Daniel Korth zählt zu den bekanntesten Finanzbloggern Deutschlands. Im Jahr 2015 startete er seinen Blog “Finanzrocker”. Inzwischen ist er auch als Autor (“Jetzt rocke ich meine Finanzen selbst!” und “Soundtrack für Vermögenswerte”) und Podcaster aktiv. Im Interview blickt Daniel auf die Anfänge seiner Bloggerzeit zurück, plädiert für ein Schulfach zum Thema Finanzen und erläutert, warum es wichtig ist, in sich selbst zu investieren.

Seit 2015 bist du als Finanzrocker mit deinem Blog und Podcast unterwegs und sensibilisierst Menschen dafür, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Was hat dich bewogen, einen eigenen Blog zu starten?

Ich habe damals viel Geld mit Geldanlagen, die ich in der Bank abgeschlossen habe, verloren. Irgendwann habe ich einen Schlussstrich gezogen und mich in die Materie eingearbeitet. Ich kaufte meine ersten Aktien und Fonds und wollte diese neuen Erfahrungen auch Leuten mitteilen. Leider hat sich wirklich keiner dafür interessiert.

Zufällig habe ich 2015 einen Podcast über das Bloggen gehört. Nach dem Hören habe ich mir gedacht, dass das ein tolles Medium ist, um meine Erfahrungen weiterzugeben. Ich kaufte mir ein Buch und legte los. Drei Monate später folgte dann auch der Finanzrocker-Podcast und sechs Monate später mein zweiter Podcast „Der Finanzwesir rockt“, den ich mit meinem geschätzten Blogger-Kollegen Albert Warnecke zusammen mache.

Was ist aus deiner Sicht das Besondere an deinem Blog?

Das Besondere an dem Blog ist mit Sicherheit die Themenvielfalt. Neben Geldanlage, Börse oder Sparen habe ich auch komplett andere Themen wie beispielsweise Reisen, Humankapital oder Glück auf der Webseite. Dank der zwei Podcasts decke ich eine sehr breite Palette ab. Und das ist dann wiederum ein Alleinstellungsmerkmal.

Inzwischen zählst du zu den bekanntesten Finanzbloggern in Deutschland. Hast du mit dieser Entwicklung gerechnet? Mit welcher Erwartungshaltung hast du deinen Blog damals ins Leben gerufen?

Nein, ehrlich gesagt habe ich überhaupt nicht damit gerechnet. Ich wollte mich eigentlich nur austauschen und meine Erfahrungen weitergeben. Aber ich gewann ja im ersten halben Jahr nach der Gründung gleich zwei Preise und startete auch beide Podcasts. Damals waren sowohl das Thema Finanzen als auch das Thema Podcast Nischenthemen, die sich erst danach extrem entwickelt haben.

Mittlerweile verfolgen jeden Monat über 250.000 Hörer und Leser, was ich umsetze und damit habe ich wirklich am Anfang nicht gerechnet. Außerdem verdiene ich mit Finanzrocker jedes Jahr auch gutes Geld.

Auf der anderen Seite ist das aber auch mit extrem viel Aufwand verbunden – zumal ich das nach wie vor noch parallel zu meinem Vollzeitjob mache. Ohne vernünftige Zeitplanung funktioniert es nicht.

Finanzrocker

Mittlerweile erreicht der Finanzrocker jeden Monat über 250.000 Hörer und Leser

Du hast mitlerweile auch zwei Bücher zum Thema Geldanlage und finanzielle Freiheit veröffentlicht. Auf deinem Blog bietest du zudem auch Hoodies, Shirts Tassen etc. mit deinem Finanzrocker-Logo an. Wie wichtig ist es dir, dich bzw. deinen Blog auch als Marke zu positionieren?

 Ich arbeite mittlerweile seit über 10 Jahren hauptberuflich im Marketing. Von daher war das von Anfang an schon mein Ziel, eine unverwechselbare Marke mit Wiedererkennungswert aufzubauen.

Die richtige Marke mit einzigartigem Logo und eigenem Maskottchen habe ich aber erst 2018 etabliert, nachdem ich abschätzen konnte, dass sich der Aufwand und die hohe Investition am Ende auch auszahlen. Und bisher hat es sich absolut ausgezahlt.

Betrachten wir einmal die letzten vier Jahre seit Start des Blogs: Beschäftigen sich die Deutschen heute mehr mit Finanzthemen? Wie ist deine Einschätzung bzw. Wahrnehmung?

Ja, es ist doch ein gutes Stück besser geworden. Das Thema Finanzen spielt eine deutlich größere Rolle als noch 2015. Selbst in der Bild-Zeitung gibt es jetzt regelmäßige Börsen-Kolumnen von Beate Sander oder anderen. Auch der große Erfolg von Madame Moneypenny mit ihrer Facebook-Gruppe und dem Spiegel-Bestseller-Buch haben viel dazu beigetragen.

Man sieht auch an der stetig steigenden Anzahl an ETF-Sparplänen bei den Direktbanken, dass das Thema immer mehr in den Köpfen der Deutschen ankommt. Das finde ich großartig, aber es geht noch deutlich mehr. Dazu möchte ich mit meinem Blog und Podcasts auch in den nächsten Jahren beitragen.

Die Aktionärsquote in Deutschland ist, verglichen mit anderen Industrieländern, noch immer sehr gering. Welche Ursachen hat dies deiner Meinung nach?

Also in einem Land, in dem der Finanzminister sein Geld auf dem Girokonto parkt und weder Online-Banking noch Banking-Apps nutzt, wird es schwer Werbung für Aktien oder Geldanlage zu machen. Das ist aber nicht der Grund für die geringe Aktionärsquote.

Der größte Bruch kam durch den Absturz der Telekom-Aktien Anfang des Jahrtausends und während der Finanzkrise 2008. Seitdem haben Aktien und Fonds einen ganz schlechten Ruf in Deutschland, der erst langsam besser wird.

Und dazu kommt die generelle Angst der Deutschen, irgendwelche Risiken einzugehen. Nicht umsonst wird hier von der German Angst gesprochen. Das führt dann dazu, dass Aktien hierzulande als Zockerkram verschrien sind.

In der Vergangenheit wurde in der Öffentlichkeit auch immer wieder darüber diskutiert, bereits in der Schule stärker das Thema Finanzen zu behandeln. Wäre das aus deiner Sicht ein richtiger Schritt? Wie ließe sich die finanzielle Bildung darüber hinaus noch besser fördern?

Ich halte ein Schulfach zum Thema Finanzen für sehr wichtig. Nur die wenigsten Jugendlichen haben mit 18 Jahren eine Ahnung von Altersvorsorge, Zinseszins oder Anlagemöglichkeiten. Viele wissen nicht mal, wie sie ein Bankkonto eröffnen. Da würde ein Fach in der Schule zur Orientierung durchaus helfen. Leider wissen die meisten Lehrkräfte selbst nicht genug, was es doch etwas erschwert. Aber ich habe schon viel positives Feedback von Lehrern erhalten, die meinen Podcast im Unterricht vorgestellt haben.

Darüber hinaus versuche ich mit anderen Finanzbloggerinnen und Finanzbloggern ja seit vier Jahren das Thema finanzielle Bildung zu fördern. So langsam macht es sich wirklich bemerkbar.

Mit der Digitalisierung drängen vermehrt sogenannte Fintechs mit innovativen Lösungen auf den Markt und setzen Banken zunehmend unter Druck. Wie siehst du hier die Entwicklung?

Aus meiner Sicht ist das schon lange überfällig. Die Zeiten der Bankfiliale neigen sich dem Ende zu, wie teurer Provisionsverkauf einfach nicht mehr zeitgemäß ist. Ich persönlich nutze viele dieser neuen Möglichkeiten und bin sehr zufrieden, weil es alles auf Dauer günstiger macht.

Welche Vision bzw. langfristigen Ziele hast du für deinen Finanzrocker-Blog?

 Ich möchte einfach weiter mein Ding machen und den Spaß an der Sache beibehalten. Alles andere kommt dann von selbst. Solange das funktioniert, lege ich keine langfristigen Ziele fest.

Gibt es etwas, dass du unseren Lesern zum Abschluss noch mit an die Hand geben willst?

Das wichtigste Investment ist nicht das Anlegen an der Börse, sondern das Investment in sich selbst. Einen größeren Hebel gibt es nicht. Wenn man das erstmal verstanden hat, funktioniert es auch mit dem Vermögensaufbau. Der Aktien- oder ETF-Kauf ist dann eher ein langfristiger Renditekicker.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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