und praxisnah erklärt, welche Anlagemöglichkeiten es gibt und was davon sinnvoll ist. Denn die Erfahrung zeigt: Wenn Frauen investieren, sind sie erfolgreicher als Männer. Sie investieren in der Regel langfristiger und setzen seltener auf Einzelaktien, die vielleicht gerade einen Höhenflug haben. Das zahlt sich am Ende durch eine höhere Rendite aus.

 

[1] https://madamemoneypenny.de/

[2] https://www.femalefinanceforum.de/

[3] https://www.hermoney.de/

[4] https://www.geldfrau.de/

[5] https://www.handelsblatt.com/audio/today/handelsblatt-today-frauen-und-finanzen-wie-der-weg-in-die-finanzielle-unabhaengigkeit-gelingt-und-warum-das-so-wichtig-ist/27148052.html?ticket=ST-3338479-Te0gv9hPD5wwd1Brs3e1-ap4

[6] https://www.dai.de/files/dai_usercontent/dokumente/Statistiken/210225_Aktionaerszahlen%202020.pdf

[7] https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap.html

[8] https://finanz-heldinnen.de

Weitere Informationen zum Thema Banking gibt es hier

Über den Autor

Claudia ist CRM-Managerin und somit für die Gestaltung der Beziehung zwischen der Star Finanz und ihren Kunden zuständig. Daher interessiert sie sich für Datenqualität und Datenmanagement. Darüber hinaus verfolgt sie Trends in Digitalisierung, Banking und E-Commerce. Privat ist sie beim Joggen und Radfahren sportlich unterwegs.

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