Will man in Vietnam mobil sein, fährt man Moped oder Motorroller und nutzt MoMo, das meist genutzte e-Wallet in der sozialistischen Republik. In Vietnam leben über 95 Millionen Menschen, von denen rund die Hälfte mit ihren Rollern auf den Straßen unterwegs sind. Bilder im Internet zeigen es: Auf den Zweirädern werden nicht nur bis zu sechsköpfige Familien von A nach B gefahren, sondern alles was nicht niet- und nagelfest ist, wird auf ihnen transportiert – oft so hochgestapelt, dass die fahrende Person nicht mehr zu erkennen ist. In Vietnam boomt aber nicht nur der Markt für Motorräder, auch der Fintech-Sektor entwickelt sich rasant.

Einer der wesentlichen Gründe hierfür ist die junge Bevölkerung, die offen für neue und disruptive Technologien ist. Das Durchschnittsalter in Vietnam liegt bei 30,9 Jahren und nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung sind über 65 Jahre alt. Im Vergleich dazu: In Deutschland liegt das Durchschnittsalter bei 44,4 Jahre und etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind über 65. Die hohe Akzeptanz von Mobile-Payment-Lösungen in Vietnam zeigen daher auch die Statistiken: So verzeichnete Vietnam das stärkste Wachstum der Nutzerinnen und Nutzer von Mobile Payments mit einem Anstieg von 24 Prozent innerhalb nur eines Jahres in 2018. Damit ist Vietnam unter den Top-5: 61 Prozent der Vietnamesinnen und Vietnamesen zahlen mittlerweile mit ihrem Smartphone.

Vietnam: Im Reich der Mopeds und MoMo-Payment 4

Zeit sparen mit MoMo

In Anlehnung an die erfolgreichen asiatischen Tech-Player wie WeChat, Indonesiens Go-Jek und Singapurs Grab hat sich MoMo schnell zu einer Lifestyle-„Super-App“ entwickelt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass MoMo mit geschätzten 13 Millionen Usern der unangefochtene Marktführer und Vietnams beliebtestes e-Wallet ist, wie kürzlich eine vom Nhip Cau Dau Tu-Magazin durchgeführte Umfrage ergab. Außerdem wurde das vietnamesische Tech-Startup jüngst von H2 Ventures und KPMG auf Platz 36 der Top 100 der globalen innovativen Fintech-Unternehmen eingestuft.

Die App bietet eine „all-in-one“-Plattform und ermöglicht Nutzerinnen und Nutzern eine Vielzahl von Payment-Lösungen. Von Standardüberweisungen über die Bezahlung von Strom- und Wasserrechnungen, Krankenhausgebühren, Lieferservices, Versicherungsschutz, Mobilitätsangebote, Gutscheine oder auch der Erwerb von Flug- und Kinotickets. MoMo ist mit 24 führenden vietnamesischen Banken direkt verbunden, hat mehr als 100.000 Zahlungsannahmestellen und ein Partnernetzwerk von über 12.000 Dienstleistungsanbietern.

Das Ziel: Mobile Money

Einen Nachteil haben vietnamesische Mobile-Payment-Anbieter wie MoMo dennoch: Um Geld auf das e-Wallet zu überweisen, wird ein Konto bei einer Bank benötigt. Tatsächlich hat aber etwa die Hälfte der Bevölkerung keinen Zugang zu traditionellen Bankdienstleistungen. Allerdings sind fast 100 Prozent der Vietnamesinnen und Vietnamesen im Besitz eines Mobiltelefons. Daher möchte die Regierung künftig das Angebot von Mobile-Money-Services fördern. Ähnlich wie bei M-Pesa, dem Kenianischen Mobile-Money-Service, würden SMS-Nachrichten dann herkömmliche Überweisungen ersetzen und die Nutzer kämen ganz ohne Bankkonten aus. Das Ziel: Die Bevölkerung soll nicht nur auf den Straßen, sondern auch bei Zahlungsangelegenheiten mobil unterwegs sein.

Quellen:

https://www.asiafundmanagers.com/de/mobile-payments-asien-an-der-spitze/

https://www.indexmundi.com/vietnam/demographics_profile.html

https://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61541/altersstruktur

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/723069/umfrage/durchschnittsalter-der-bevoelkerung-in-deutschland-nach-staatsangehoerigkeit/

https://agiletech.vn/super-app-successful-case/

https://fintechnews.sg/36141/mobilepayments/vietnams-mobile-payments-landscape-sees-strong-developments/

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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