Vom 04. bis 09. November fungiert Hamburg wieder als zentraler Treffpunkt der deutschen Fintech-Szene. Bereits zum vierten Mal findet in der Hansestadt die Fintech Week statt. Wir haben mit den Gründern und Geschäftsführern Carolin Neumann und Clas Beese u.a. über die Entstehungsgeschichte der Veranstaltung gesprochen und Programmhighlights gesprochen und sind der Frage nachgegangen, wie sich die Sichtbarkeit weiblicher Akteure im Banking- und Fintech-Umfeld weiter verbessern lässt.

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Clas Beese und Carolin Neumann, Gründer und Gesellschater der Fintech Week
Credits: Kathrine Uldbæk Nielsen

Die Fintech Week geht 2019 in das vierte Jahr. Wie ist die Idee zur Veranstaltung entstanden?

Clas Beese: Es gibt in Deutschland viele Fintech-Veranstaltungen, das ist seit 2016 immer mehr geworden. Aber schon damals, vor unserer Premiere, hatte ich den Eindruck, dass alles sehr zerstreut ist. In ganz Deutschland und in den Städten selbst. Daraus haben finletter und das betahaus Hamburg damals die Idee entwickelt, alle Fintech-Events in Hamburg (und einige von außerhalb) zusammenzuführen, um einen richtigen Treffpunkt für die unterschiedlichen Akteur*innen der Szene zu kreieren.

Was macht die Fintech Week aus eurer Sicht einzigartig in Deutschland?

Carolin Neumann: Genau das: dass es ein Treffpunkt für alle möglichen Player der Fintech-Branche ist. Die Woche ist super divers angelegt und Besucher*innen haben die Chance, ganz viele Bereiche kennenzulernen – und deren Stakeholder. Dieser Brückenschlag zwischen Branchensegmenten, zwischen Old und New Economy und letztlich auch über den Tellerrand der Branche hinaus ist selten in der Fintech-Event-Welt. Das macht die Fintech Week zu einer ganz besonderen Woche für die deutsche New-Finance-Community.

In den letzten Jahren ist das Team rund um die Fintech Week kontinuierlich gewachsen. Wie viele Köpfe arbeiten inzwischen an der Veranstaltung und wie stimmt ihr euch ab, nutzt ihr bestimmte Tools etc.?

Carolin Neumann: Mit Festangestellten und Freien arbeiten inzwischen mehr als zehn Leute das ganze Jahr über – manche in Vollzeit, andere projektbasiert – an der Fintech Week sowie den Veranstaltungen, die wir machen, wie die Fachkonferenz FinForward oder unsere Fintech Safaris. In unterschiedlichen Konstellationen treffen wir uns auch alle paar Wochen, das wird in der heißen Phase demnächst sicherlich häufiger. Ansonsten aber funktioniert unsere Organisation komplett digital über Tools wie Slack für die tägliche Kommunikation, Trello fürs agile Projektmanagement und Agile CRM für alle unsere Kontakte. Unsere schönste Entdeckung der letzten Monate ist, dass man mit Slack eine wirklich gute Qualität für Anrufe hat, wesentlich zuverlässiger als Skype.

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Könnt ihr uns einen Einblick geben, wie genau das Programm der Fintech Week entsteht? Wie können wir uns Eure Zusammenarbeit vorstellen?

Clas Beese: Noch während der Fintech Week beginnt schon die Arbeit an der nächsten: Jemand meldet Interesse an einem eigenen Event an, eine andere gibt einen Themenimpuls, auf der einen Bühnen entdecken wir jemanden für unseren Beirat, auf der anderen eine tolle Speakerin für unsere eigenen Events. Und so arbeitet es in mir und anderen im Team mehrere Monate, bevor wir dann in konkrete Gespräche gehen. Die Arbeit ist kontinuierlich und hört nie auf: Jetzt ist fast August und wir haben erste Veranstaltungen kommuniziert, während wir mit anderen Event-Hosts weiter sprechen und mit wieder anderen gerade den ersten Kontakt haben. Wir wollen bis kurz vor Schluss offen sein für neue Player und vor allem wichtige aktuelle Themen und Entwicklungen. Das ist auch einer der Gründe, warum das Programm nicht schon Monate im Voraus feststeht, sondern sich immer weiterentwickelt. Als Gast kann man sich dann zum Beispiel über unseren Newsletter informieren, ob es was Neues im Programmplan gibt.

Was sind aus eurer Sicht die absoluten Highlights der diesjährigen Veranstaltung?

Clas Beese: Natürlich habe ich persönlich Highlights, auf die ich mich besonders freue, aber ich bin jetzt mal so diplomatisch und behalte die für mich 😉 Als Team freuen wir uns vor allem auf die Vielfalt, die wir in diesem Jahr haben werden, und darüber, wie viel Gestaltungsspielraum wir in der Entwicklung hatten. Wir konnten Partner gewinnen, mit denen wir zusammen die besten Events für die Woche entwickelt haben oder entwickeln. So hoffen wir, dass die Woche insgesamt noch vielfältiger und stimmiger wird. Und wir freuen uns auch, dass wir gemeinsam mit der Symbioticon – die ja aus eurem Haus stammt und die dieses Jahr die Woche eröffnet – erstmals einen Livestream einiger Formate geben wird.Fintech Week 2019: Interview mit den Gründern und Geschäftsführern 6

Analog zu 2018 wird auch in diesem Jahr wieder die Fachkonferenz FinForward im Rahmen der Fintech Week stattfinden. Dieses Mal jedoch komplett in Englisch. Wolltet Ihr Euch mit dieser Entscheidung bewusst noch internationaler aufstellen oder was genau sind die Gründe?

Clas Beese: Im vergangenen Jahr haben wir bei der FinForward die aktuellen Fintech-Trends betrachtet und einen Blick nach vorne gewagt. Diese Zukunftsorientierung hat uns sehr gut gefallen. Und auch unseren Teilnehmern, die sich außergewöhnlich intensiv an den Diskussionen beteiligt haben. Dieses Jahr findet die FinForward nicht nur auf Englisch statt, sondern wir verfolgen das interne Motto „international first“. Das heißt, dass wir uns bei Themenfindung, der Sprecherauswahl und der Teilnehmergewinnung immer durch einen internationalen Ansatz leiten lassen. Wobei wir uns dann doch wieder auf die Regionen nördlich von Deutschland fokussieren, nämlich Skandinavien und Baltikum. Das machen wir, weil wir in diesen kleinen Volkswirtschaften die Zukunft beobachten können, rein fintech-technisch gesprochen. Damit holen wir für unsere deutschen Besucher quasi die Zukunft auf die Veranstaltung. Aber natürlich ist Deutschland als größte Volkswirtschaft der europäischen Union ein spannender Markt für die Expansion eines ausländischen Fintechs. Den internationalen Fintechs wollen wir also ein bisschen die deutschen Besonderheiten erklären und sie mit der einheimischen Community zusammen bringen.

Und ja, wir stellen damit die Fintech Week ganz bewusst internationaler auf. Um die FinForward entsteht noch eine ganze Reihe von englischsprachigen Side-Events für unsere internationalen Gäste, damit sich ein Trip nach Deutschland auch lohnt. Warum wir das tun – naja, viele Jahrzehnte war die deutsche Finanzwirtschaft sich selbst genug. Finanzdienstleistungen galten weder als Export- noch Importgut. Das ändert sich aber gerade, wir diskutieren die Rolle der GAFAs (Google, Amazon, Facebook & Apple) in der Branche, Paydirekt greift erfolglos PayPal an, die wertvollste Versicherung der Welt (Ping An aus China) beteiligt sich an Finleap und die Diskussion um Libra geht gerade erst los. Wir glauben, dass es höchste Zeit ist, die globalen Auswirkungen der Digitalisierung in der Finanzwirtschaft zu besprechen.

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Was sind die Programmhighlights der FinForward?

Clas Beese: Unser Motto für das Programm ist „Don’t Be Afraid of German Angst“ und wir fokussieren in einem unserer drei Tracks tatsächlich auch auf Emotionen. Das ist ungewöhnlich für eine Fachkonferenz und deswegen freue ich mich darauf besonders. Die „German Angst“ kennt man ja: Sie ist die Erklärung für die Bargeldliebe der Deutschen, für Hemmnisse in Sachen technologische Innovation und vieles mehr – dafür sind wir sogar im Ausland bekannt. Die FinForward wird diese Angst thematisieren, sie erklären und sie hoffentlich ein Stück weit nehmen können.

Neben den festen Teammitgliedern wird die Fintech Week bei der Vorbereitung auch von einem Beirat unterstützt. Könnt ihr ausführen, wie genau diese Unterstützung bzw. die Zusammenarbeit aussieht?

Clas Beese: Der Beirat hat uns in diesem Jahr das zweite Mal unterstützt und ist ein tolles Gremium, sehr heterogen zusammengesetzt aus Fintech, Banking, Tech, Insurtech und Wissenschaft. Das ist einzigartig in der Event-Welt, soweit ich sehen kann. Diese Leute sind fachlich top und haben alle ein Interesse daran, die Fintech Week immer besser zu machen, wohlgemerkt ehrenamtlich. Mit dem Beirat haben wir an zwei Workshop-Abenden besprochen, welche Themen sie gerade besonders umtreiben. Die Ergebnisse fließen in die Kuration der Events für die gesamte Woche und haben nicht zuletzt geholfen, unsere Themenschwerpunkte für die FinForward-Konferenz zu bilden.

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Ihr hattet in Vorbereitung auf die Veranstaltung 2018 u.a. über Eure Seite und Twitter nach weiblichen Speakern gesucht bzw. auf die Problematik hingewiesen, ebensolche für Eure Bühnen zu finden. Wie sieht es hier 2019 aus?

Carolin Neumann: Etwas weniger anstrengend als vergangenes Jahr zum Glück! Das liegt daran, dass unser Netzwerk immer weiblicher geworden ist und wir seit der #fwhh18 intensives Female Speaker Scouting betrieben haben. Auch aus dem Beirat kommen wertvolle Tipps. Wie in den Vorjahren sensibilisieren wir unsere Event-Hosts wieder dafür, wie wichtig es für ihre Veranstaltung ist, dass die Männer nicht unter sich diskutieren – was sie daraus machen, bleibt abzuwarten. In 2018 haben wir am Ende sowohl bei der Fintech Week als auch bei der FinForward einen Frauenanteil von einem Drittel erreicht. Den würden wir in diesem Jahr natürlich gerne steigern.

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Inwiefern lässt sich aus Eurer Sicht generell die Sichtbarkeit weiblicher Akteure im Banking- und Fintech-Umfeld verbessern?

Carolin Neumann: Veranstalter und HR-Professionals haben eine Verantwortung, denn: Was man nicht sehen kann, kann man nicht werden. Es gibt immer noch eine verschwindend geringe Anzahl an Gründerinnen oder Female Executives in der Fintech-Welt. Auf den Bühnen stehen nun mal zumeist die hohen Tiere, die dann eben Männer sind. Die Branche ist schon auf einem ganz guten Weg, auch wenn es langsam voran geht. Netzwerke wie die Fintech Ladies, Fintexx oder die Digital Media Women, mit denen wir partnern oder gepartnert haben, helfen auch sehr dabei, überhaupt mehr Frauen mit der Nase drauf zu stoßen, dass eine Karriere im Finanz- oder Fintech-Wesen für sie spannend sein könnte. Denn am Ende sind die Umstände nur ein Grund, warum es noch so wenige Frauen in der Branche gibt. Frauen müssen auch in der Branche aktiv sein wollen. Das bedingt sich gegenseitig. Wir können hoffentlich dazu beitragen, Frauen in der Branche sichtbarer zu machen und die Branche für Frauen attraktiver zu machen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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