Unsere Serie über prägende Frauen in der FinTech- und Digitalbranche setzen wir dieses Mal mit Cornelia Schwertner fort, Geschäftsführerin und Chief Risk Officer bei finleap connect.

Hallo Cornelia, kannst Du Dich unseren Lesern kurz vorstellen, was beinhaltet Dein Beruf? Was sind Deine Aufgaben bei finleap connect?

Hallo und lieben Dank für Eure Einladung. Als Geschäftsführerin und Chief Risk Officer verantworte ich Compliance, Information Security, Legal und Public Affairs bei finleap connect. Wir unterstützen B2B-Kunden modular und individualisiert dabei, Verbrauchern vielfältige innovative Lösungen auf Basis von Open Banking anzubieten. Dabei sind Vertrauen in die Compliance und Sicherheit unserer Produkte Kernelemente unseres Erfolgs. Mein Team und ich verstehen uns daher nicht nur als Back Office Funktion, sondern auch als Dienstleister für unsere Kunden.

Daneben engagiere ich mich im Board der European FinTech Association für die Vernetzung zwischen FinTech Unternehmen, politischen Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit. Indem wir als EFA unser Knowhow teilen, fördern wir eine solide technologische Regulierung und führen Menschen die Vorteile der Technologie für die Finanzwelt vor Augen.

Wie hast Du den Weg in die FinTech-Branche gefunden?

Anfang 2016 fand ich über die Direktansprache einer Recruiterin und einem sehr inspirierenden Gespräch mit André Bajorat zu figo (heute: finleap connect). Ich hatte damals parallel das Angebot als Abteilungsleitung in eine Großbank zu gehen. Also bin ich den beiden erwähnten Personen sehr dankbar dafür, mir zum richtigen Zeitpunkt die Alternative FinTech Start-up aufgezeigt zu haben.

Was fasziniert Dich an der FinTech-Branche? Was nervt manchmal?

Vor meiner FinTech Zeit habe ich u.a. in der Forensic-Beratung bei PwC die komplexe Organisation verschiedenster Banken kennengelernt. Der Kontrast zu kleinen und schnell agierenden FinTech-Teams könnte größer nicht sein und das damit verbundene Innovationspotenzial ist faszinierend. Es macht großen Spaß ein aktiver Teil der Veränderung des Marktes zu sein.

Was mit Blick auf den Gesamtmarkt – also auf etablierte und junge FinTech Player – tatsächlich manchmal nervt, ist, dass wir diese Veränderung nicht immer positiv nutzen und Fehler der klassischen Finanzindustrie wiederholen. Nehmen wir Bonus- und Provisionsanreize statt echter Kundenzentrierung bei immer noch unzureichender finanzieller Allgemeinbildung oder der Hype um Trends, bevor sie hinsichtlich ihrer Risiken für das Gemeinwohl durchdrungen werden, das tendenzielle Verzetteln der Aufsicht in mikroprudenziellen, althergebrachten Instrumenten ohne zeitgemäße Makrostrategie, fehlende Diversität und somit weiterhin Kumpel-Kulturen, während die eigentlichen Experten und somit Risikodurchdringer, heute insbesondere auch Engineers und Developer, viel zu selten im C-Level oder politischen Kreisen vertreten sind.

Ist es wichtig, dass mehr Frauen in der FinTech-Szene Fuß fassen?

Klar, in der FinTech-Szene und überall, wo Lösungen für die zur Hälfte weibliche Allgemeinheit entwickelt werden.

Befürwortest Du vor diesem Hintergrund Quotenregelungen?

Ich nehme sie als aktuell noch notwendiges Mittel zur Herstellung von Gerechtigkeit wahr. Ohne Quotenregelungen hat es bisher offensichtlich nicht flächendeckend funktioniert.

Was muss passieren, damit in den kommenden Jahren mehr Frauen wie Du den Weg in die FinTech-Branche finden?

Wenn ich die letzten 14 Jahre zurückblicke, ist in der Gesellschaft und auch Finanzbranche bereits viel passiert – wenn auch noch lange nicht genug. Zumindest der Handlungsdruck ist präsent und es gibt Hoffnung, dass eine steigende Anzahl weiblicher Investoren, Gründer, C-Level, Produktmanager aber auch Regulatoren und weibliches Tech Knowhow dazu führen, dass wir noch sichtbarer für unsere Expertise geschätzt werden. Wir müssen letztendlich als Pionierinnen die Stellen besetzen, an denen die vielschichtigen Entscheidungen getroffen werden, die die Wirtschaft nachhaltig weiblicher gestalten.

Welche Tipps kannst du Berufseinsteigerinnen mitgeben? Gibt es typische Studienfächer oder Karrierewege, die in die FinTech-Branche führen?

Unabhängig von Branchen, Karrierezielen und Geschlecht, würde ich allen Berufseinsteigern mitgeben, dass Karriere meiner Erfahrung nach vor allem auf Talent, Mut und Zufällen beruht und gerade in interdisziplinären Bereichen großes Potential hinsichtlich dieser Faktoren besteht. Statt mich anhand eines 5 Jahresplans durch ein Studium oder den Jobeinstieg zu quälen, sollte ich lieber den Mut haben, meinen Talenten und meiner Begeisterung für Themen zu folgen, d.h. mich auch als Quereinsteiger in verschiedenen Industrien umschauen und immer offen für Menschen und Projekte in anderen Fachrichtungen bleiben.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Stets neugierig für Themen außerhalb meiner Bubble zu bleiben, um mir eine differenzierte Sicht auf Entwicklungen zu bewahren.

Wie erholst Du Dich am liebsten vom beruflichen Alltag?

Da bin ich wenig anspruchsvoll und teilweise auch sehr effizient. Manchmal genügt bereits eine Umarmung des richtigen Menschen und der Akku ist wieder voll.

Vielen Dank für das Interview.

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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