In den vergangenen Wochen und Monaten hat kaum ein Thema derart die Berichterstattung in der Finanzpresse bestimmt, wie Bitcoin. Und auch große Leitmedien wie „Die Welt“, „Die Wirtschaftswoche“ oder „Das Handelsblatt“ berichteten infolge der enormen Kursgewinne über die Kryptowährung. In der Spitze war ein Bitcoin über 4.000 Euro wert. Inzwischen hat der Kurs zwar etwas korrigiert, auf Jahressicht beträgt das Plus dennoch über 500 Prozent.* Eine beeindruckende Entwicklung. Vor diesem Hintergrund geraten zunehmend auch andere Kryptowährungen in den Fokus der Öffentlichkeit. Dazu zählt beispielsweise Ethereum, Bitcoins vermeintlich kleiner Bruder.

Der 21-Jährige Russe Vitalik Buterin gilt als Erfinder von Etheruem. Mit der Kryptowährung möchte er nach eigener Aussage eine technische Grundlage für Produkte schaffen, die Blockchain unkompliziert als Technologie einsetzen wollen. Um verstehen zu können, was genau hinter Ethereum steckt und wo der Unterschied zu Bitcoin liegt, muss die sich dahinterliegende Denkweise zum Internet bzw. dessen vermeintliche Zentralisierung näher betrachten. Demnach werden im Zuge der Digitalisierung zunehmend persönliche und finanzielle Daten sowie Passwörter in einer Cloud abgelegt. Häufig handelt es sich nach Auffassung von Buterin und Co. dabei um gewaltige Serverfarmen bekannter Firmen wie Facebook, Google oder Amazon. Diese Zentralisierung sei an sich nicht nur schlecht. Jedoch steige dadurch das Risiko unautorisierter Zugriffe auf Daten entsprechender Hosting-Services. Mit Hilfe unterschiedlicher Tools wie beispielsweise der Blockchain (Mehr dazu hier: https://blog.starfinanz.de/2017/03/06/blockchain-hype/ soll nun wieder die Dezentralisierung des Internets erreicht werden.

Ethereum als dezentraler Computer
An dieser Stelle setzt Ethereum an. Während Bitcoin seinen Fokus auf das Finanzsystem legt und von Anfang an als Währung konzipiert wurde, dient Ethereum an erster Stelle als Plattform, auf der zwei Parteien einen Vertrag, die sogenannten Smart Contracts, eingehen können. Mithilfe der Blockchain-Technologie möchte die Plattform sogenannte Mittelsmänner im Internet überflüssig machen. Dies betrifft sowohl das Hosting von Daten als auch die Überwachung der Erfüllung von Verträgen. Ethereum soll hier als dezentraler Computer fungieren. Bei der Ethereum-Blockchain werden Server sowie Clouds durch eine Vielzahl sogenannter Nodes ersetzt, die von Freiwilligen aufgesetzt werden. Diesen Nodes kommt eine äußerst wichtige Aufgabe im System zu, denn sie überprüfen und speichern jeden einzelnen Block in der Blockchain und führen zudem eine Prüfung sämtlicher Transaktionen durch, die mittels der eigenen digitalen Währung von Ethereum, Ether, abgewickelt werden.

Smart Contracts als Voraussetzung
Die eigentliche Besonderheit des Systems liegt jedoch in den Smart Contracts. Erst durch sie wird aus dem gesamten Ethereum-Netzwerk ein dezentraler Computer. Diese intelligenten Verträge bzw. kleinen Programme laufen auf dem Ethereum-Netzwerk und dienen dazu Vertragsverhandlungen zu vereinfachen. Ein Smart Contract enthält typischerweise Programmcode und steht in Verbindung mit normalen Teilnehmern oder anderen Smart Contracts. Sie lassen sich manuell vom Nutzer oder auch automatisiert durch andere Smart Contracts ausführen. Mehrere Smart Contracts bilden dann wiederum eine dApp (Decentralized Application) die autonom und ohne zentrale Autorität arbeitet. Die Daten und Aufzeichnungen der Anwendung müssen dezentral auf der Ethereum-Blockchain gespeichert werden. Jegliche Änderung an der Anwendung muss per Übereinstimmung gemäß dem definierten Anwendungsprotokoll stattfinden. Ähnlich wie der App Store für iOS oder der PlayStore für Android gibt es auch bei Ethereum einen Store für dApps. Hier können Entwickler ihre Apps unabhängig vom App-Provider anbieten. Sämtliche Daten bleiben in ihren Händen, da keine weitere Partei bspw. für die Zahlungsverwaltung notwendig ist. Auch eine „Vorselektion“ von Apps seitens des Store-Anbieters wie Apple oder Google findet nicht statt.

Inwiefern der dApps-Store eines Tages zum App Store oder PlayStore aufschließen kann, ist aktuell völlig offen. Die dahinterstehende Idee des Ethereum-Netzwerks ist jedoch hochspannend, nicht zuletzt aufgrund der möglichen Anwendungsfälle des Systems. Sie reichen von speziellen Währungen, über Eigentumsnachweise und Crowdfunding bis hin zu elektronischen Wahlsystemen. Es lohnt sich also die Entwicklungen rund um Ethereum weiterhin aufmerksam zu verfolgen.

*Stand: 21. September 2017

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Über den Autor

Bernd ist seit 2001 Geschäftsführer bei der Star Finanz und seit 2014 Vorsitzender der Geschäftsführung. Er ist stets auf der Suche nach Trends und innovativen Lösungen rund um die Themen Finanzen, Banking und Payment. Abseits des Büros ist Bernd leidenschaftlicher Anhänger des 1. FC Köln.

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