Lateinamerika ist schon lange mobil: Ausgehend von 2013 hat sich die Nutzung von Smartphones bis heute mehr als verdoppelt. Vor fünf Jahren nutzten rund 114 Millionen Menschen ein Smartphone – 2018 sind es schon knapp 240 Millionen. Dennoch machen nur sechs Prozent Gebrauch von Mobile-Payment-Lösungen – woran liegt das?

Weniger ist mehr

Zum Vergleich: In Kenia ist M-Pesa schon seit 2007 ein etablierter mobiler Payment-Service, der von nahezu allen Kenianern verwendet wird. Wesentlicher Erfolgstreiber ist der schnelle und einfache Service. Möchten die User eine Überweisung tätigen, generiert das Telefon einen sogenannten „Quick-Code“, der die Anfrage an den jeweiligen Empfänger per SMS überträgt. So landet das Geld sofort auf dessen Telefonkonto.

Mobile-Payment-Lösungen gibt es auch in Lateinamerika zur Genüge. Rund 40 Anbieter konkurrieren im Kampf um eine komfortable Anwendung. Allein in Brasilien gibt es neben Banken zahlreiche Telekommunikationsanbieter, E-Commerce-Plattformen, Fintech-Startups und viele andere, die versuchen ein ähnlich starkes Produkt wie M-Pesa auf den Markt zu bringen.

Demografische Diskrepanz führt zu Dilemma

Grund für den Misserfolg dieser unzähligen Anbieter sind jedoch ihre Angebote, die zu sehr auf die Nutzung von Kreditkarten abzielen. Das hat gleich mehrere Nachteile: Im Gegensatz zu den Kenianern besitzen viele Lateinamerikaner schon lange ein persönliches Bankkonto. Demzufolge erfreuen sich Kreditkarten schon seit Jahrzehnten großer Beliebtheit und die Nutzer profitieren von Zusatzservices wie Bonusprogrammen und Krediten. Jedoch ist genau diese Personengruppe über 30 Jahre alt und zeigt sich weniger offen für neue Technologien. Auf der anderen Seite sind jüngere Erwachsene, die großes Interesse an innovativen Produkten haben, leider auch diejenigen, die kaum Kreditkarten nutzen. Um die Menschen über 30 Jahre also von einer alternativen mobilen Bezahlmethode zu überzeugen, braucht es Anreize.

Erschwerend hinzukommt, dass noch immer 210 Millionen Menschen in Lateinamerika über kein eigenes Bankkonto verfügen und somit bis dato keine Mobile-Payment-Angebote nutzen können. Lösungen, die nicht zwingend ein Konto voraussetzen, sind daher ein wichtiger Baustein bei der Marktdurchdringung.

Inkompatible Technik

Ein weiterer Grund, warum sich Mobile Payment bisher kaum durchgesetzt hat, sind fehlende technische Möglichkeiten. Viele der bisherigen Lösungen basieren auf NFC-fähigen Geräten (Near Field Communication) – allerdings gibt es nur wenige Smartphones auf dem Markt, die für kontaktloses Bezahlen geeignet sind.

Einen Ausweg bietet u.a. YellowPepper. Das 2004 gegründete Unternehmen tritt nicht in Konkurrenz mit den regionalen Banken und arbeitet stattdessen mit ihnen zusammen. Partnerschaften bestehen zudem mit Branchegrößen wie MasterCard, Visa und Union West. Inzwischen gehören auch rund 400.000 Händler zum YellowPepper-Ökosystem, darunter Größen wie Nike, McDonalds oder Starbucks. In Kolumbien können sich bspw. Apple-Fans über die Banco Divivienda eine digitale Kreditkarte erstellen lassen, mit der sie dann in Apple Stores vergünstigt einkaufen können. Das Konzept scheint aufzugehen: YellowPepper gibt es mittlerweile in sechs Ländern, darunter Mexiko, Ecuador und Peru. Über den Dienst werden pro Jahr 480 Millionen Transaktionen abgewickelt.

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Über den Autor

Thomas ist in der Unternehmenskommunikation der Star Finanz für Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen in den Bereichen Banking, Payment und E-Commerce ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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