Die Schweiz ist bekannt als das Land des Geldes und der Banken. Und tatsächlich führen die Schweizer in puncto Mobile Payment einen zähen Kampf gegen die Tech-Giganten. So gab es erst im November 2018 Razzien bei den größten Schweizer Geldhäusern wegen eines mutmaßlichen Boykotts der Mobile-Payment-Lösungen von Apple und Samsung. Im Gegensatz zu Deutschland ging Apple Pay in der Schweiz schon zwei Jahre früher, im Sommer 2016, an den Start; allerdings wollte keine der großen Banken mit dem US-Unternehmen kooperieren. Für die meisten Schweizer iPhone-Nutzer bedeutet dies, dass sie den Bezahlservice nicht nutzen können, denn um mit dem Smartphone zahlen zu können, muss in der App eine Kreditkarte hinterlegt sein.

Helvetische Payment-Lösung

Die größten Schweizer Finanzinstitute haben stattdessen ein eigenes Bezahlsystem entwickelt. Die einst konkurrierenden Payment-Lösungen Twint und Paymit wurden Anfang 2017 unter einem Namen vereint – Twint ist die helvetische Antwort auf die mobilen Bezahllösungen der großen internationalen Konzerne. Da Apple aber bis dato den Zugriff externer Anbieter auf seine NFC-Schnittstelle verwehrt, ist das kontaktlose Payment via der Nahfeldkommunikation an Kassenterminals nur mit Apple Pay möglich. Jüngst verpflichtete die Schweizer Wettbewerbskommission Apple dazu, eine technische Lösung zu finden, die den Bezahlvorgang mit Twint über das Scannen eines QR-Codes nicht mehr unterbricht.

Twint ist mit etwa 1,2 Millionen Nutzern die meist verbreitete Mobile-Payment-Lösung in der Schweiz und wird inzwischen von 73 Schweizer Banken angeboten. Insgesamt entwickelt sich Mobile Payment in der Schweiz wie auch in Deutschland jedoch eher schleppend. Einer Studie der Hochschule Luzern zufolge werden derzeitig monatlich etwa 1,75 Millionen Transaktionen über Bezahl-Apps getätigt, dies entspricht einem Marktanteil von gerade einmal 0,5 Prozent. Von den 1,75 Millionen Transaktionen entfallen wiederum 1,02 Millionen auf Twint. Fast 50 Prozent der Überweisungen finden zwischen Twint-Nutzern statt.

Wie beim deutschen Pendant Kwitt, dem mobilen Bezahlverfahren von Sparkassen, Genossenschaftsbanken und teilnehmenden Banken, können Twint-Nutzer in Echtzeit Geld senden und anfordern – reicht das Geld nicht für einen „Kaffi“, wird das geliehene Geld binnen weniger Sekunden einfach getwintet. Damit ist die Payment App zu einem alltäglich benutzten Verb in der Schweizer Gesellschaft geworden.

Hier geht es zurück zu allen Veröffentlichungen

Share.

Über den Autor

Thomas ist in der Unternehmenskommunikation der Star Finanz für Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen in den Bereichen Banking, Payment und E-Commerce ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

Nachricht hinterlassen