Aus den USA kommt ein neuer Trend nach Europa: Special Purpose Acquisition Companies (kurz SPACs) ermöglichen FinTechs den unkomplizierten Gang an die Börse. Das Prinzip: SPACS sind leere Firmenhüllen, die einzig dafür geschaffen werden, Investorengelder an der Börse zu sammeln, um dann mit dem frischen Kapital ein vorher nicht festgelegtes Unternehmen zu kaufen, was dann wieder an der Börse öffentlich gehandelt werden kann.

Laut dem Analyseunternehmen Pitchbook gab es 2020 rund 220 SPAC-Notierungen in den USA. Die Analysten von Pitchbook erwarten, dass dieses Jahr auch in Europa die Zahl der SPACs zunimmt. Verschiedene Börsenplätze und Aufsichtsbehörden, darunter die London Stock Exchange (LSE) und die Deutsche Börse in Frankfurt, arbeiten bereits an entsprechenden Rahmenbedingungen.

Unter den SPAC-Sponsoren sind Prominente aus der Finanzwelt und fachfremden Bereichen, darunter Unternehmer Carsten Maschmeyer, der ehemalige Siemens Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld oder der NBA-Basketballspieler Shaquille O‘ Neal. Nach welchen Unternehmen halten sie Ausschau? Und wie können Anleger davon profitieren?

So funktioniert der Börsengang via SPAC

Der Börsengang via SPAC geht deutlich schneller als der traditionelle initial public offering (IPO), wo sich der Prozess mit Roadshows und Meetings meist über Wochen oder sogar Monate hinzieht. Ihr entscheidender Vorteil: Unternehmen, die mit einem SPAC verschmelzen wollen, müssen nur mit ihm verhandeln. Das SPAC ist die Mantelgesellschaft, die einzig dafür geschaffen wird, Investorengelder (in den USA zwischen 50 Millionen und zwei Milliarden Dollar) durch einen eigenen Börsengang zu sammeln. Mit dem frischen Kapital wird dann ein vorher nicht festgelegtes Unternehmen gekauft, das dann wieder an der Börse öffentlich gehandelt werden kann. Bei den gekauften Unternehmen handelt es sich häufig um FinTechs und Startups.

Die Sponsoren der SPACs haben in den meisten Fällen zwischen zwölf und 24 Monaten Zeit, sich für ein Übernahmeziel zu entscheiden. Bis zur Übernahme ist das eingesammelte Kapital in sichere Wertpapiere, zum Beispiel kurz laufende US-Staatsanleihen, investiert. Konnte der Sponsor kein geeignetes Übernahmeziel finden oder dieses gefällt den Anlegern nicht, haben sie die Möglichkeit, ihr Kapital zurückzufordern. Bleiben die Investoren dabei, können sie beim Börsengang sogenannte Units kaufen, die sich aus einer Stammaktie und einem Bruchteil eines Bezugsrechtes (Warrant) zusammensetzen. Anleger erhalten dann gleich mehrfach Rendite: aus den Staatsanleihen, aus den Stammaktien bei einem Kursanstieg nach einer Übernahme und dem Warrant. Die Sponsoren erlangen mit dem Abschluss der Übernahme gratis 20 Prozent der SPACs-Anteile.

Der Run auf FinTechs

Im Februar 2021 ging nach zehn Jahren erstmals wieder ein deutsches SPAC namens Lakestar I an die Börse. Investor Klaus Hommels sammelte in nur zwei Tagen 275 Millionen Euro Kapital ein, mit dem er nun ein junges FinTech ausfindig machen will. Das Berliner Unternehmen Capital 468 plant derzeit seinen Börsengang und will dann nach europäischen Startups aus den Bereichen Software, Marktplätze und Eigenmarken suchen. SPACs könnten für FinTechs die Lücke beim Wachstumskapital schließen. Die jungen Tech-Unternehmen kommen durch SPACs schneller an die Börse und haben mit der Mantelgesellschaft einen strategischen Partner an der Seite. SPACs aus den USA schlossen kürzlich zum Beispiel zwei Transaktionen mit FinTechs ab:

  • Payoneer: Der Zahlungsdienstleister Payoneer fusionierte mit der Mantelgesellschaft FTAC Olympus Acquisition. Zu den vier Millionen Kunden von Payoneer gehören kleine Händler und Freelancer mit internationalem Zahlungsverkehr. Payoneer kooperiert unter anderem mit großen Plattformen wie Amazon und Wish. 2020 setzte das Unternehmen 346 Millionen Dollar um.
  • Opendoor Technologies: Opendoor, der Wohnungsmarktplatz und Pionier im Bereich iBuying ging durch Verschmelzung mit dem SPAC Social Capital Hedosophia Holdings II unter dem neuen Namen Opendoor Technologies an die Börse. Durch die Transaktion konnte Opendoor Technologies rund eine Milliarde US-Dollar einnehmen, um seine Marktexpansion und neue Produktangebote voranzutreiben.
Die Angst vor der Katze im Sack

SPACs bieten für Anleger, denen der Zugang zum traditionellen IPO sonst erschwert ist, zusätzliche Gewinnchancen. Doch Investments in SPACs haben einen entscheidenden Nachteil: Anleger setzen bei einem Investment nicht auf ein Unternehmen, sondern darauf, dass Finanzmanager ein geeignetes Übernahmeziel finden. Die Unsicherheit unter Investoren ist deshalb groß.

Darüber hinaus wird die Herausforderung in Deutschland sein, ob es genügend FinTechs gibt, die für eine Verschmelzung infrage kommen. Auch wenn einige Unternehmen, darunter die Solarisbank und Klarna, für SPACs im Gespräch sind, scheitern viele Übernahmen. Bei den Payment-Platzhirschen wie Klarna oder Checkout sind die Bewertungen in den vergangenen 24 Monaten zum Beispiel derart durch die Decke geschossen, dass sie die finanziellen Möglichkeiten der allermeisten Spacs schlicht sprengen würden. Liegt die Bewertung hingegen im zweistelligen oder niedrigen dreistelligen Millionen Bereich, ist das Unternehmen noch zu klein und nicht reif für ein SPAC. Anleger sollten Investments in SPACs deshalb nicht zum langfristigen Vermögensaufbau, sondern zur Diversifizierung ihres Portfolios nutzen.

Quellen

Titelbild: ©monsitj (istockphoto)

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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