Siri (Apple), Cortana (Microsoft), Alexa (Amazon) oder Bixby (Samsung) – virtuelle Assistenten sind derzeit schwer angesagt. Waren sie anfänglich nur im PC oder Smartphone beheimatet, werden ihre Einsatzbereiche sukzessive erweitert. Inzwischen arbeiten sie auch in Kühlschränken, Lautsprechern, Smart TVs oder Spielkonsolen. Mit ihrer Hilfe lassen sich bspw. automatisch Termine in den Kalender eintragen, der Computer nach Dokumenten, Fotos etc. durchsuchen oder auch per Sprachbefehl bequem vom Sofa aus Einkäufe tätigen. Ziel virtueller Assistenten sind qualitativ hochwertige Dialoge des Nutzers mit Unternehmen bzw. Dienstleistern, ohne direkt auf Personal angewiesen zu sein. Auch im Finanzwesen kommen derlei Assistenten, sogenannte Chatbots, immer häufiger zum Einsatz.

Chat bedeutet im Englischen plaudern oder unterhalten und Bot steht als Abkürzung für Robot. Die Idee einer digitalen Unterstützung ist allerdings nicht neu. Ältere werden sich an Karl Klammer erinnern, eine kleine animierte Büroklammer, die sich beim Öffnen von Microsofts Office-Programmen mit dem Betriebssystem Windows 98 meldete und mit Rat und Tat zur Seite stand. Allerdings hielten sich Intelligenz und daraus resultierend auch Nützlichkeit des Features in überschaubaren Grenzen. Bei den meisten Usern fiel Karl Klammer daher schnell in Ungnade. Ergebnis: In den folgenden Jahren wurde die Funktion sukzessive in den Hintergrund gerückt und schlussendlich komplett abgeschafft.

Heutzutage sind wir, nicht zuletzt aufgrund verbessert lernender Algorithmen, in Sachen künstlicher Intelligenz (KI) deutlich weiter. Sogenanntes Deep Learning versetzt Chatbots in die Lage, durch jede gestellte Frage kontinuierlich die eigenen Erkennungsprozesse zu verbessern. Anfragen können dadurch im Verlauf der Zeit immer schneller und zuverlässiger beantwortet werden. Vor diesem Hintergrund kommen Chatbots verstärkt auch in der Beratung von Bankkunden zum Einsatz. Ihr großer Vorteil ist der direkte Zugang zu Kundendaten entlang standardisierter Schnittstellen, wodurch sie Anfragen ohne weitere menschliche Unterstützung automatisch beantworten können. Haben Kunden bspw. Fragen zu ihren Ausgaben, können Chatbots in Echtzeit Ratschläge geben und bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Für den Kunden hat dies zum Vorteil, dass der Beratungsprozess deutlich verkürzt und weitestgehend unabhängig von Ort und Zeit durchgeführt werden kann. Gleiches gilt bei der konkreten Durchführung zum Beispiel von Überweisungen oder anderen Zahlungsaufträgen, die über einen kurzen Nachrichtenaustausch zwischen Kunde und Bot möglich ist.

Ein Beispiel für den Einsatz von Chatbots liefert bspw. der US-Finanzdienstleister Capital One. Über dessen sprachgesteuerte Anwendung für das Amazon-System Alexa hat der Kunde die Möglichkeit, seine Kontostände und Ausgaben zu kontrollieren oder auch Rechnungen zu bezahlen. Die Bank ist somit quasi als Wohnzimmerfiliale direkt vor Ort und jederzeit erreichbar, wenn der Kunde es wünscht. Diese Omnipräsenz gepaart mit den vielfältigen Möglichkeiten lassen vermuten, dass Chatbots mittel- bis langfristig einen festen Platz im Finanzwesen einnehmen werden.

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Über den Autor

Christian ist seit 2011 Geschäftsführer bei der Star Finanz und verantwortet u.a. die Bereiche Markt und Finanzen. Beruflich und privat ist er leidenschaftlich interessiert an Banking- und Payment-Themen und vor diesem Hintergrund umfassend über aktuelle Entwicklungen und Trends informiert. Abseits des Büros engagiert sich Christian beim Kolpingwerk, ein katholischer Sozialverband, der sich u.a. um Jugendarbeit und soziale Projekte kümmert. Darüber hinaus verstärkt er die Tischtennis-Kreisligamannschaft seiner Heimatstadt, wenn es der Terminkalender zulässt.

1 Kommentar

  1. automatische Telefonzentrale bzw. telefonische Auskunft-Services gibt es ja schon seit Jahren und haben sich nicht richtig durchgesetzt bzw. sind (bisher) nur für einfache Suche-Anfrage ausgelegt.
    Im Smartphone-Bereich sind die User (in meinem Bekanntenkreis) doch noch sehr verhalten mit der Sprachsteuerung/-wahl, die ja technisch vorhanden, optimal eingebunden und somit sofort einsetzbar wäre.

    Erschwerend kommt hinzu, dass die 3-4 großen Assistents-Systeme (Siri&Co.) unabhängig voneinander agieren und der User sich auf ein System festlegen wird. Wer hier das rennen machen wird ist unbekannt.
    Erneut bezogen auf meinen Bekanntenkreis, war die Nutzung von Alexa am Anfang interessant, hat sich jedoch sehr schnell gelegt, da kaum – gute – skills vorhanden waren und die Befehle zu komplex, so dass die Hardware zwischenzeitlich ungenutzt herum steht oder retourniert wurde. Das diesbzgl. grundsätzlich Optimierungsbedarf besteht sieht man ua. auch hier: http://stadt-bremerhaven.de/amazon-echo-bekommt-verbesserte-wake-word-erkennung/
    Google Home, könnte hier die bessere Wahl sein, da durch das Nutzungsverhalten der User (insbesondere von Android-OS), das KI schneller lernen kann.

    Abschließend vielleicht ein Hinweis auf den DHL-Skill, der zeigt dass manches auch in die Hose gehen kann, denn ein 10-12 stelliger Code ständig neu einzugeben, mit evtl. teilweiser fehlerhafter Erkennung, ist nicht das non plus ultra. https://www.amazon.de/dp/B071XYR54Z/

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