In unserer Serie über prägende Frauen in der FinTech- und Digitalbranche möchten wir euch dieses Mal Elina Räsänen, Vice President Marketing & Customer Support bei Holvi, näher vorstellen.

Hallo Elina, kannst Du Dich unseren Lesern kurz vorstellen? Was beinhaltet Dein Beruf? Was genau sind Deine Aufgaben bei Holvi?

Mein Name ist Elina Räsänen und ich bin VP Marketing & Customer Support bei Holvi. Bei Holvi wollen wir das Leben von Selbstständigen mit unseren Banking-Lösung und den dazugehörigen Finanzmanagement-Tools so einfach wie möglich machen. Ich leite ein Team von ca. 25 Marketingspezialisten und ein weiteres Team von rund 30 Customer Support-Spezialisten. So stelle ich sicher, dass wir die genau die Kunden gewinnen, die unsere Services benötigen und ihnen die Hilfe anbieten, die sie suchen.

Mein Team arbeitet in verschiedenen Bereichen, von PR, Kommunikation, Social Media, Performance-Marketing, Inbound-Marketing, Markendesign und Web-Entwicklung bis hin zur Kundenbetreuung per Chat, E-Mail und Telefon. Es ist ein sehr interessanter Bereich, da ich den gesamten Lebenszyklus unserer Kunden überblicken kann. Von der geschäftlichen Seite aus bin ich auch an der Entwicklung und Umsetzung unserer Unternehmensstrategie beteiligt, um ein schnelles Wachstum in ganz Europa zu gewährleisten, insbesondere in unseren Kernmärkten Deutschland, Finnland und Großbritannien.

Wie hast Du den Weg in die FinTech-Branche gefunden?

Es war mir schon immer klar, dass ich im Tech-Bereich arbeiten wollte – nicht als Entwicklerin, sondern als jemand, der Wege findet, Technologie zu kommerzialisieren. Ich wusste ganz genau, dass die Strategie, das Geschäft und die Menschen der Aspekt waren, bei dem ich eine Wirkung erzielen kann. Ich habe einen Master-Abschluss in Global Innovation Management und habe meinen Bachelor-Abschluss in Marketing und International Business gemacht.

Meine Karriere begann ich mit Praktika bei Technologieunternehmen. Bevor ich bei Holvi und im Fintech-Bereich gelandet bin, arbeitete ich als Technologie-Spezialistin und Marktanalystin – hauptsächlich in den Bereichen Mobile Tech, Ad Tech, Gaming und SaaS.

Was fasziniert Dich an der FinTech-Branche? Was nervt manchmal?

Was mich am meisten fasziniert, ist die Möglichkeit, etwas zu bewirken und etwas zu tun, was bisher noch nicht getan wurde. Obwohl es bereits viele erfolgreiche Fintechs in Europa gibt, ist eine Problemstellung noch immer ungelöst: Keinem Unternehmen ist es bisher gelungen, herauszufinden, wie man Bankgeschäfte durch Technologie und Automatisierung statt durch zusätzliches Personal und zusätzliche Kosten tatsächlich skalieren kann. Dies ist eine sehr interessante und attraktive Herausforderung für die gesamte Branche, die mich motiviert, in diesem Bereich zu arbeiten.

Außerdem arbeiten wir in der Fintech-Branche noch immer in einer relativ jungen Branche, die in allen Bereichen, in denen wir unsere Finanzen verwalten, sowohl privat als auch geschäftlich, Innovationen einführt. Die Produkte, die Fintechs entwickeln, haben das Potenzial, das Leben von Millionen von Menschen langfristig zu verändern – was könnte faszinierender sein, als seinen Teil dazu beizutragen?

Was manchmal herausfordernd sein kann, sind die vielen unbekannten Variablen – da wir alle in einem Bereich arbeiten, den es bisher noch nicht gegeben hat, dienen nur wenige Unternehmen als Vorbild. Wir sitzen alle im selben Boot und machen die gleichen Learnings. Manchmal wäre ein fertiges Playbook hilfreich, um das eigene Business zu beschleunigen. Aber das ist auch das, was die Faszination von Fintech ausmacht – es gibt kontinuierliche Innovation und noch viele Möglichkeiten. Es gibt noch viel zu tun!

Ist es wichtig, dass mehr Frauen in der FinTech-Szene Fuß fassen?

Ich denke, wir brauchen Vielfalt in allen Bereichen. Alle Untersuchungen zeigen, dass gemischte Teams besser abschneiden. Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtern, Hintergründen und Erfahrungen bringen unterschiedliche Perspektiven ein, die zu innovativen Lösungen führen können.

Für viele Unternehmen sind Gleichberechtigung, Talent und Vielfalt zu einem Thema für die CEO-Ebene geworden. So sollte es auch sein. Branchenführer betonen die Chancengleichheit bei der Entlohnung und die Förderung von Frauen auf höheren Führungsebenen mit größerer Verantwortung. In den nördlichen Regionen Europas sind wir bereits auf einem guten Weg. Aber Veränderung braucht Zeit und erfordert aktive Fürsprecher. Hier müssen sowohl Männer als auch Frauen in Führungspositionen Verantwortung übernehmen.

Befürwortest Du vor diesem Hintergrund Quotenregelungen?

Nein, ich bin nicht für Quotenregelungen. Es ist wichtig, die Vielfalt in jedem Unternehmen zu fördern, aber auf Grundlage persönlicher Fähigkeiten und nicht von Quoten. Wir müssen in Employer Branding und Chancengleichheit investieren, um Fintech zu einem interessanten Arbeitsfeld für Frauen und andere Minderheiten zu machen. Durch die Einführung einer Quote besteht jedoch die Gefahr, dass wir bei der Einstellung von Talenten Kompromisse eingehen, was selten gut ist.

Was muss passieren, damit in den kommenden Jahren mehr Frauen wie Du den Weg in die FinTech-Branche finden?

Weibliche Unternehmerinnen spielen eine entscheidende Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Sie fördern das Wachstum und schaffen Arbeitsplätze vor allem für die ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung. Dennoch stehen sie gerade bei der Finanzierung und dem Aufbau von Unternehmen immer noch vor zahlreichen Herausforderungen wie begrenztem Zugang zu Kapital und Technologien oder auch fehlenden Netzwerken. Mit Blick auf grenzübergreifendes Banking und Arbeiten ist es mir ein besonderes Anliegen, diese Nachteile für alle weiblichen Unternehmerinnen in Chancen zu verwandeln.

Um das Problem zu beheben, müssen wir es bei der Wurzel packen und bereits in der Schule mit einer Veränderung beginnen. In der Schule erreichen Mädchen bessere Noten als Jungen. Doch gibt es viel weniger Frauen, die Informatik auf Universitätsniveau studieren. Ich denke, Schulen spielen hier eine wichtige Rolle. Sowohl Mädchen als auch Jungen sollten gleichermaßen ermutigt werden, mathematische und naturwissenschaftliche Abschlüsse zu machen und nicht nach Geschlecht getrennt werden.

Veränderung erreicht man am besten, indem man mit gutem Beispiel vorangeht. Wenn wir es schaffen, erfolgreiche weibliche Leader stärker in den Fokus zu rücken, inspiriert dies hoffentlich weitere Frauen auf ihrem Weg in die Führungsetagen von Unternehmen. Das Weitergeben von Erfahrungen und ein offener Austausch spielen ebenfalls wichtige Rollen. Entgegen manch falscher Interpretation bedeutet dies nicht, dass nur Frauen andere Frauen unterstützen und inspirieren sollen. Laut einer Studie finden rund 47 Prozent der weiblichen Gründer, dass beide Geschlechter gleichermaßen einflussreich sind.

Welche Tipps kannst du Berufseinsteigerinnen mitgeben? Gibt es typische Studienfächer oder Karrierewege, die in die FinTech-Branche führen?
  • Sucht euch einen Mentor, der euch unterstützt. Niemand ist für eure berufliche Weiterentwicklung so wichtig wie ein Mentor, der euch den Rücken freihält und euch hilft, die nächste Stufe zu erreichen.
  • Überwindet eure Selbstzweifel. Nicht immer wissen es die anderen besser. Außerdem müsst ihr nicht alles von Anfang an wissen, ihr lernt auf dem Weg.
  • Seid ganz ihr selbst und schmeißt euch voll in die Arbeit. Zeigt anhand eines Beispiels, dass es für jeden, der im Fintech-Sektor arbeitet, unterschiedliche Standards geben kann. Es gibt keinen Grund, sich an irgendeine Norm anzupassen. Im Gegenteil: Stellt sie mit eurer eigenen Persönlichkeit lautstark in Frage.
  • Wenn ihr eine Führungsposition anstrebt, dann zahlt sich Initiative aus. Es ist schwer, sich jemanden als Führungspersönlichkeit vorzustellen, wenn er immer darauf wartet, dass ihm gesagt wird, was er tun soll.
  • Macht euer Geschlecht nicht selbst zum Gegenstand der Diskussion, Veränderung beginnt im Inneren: Definiert euch nicht als Bosslady, sondern als Boss. Helft mit, die Zukunft zu sehen, in der es keine weiblichen Führungskräfte gibt, sondern nur Führungskräfte.
  • Umgebt euch mit euren Schwächen. Je bewusster ihr euch eure eigenen Schwächen macht, desto wahrscheinlicher wird es euch gelingen, ein Team aufzubauen oder in einem Team zu arbeiten, das erfolgreich sein kann.
  • Gebt eure Erfahrungen weiter. Sobald ihr eine Position erreicht habt, in der ihr die Macht habt, Dinge zu ändern, liegt es in eurer Verantwortung, anderen zu helfen, das gleiche Niveau zu erreichen.
Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Ich möchte weiterhin im Finanzsektor arbeiten und mich weiterhin herausfordern, eine noch bessere Führungspersönlichkeit werden sowie an meiner Expertise zu Finanzdienstleistungen in verschiedenen Bereichen arbeiten – immer in Bewegung bleiben und mich kontinuierlich in allen Bereichen verbessern.

Wie erholst Du Dich am liebsten vom beruflichen Alltag?

Ich verbringe gerne Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie, genieße Outdoor-Aktivitäten in der Natur in Finnland und reise gelegentlich, um neue Orte zu entdecken. Ich genieße auch die Vorzüge des Stadtlebens mit Museen, Kunst und Kultur.

Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Interviews findest du bei uns im Blog

Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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