Ob Handyverträge, Kredite oder Gartenmöbel – die beliebtesten Online-Zahlungsarten in Deutschland sind das Lastschriftverfahren und der Kauf auf Rechnung. Für Händler besteht bei diesen beiden Verfahren allerdings ein relativ hohes Risiko für Zahlungsausfälle. Im E-Commerce in Deutschland ist es deshalb Gang und Gebe vor Kaufabschluss ein Scoring durchzuführen. Eine Bonitätsprüfung verschafft dem Händler im Vorfeld Klarheit, ob es ein Risiko darstellt, diese Zahlungsart einem bestimmten Kunden überhaupt anzubieten.

Scoring per Knopfdruck

Der Käufer bekommt von einer Bonitätsprüfung beim Bestellvorgang nichts mit. Diese wird innerhalb von ein paar Sekunden vorgenommen, um die, für den Händler sicheren Zahlungsmethoden, zur Verfügung zu stellen.

Wie die Einstufung der Kreditwürdigkeit im Einzelnen erfolgt, ist ein streng gehütetes Geheimnis der Scoring-Dienstleister. Bei einem positiven Scoring bieten sich dem Kunden diverse Bezahlmethoden, inklusive Lastschrift und Rechnungskauf. Kunden mit einem negativen Scoring-Ergebnis müssen sich hingegen mit weniger Zahlungsarten zufrieden geben – dazu zählen Kreditkartenzahlung oder Überweisung.

Klassisches Scoring

Ein Scoring-Wert ergibt sich aus mehreren Quellen, derer sich die Dienstleister bedienen. Dazu gehört, klassisch die SCHUFA-Auskunft oder Creditreform sowie öffentlich zugängliche Verzeichnisse. Diese Quellen allein bilden jedoch keinen aussagekräftigen Scoring-Wert ab, da es einige Zeit in Anspruch nimmt, bis diese Quellen aktualisiert sind. Aus diesem Grund nutzen Scoring-Dienstleister oftmals Datenbanken von Unternehmen, um ein umfassenderes Bild über den Kunden gewinnen zu können. Abschließend werden noch soziodemografische Daten, zumeist der Wohnort, als Maßstab verwendet.

Digitalisierung verhilft zum Social-Scoring

Jeder Konsument streut jede Menge Informationen über seine Person im Internet, ob bei Xing, Facebook oder Amazon. Diese Daten reichen vom beruflichen Werdegang, dem sozialen Umfeld bis hin zu persönlichen Vorlieben und Interessen. Ziel eines Hamburger Startups ist es, eine internationale Scoring-Datenbank aufzubauen und darauf basierend für E-Commerce Unternehmen, Bonitätsauskünfte anzubieten. Für Händler sind diese Informationen Gold Wert, da sie die bisherigen Scoring-Daten ergänzen. Vor allem die Aktualität der Daten und die Analyse verschiedener Datenpunkte innerhalb eines kurzen Zeitraumes ist für Händler sehr verlockend. False Positives sind Kunden, die aufgrund fehlender oder veralteter Daten negativ eingeschätzt wurden, aber eigentlich kreditwürdig sind. Sie werden durch diese Methode reduziert. Allerdings besteht dabei das Risiko vorhandene Konsumenten mit schlechter Bonität aufgrund von falschen Angaben in Social-Media Portalen gut zu bewerten. Sollten sich Payment-Lösungen von Apple oder Google durchsetzen, wäre es sogar denkbar, dass sie selbst zu Anbietern von Bonitätsprüfungen werden.

Fazit
Social Scoring wird in Deutschland wohl kaum herkömmliche Methoden zur Bonitätsprüfung ablösen. Die bislang bewährten Scoring-Methoden stützen sich zum Großteil auf Fakten, die auf tatsächlichen Ereignissen in der Zahlungshistorie eines Kunden basieren und werden deswegen weiterhin die Grundlage jeden Scorings bilden. Da es in anderen Ländern jedoch nichts vergleichbares zur deutschen Schufa gibt, kann es dort einen Durchbruch bedeuten.

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Über den Autor

Marco ist Prokurist sowie Leiter Unternehmenskommunikation und Vertrieb bei der Star Finanz. Er interessiert sich für alle Themen und Lösungen rund um Online- und Mobile-Banking – sowohl auf Privat- als auch Firmenkundenseite. Marco ist seit über 15 Jahren beim Hamburger Softwareunternehmen tätig und teilt seinen reichen Erfahrungsschatz gern mit anderen. Außerhalb des Büros feiert und leidet er leidenschaftlich mit dem HSV.

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