Mit welchen technologischen Trends setzen sich Unternehmerinnen und Unternehmer auseinander? Und was bedeutet dies für Banken und Sparkassen, wie können sie mit ihren Produkten und Dienstleistungen bei den Geschäfts- und Firmenkunden in Zukunft bestehen? Diese Fragen untersuchte die Star Finanz in einer groß angelegten Umfrage zur „Digitalisierung im deutschen Mittelstand“.

Im Rahmen einer dreiteiligen Reihe stellen wir im Star Finanz Blog die Ergebnisse vor. Teil 1 diskutiert die Hintergründe und Herangehensweise. In den kommenden Tagen folgen zwei weitere Teile, die sich einerseits mit Digitalisierungsstand und -wünschen der Unternehmen beschäftigen, sowie andererseits den Blick auf die Rolle der Banken und Sparkassen richten.

Online-Banking, mobile Shopping, künstliche Intelligenz: Kaum eine Entwicklung verändert Wirtschaft und Gesellschaft so stark wie die Digitalisierung. Sie stellt auch das Firmenkundengeschäft der deutschen Finanzinstitute vor Herausforderungen. In dem umfassenden Whitepaper „Digitalisierung im Firmenkundengeschäft“ haben wir 2018 wesentliche Zahlen, Daten und Fakten zu diesem Thema zusammengetragen und analysiert, was Firmenkunden heute von ihrer Sparkasse und Bank erwarten, mit welchen Wettbewerbern sich Finanzinstitute auseinandersetzen und wie sie sich durch intelligente, digitale Lösungslandschaften von diesem Wettbewerb abheben können.

In dieser ersten Analyse gab die Star Finanz einen Überblick über die Umwälzungen, die die Wirtschaft und die Finanzinstitute durch die Digitalisierung in den letzten Jahrzehnten erfahren haben, blickte auf den Wandel in der Erwartungshaltung der Kunden an ihre Banken sowie auf die Digitalisierung von Prozessen insbesondere im Online-Banking. Darüber hinaus wurden die dynamischen Veränderungen in der Wettbewerbslandschaft von Banken und Sparkassen in den Fokus genommen. Denn gerade im Segment der kleineren Gewerbe- und Geschäftskunden dringen globale Internetkonzerne wie Google, Amazon und Alibaba sowie junge FinTechs wie Klarna, Funding Circle oder N26 in das Kerngeschäft etablierter Finanzinstitute vor.

Mittelstand im Zeitalter der Digitalisierung: Chancen erkannt, aber noch nicht ergriffen 6

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In den vergangenen zwölf Monaten ist die Digitalisierung in vielen Branchen weiter spürbar vorangeschritten. Daher haben wir Unternehmen in Deutschland direkt gefragt, mit welchen technischen, fachlichen und wirtschaftlichen Trends sie sich derzeit auseinandersetzen und ob sie bereit sind, ihre Prozesse oder gleich ihr ganzes Geschäftsmodell für die neue, digitale Welt zu verändern. Über 11.000 Inhaber, Führungs- und Fachkräfte aus Einzelunternehmen, mittelständischen Firmen und Großkonzernen haben an Deutschlands derzeit größter Umfrage zur „Digitalisierung im deutschen Mittelstand“ teilgenommen.

Die Ergebnisse haben wir im Herbst 2019 in unserem zweiten Whitepaper verarbeitet. Es zeigt einerseits, dass die meisten Unternehmen Digitalisierung als Chance begreifen. Gleichzeitig unterschätzen sie die volle Tragweite des digitalen Wandels und insbesondere die tiefgreifende Disruption ihres gesamten Geschäftsmodells, die damit einhergeht. Banken und Sparkassen können aus der Umfrage für sich ableiten, welche digitalen Produkte, Prozesse und Dienstleistungen Firmenkunden sich heute wünschen, wo der Bedarf für Banking-Angebote liegt und welche Schritte sie gehen müssen, um auch mittel- und langfristig mit ihren Wettbewerbern wie den Tech-Giganten und FinTechs mithalten zu können.

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©Tyler Olson (shutterstock.com)

Insgesamt nahmen 11.199 Firmen an der Befragung teil. 30,7 Prozent der teilnehmenden Betriebe erzielen einen Jahresumsatz von unter 0,5 Millionen Euro. 34,9 Prozent der Unternehmen haben einen Umsatz zwischen 0,5 und 2,49 Millionen Euro. 27,2 Prozent generieren einen Umsatz von 2,5 bis 20 Millionen Euro und die restlichen 7,2 Prozent von über 20 Millionen Euro.

43 Prozent der teilnehmenden Firmen kommen aus der Dienstleistungsbranche. Aus Industrie und verarbeitendem Gewerbe kommen 22,5 Prozent, Handel 13,5 Prozent, Transport und Verkehr 2,6 Prozent und Gastgewerbe/Tourismus 2,4 Prozent. 16 Prozent gaben bei der Branchenzugehörigkeit „Sonstiges“ (z.B. Gesundheitswesen, Immobilienwirtschaft, Architektur) an. Ein Großteil der Antwortgeber besetzt in den Unternehmen leitende Positionen. Über die Hälfte sind Inhaber oder Geschäftsführer, knapp ein Viertel leitende Angestellte.

Die Ergebnisse der Umfrage decken sich mit einer Analyse des Wirtschaftsmagazins Capital, das im Herbst 2019 eine Vielzahl von Untersuchungen zur Digitalisierung im Mittelstand ausgewertet hat. Demnach haben Unternehmer die Entwicklungen und Chancen der Digitalisierung inzwischen erkannt, handeln aber noch kaum danach.

Titelbild: ©Robert Kneschke (shutterstock.com)

Der zweite Teil mit Fokus auf die konkrete Situation von Unternehmen erscheint voraussichtlich am 03. Februar 2020

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Über den Autor

Christian ist seit 2011 Geschäftsführer bei der Star Finanz und verantwortet u.a. die Bereiche Markt und Finanzen. Beruflich und privat ist er leidenschaftlich interessiert an Banking- und Payment-Themen und vor diesem Hintergrund umfassend über aktuelle Entwicklungen und Trends informiert. Abseits des Büros engagiert sich Christian beim Kolpingwerk, ein katholischer Sozialverband, der sich u.a. um Jugendarbeit und soziale Projekte kümmert. Darüber hinaus verstärkt er die Tischtennis-Kreisligamannschaft seiner Heimatstadt, wenn es der Terminkalender zulässt.

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