Einst als Investments für Gutmenschen und Ökospinner belächelt, sind nachhaltige Geldanlagen inzwischen zu einem festen Bestandteil der weltweiten Finanzinvestitionen geworden. Dabei wächst der Markt für nachhaltige Geldanlagen sogar schneller als der Gesamtmarkt. So sind die Privatinvestitionen in nachhaltige Fonds in Deutschland im Jahr 2019 um 96 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Bei den institutionellen Investoren beträgt die Steigerung in 2019 gegenüber dem Vorjahr 27 Prozent. Allerdings beträgt der Anteil nachhaltiger Fonds und Mandate am deutschen Gesamtfondsmarkt insgesamt nur ausbaufähige 5,4 Prozent. [1]

Was sind nachhaltige Geldanlagen?

Nachhaltige Geldanlagen ist die allgemeine Bezeichnung für nachhaltiges, verantwortliches, ethisches, soziales, ökologisches Investment und alle anderen Anlageprozesse, die in ihre Finanzanalyse den Einfluss von ESG (Umwelt, Soziales und Governance)-Kriterien einbeziehen. Es beinhaltet auch eine explizite schriftlich formulierte Anlagepolitik zur Nutzung von ESG-Kriterien. [2]

Institutionelle Investoren sind die Treiber nachhaltiger Geldanlagen

Institutionelle Investoren sind die stärksten Treiber nachhaltiger Geldanlagen mit einem Marktanteil von rund 89 Prozent. Hier machen kirchliche Institutionen und Wohlfahrtsorganisationen 27 Prozent, Versicherungen circa 19 Prozent und die öffentliche Hand rund 17 Prozent aus. Privatanleger sind bisher zurückhaltender. Viele befürworten nachhaltige Geldanlagen, sind sich aber unsicher beim konkreten Investment.

Nachhaltige ETFs sind im Kommen

Das allerdings ändert sich gerade, was sicherlich unter anderem mit der starken Zunahme von nachhaltigen ETFs zusammenhängt. ETFs sind die erfolgreichste Geldanlage der vergangenen Jahre. Auch immer mehr Bundesbürger legen sich jene Fonds ins Depot, die einen bestimmten Aktienindex eins zu eins nachbilden, zum Beispiel den weltweiten MSCI World oder den Deutschen Aktienindex (Dax). Anlageexperten, aber auch Verbraucherschützer empfehlen die Produkte, weil man über sie einfach, breit gestreut, günstig und mit geringerem Risiko an den Aktienmärkten investieren kann.

Innerhalb der Kategorie der ETFs gab es in 2020 einen herausragenden Trend: Mehr als jedes zweite verkaufte Produkt war ein sogenannter nachhaltiger ETF, in dem die ESG-Kriterien eine besondere Rolle spielen. 37 Milliarden Euro flossen in solche Fonds. [3]

Nachhaltige Geldanlagen sind womöglich krisenfester

Dass nachhaltige Investments konventionellen Finanzanlagen in punkto Rendite in keiner Weise nachstehen, ist längst bekannt. Neu ist, dass sie in Krisenzeiten sogar besser performen können. Zu Beginn der Corona-Pandemie gab es starke Kursverluste, die nachhaltige Investments allerdings mit geringerer Wucht trafen als konventionelle. Auch in der Finanzkrise 2008 / 2009 verloren nachhaltige Investments weniger stark als ihre konventionellen Pendants. [4]

Für Investoren stellt sich also die Frage nach dem Mehrwert von ESG in Krisensituationen. Genauer: Hätten Krisen, die aus groben Verstößen gegen Nachhaltigkeit resultierten, mittels ESG-Kriterien früher erkannt werden können? Hilft ein Investment in nachhaltige Geldanlagen, das eigene Portfolio krisenfester zu gestalten? Wie die aktuellen Kursentwicklungen zeigen, schadet solch ein Verhalten zumindest nicht.

Was Anleger beachten sollten

Das Hauptproblem vieler interessierter Privatinvestoren war bisher, dass der Markt nachhaltiger Geldanlagen noch nicht ausreichend geregelt ist. Klare Vorgaben gibt es von der EU nur in Sachen Klimaverträglichkeit, alles andere ist ziemlich schwammig. Verbraucher können also kaum entscheiden, ob ein Fonds wirklich nachhaltig investiert oder sich nur das entsprechende Etikett aufklebt.

Inzwischen gibt es mehrere Institutionen zur Bewertung der Nachhaltigkeit. Bei den ETFs bewerten die Indexbetreiber selbst. Der größte davon ist MSCI, Erfinder des inzwischen bekanntesten Indexfonds “MSCI World”, der knapp 1.600 Aktien auf der ganzen Welt umfasst. Für seine nachhaltigen Indizes siebt er Unternehmen aus, die die ESG-Kriterien nicht erfüllen. Dazu bewertet er jedes Unternehmen in einem aufwändigen Prozess. MSCI hat viele verschiedene nachhaltige Indizes auf den Markt gebracht, manche eher locker, manche streng. Auch andere Indexbetreiber wie Dow Jones oder Stoxx investieren in den Bereich.

Zudem gibt es eine Reihe von Ratingagenturen, die Nachhaltigkeitszeugnisse verleihen. Die Fonds-Ratingagentur Morningstar vergibt einen bis fünf Globen, was der Note eins bis fünf entspricht. Der auf Nachhaltigkeit spezialisierte Vermögensverwalter Globalance rechnet aus, inwieweit jedes Unternehmen zur Klimaerwärmung beiträgt. Weitere Anbieter sind Arabesque S-Ray, Bloomberg, ISS-oekom, Refinitiv, RobecoSAM oder Sustainalytics.

Fazit: Für Privatanleger sind nachhaltige ETFs sicherlich der einfachste Einstieg in die Welt nachhaltiger Geldanlagen. Wer allerdings ein bestimmtes (moralisches) Investmentziel hat, kommt nicht darum herum, sich jedes Unternehmen, in das er investieren möchte, einzeln anzuschauen.

Quellen:

[1] https://fng-marktbericht.org/marktbericht-pdf-viewer/

[2] https://www.forum-ng.org/de/nachhaltige-geldanlagen/nachhaltige-geldanlagen.html

[3] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/nachhaltig-geld-anlegen-etf-1.5202405

[4] https://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/verkehrte-finanzwelt-sind-nachhaltige-geldanlagen-krisenfester/26742394.html

Titelbild: ©AndreyPopov (iStock)

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Über den Autor

Claudia ist CRM-Managerin und somit für die Gestaltung der Beziehung zwischen der Star Finanz und ihren Kunden zuständig. Daher interessiert sie sich für Datenqualität und Datenmanagement. Darüber hinaus verfolgt sie Trends in Digitalisierung, Banking und E-Commerce. Privat ist sie beim Joggen und Radfahren sportlich unterwegs.

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