In der Vergangenheit haben wir hier im Blog bereits über die Kryptowährung IOTA und die IOTA Foundation, Deutschlands erste Krypto-Stfitung, berichtet. Im Interview stellt sich nun deren Director of Partner Management, Holger Köther, unseren Fragen.

Holger, Du kommst aus der Wirtschaft. Wie bist Du auf die IOTA Foundation aufmerksam geworden und warum arbeitest Du jetzt für sie?

Vielen Dank für die Einladung und das Interview. Ich war schon immer sehr technik-affin und von den Möglichkeiten der IT fasziniert. Das hat sich dann auch in meiner Studiums- und Berufswahl verfestigt. Ich hatte das Glück bereits bei Siemens an „cutting-edge“ Themen mitzuarbeiten, um die Auswirkung von IT-Ausfällen auf Geschäftsprozesse zu erkennen und konnte hier viel Erfahrung in Analyse, Consulting, Projektmanagement und Leitungsfunktionen sammeln. Blockchain fand ich als Technologiekonzept immer interessant, aber war nie vollständig davon überzeugt bis ich durch Zufall auf einen Artikel über IOTA gestoßen bin. Da hat es „klick“ gemacht hat und ich hatte zum ersten Mal das Gefühl, dass sich jemand grundlegende Gedanken gemacht hat wie ein System aussehen muss, welches alle Vorteile aber nicht die Nachteile der Blockchain hat. Dass die Infrastruktur von jedem frei genutzt werden kann, um Sicherheit und digitales Vertrauen zu schaffen. In einer Welt vieler „fake news“ und beinahe täglicher Nachrichten über hacks fand (und finde) ich es wichtig, ein offenes System für Datenintegrität aktiv zu unterstützen und habe mich dann initiativ beworben.

Was und wer steht hinter der IOTA Foundation und was sind deren Ziele?

Die IOTA Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung in Deutschland. Wir sind als eines der weltweit führenden Institute für Distributed Ledger Forschung sehr international aufgestellt und beschäftigen über 100 Experten in 23 Ländern.

Das Ziel ist klar: gemeinsame Kommunikation war noch nie so einfach – und gleichzeitig so komplex. Wir treten in ein neues digitales Zeitalter ein, Transaktionskosten steigen und Datensicherheit und -integrität werden immer komplizierter.

IOTA verändert die Art und Weise, wie sich Menschen und Geräte verbinden, um Information auszutauschen. Es geht um die Einführung von Vertrauen. Vertrauen ist ein wesentlicher menschlicher Wert und Voraussetzung für den kollektiven Erfolg. Es ist ein universeller Vermögenswert, der niemandem gehören, aber für jeden zugänglich sein sollte – die Grundlage für die zukünftige digitale Wirtschaft, um unnötige Reibung und Barrieren zu beseitigen. Eine offene und sichere Infrastruktur, frei verfügbar für Menschen und Maschinen.  

IOTA

©alexsl (istockphoto)

Was macht IOTA aus Deiner Sicht besonders im Vergleich bspw. zum Bitcoin?

Bitcoin hatte einen interessanten Ansatz, war aber technologisch noch nicht zu Ende gedacht. Die traditionellen Technologien haben die Rollen „Miner“ und „User“. Der Miner bestätigt Transaktionen, möchte dafür aber eine möglichst hohe Gebühr. Der User möchte das System nutzen und natürlich so wenig wie möglich per Transaktion bezahlen. Die Höhe der Gebühr ist nicht vorhersehbar und kann sehr schnell stark ansteigen, was für automatisierte Systeme natürlich katastrophal ist. Entweder sie werden durch die Gebühr unwirtschaftlich oder die Transaktionen der Nutzer werden nicht berücksichtigt. Der Nutzer ist von den Minern abhängig. Zudem ist die Transaktionsrate pro Sekunde sehr gering, während jedoch gleichzeitig eine enorme Energiemenge für den Betrieb notwendig ist.

Die Gründer von IOTA haben das bereits frühzeitig erkannt und ein anderes Modell entwickelt. Die Rolle des Miners und des Users werden in einer Rolle vereint. Das hat eine Reihe von positiven Effekten: es fallen keine Transaktionsgebühren mehr an, d.h. der Benutzer kann das System kostenfrei nutzen. Das bedeutet, dass Unternehmen sich nicht mit der Beschaffung und Verwahrung von Kryptowährung auseinandersetzen müssen. IOTA bietet eine sichere, offene und weltweit vernetzte Infrastruktur, die flexibel über Industriegrenzen eingesetzt werden kann. Ohne die Abhängigkeit von Minern, unkalkulierbaren Gebühren und Energieverschwendung. IOTA ist „grün“.

Kannst Du das Prinzip der Transaktion (“The Tange”) herunterbrechen bzw. für einen Neuling genauer erklären?

Wir haben mit dem IOTA Tangle vor mehreren Jahren einen komplett neuen Ansatz entwickelt. Der Tangle ist die nächste Generation der Blockchain, ohne Block und ohne Chain. Transaktionen werden nicht mehr wie bisher in Blöcke geschrieben sondern direkt miteinander verknüpft. Jede Transaktion bestätigt zwei vorhergehende Transaktionen. Das passiert automatisch im Hintergrund und ist für den Benutzer nicht wahrnehmbar. Dadurch ist die ganze Infrastruktur wesentlich skalierbarer und performanter, da nicht auf Miner oder den nächsten Block gewartet werden muss.

Worin besteht der wesentliche Unterschied zum Bezahlen mit IOTA gegenüber Bitcoin oder anderen Kryptowährungen?

IOTA nutzt auch eine Kryptowährung, den IOTA-Token. Dieser ist für die Nutzung der Infrastruktur nicht notwendig, ist aber bereits nativ für Zahlungen integriert. Da IOTA keine Transaktionsgebühren hat, können auch Bruchteile von Cents ohne Kosten oder Mittelsmann transferiert werden, was gerade für Micropayments, „pay-as-you-use“ oder andere Szenarien, wo „etwas gegen Geld“ gestreamt werden kann, interessant ist. Das ist mit Bitcoin, Ethereum und anderen Technologien nicht möglich. Dort summieren sich selbst kleinste Gebühren bei Milliarden an Transaktionen schnell zu sehr hohen Beträgen. Bei IOTA hat der Anwender die klare Sicherheit: 0 cent Transaktionsgebühr.

Interview mit Holger Köther, IOTA Foundation 3

Welche genauen Anwendungsbereiche möchte die IOTA Foundation erschließen? Kannst Du uns konkrete Anwendungsbeispiele für IOTA nennen?

Zum Beispiel für dezentralisierte Datenhaltung, Datenplattformen oder Ladestationen. Die Ladestation sendet konstant Strom, während das Auto den Ladestrom konstant bezahlt. Dafür wäre nichtmal eine Registrierung bei einem Provider zur Abrechnung notwendig, da sich Auto und Ladestation direkt miteinander verstehen.

Zudem können die Daten nicht nachträglich manipuliert werden. Wir leben in einer Welt in der Maschinen durch KI immer leistungsfähiger werden. Ein gutes Beispiel sind autonome Fahrzeuge oder Maschinen, die zukünftig automatisch nach markt-ökonomischen Prinzipien handeln werden.

Mit IOTA steht eine Infrastruktur digitaler Sicherheit zur Verfügung über die Nutzer weltweit kommunizieren und bezahlen können, egal ob für Fahrzeuge, Drohnen, Strom, Daten, Marktplätze, Identitäten, Zertifikate, Güterverfolgung oder andere Industrien. Die Einsatzgebiete sind extrem vielfältig.


Interview mit Holger Köther, IOTA Foundation 4

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Die IOTA Foundation pflegt Partnerschaften mit namhaften Unternehmen. Was genau verbirgt sich dahinter?

Wir arbeiten eng mit Unternehmen und verschiedenen Innovationsabteilungen zusammen. Diese evaluieren, wie IOTA in der eigenen Wertschöpfungskette am besten eingesetzt werden kann und welche neuen Geschäftsmodelle z.B. durch erhöhte / verteilte Datenintegrität oder Mikrozahlungen möglich werden, um sich einen Vorsprung vor der Konkurrenz in den nächsten Jahren zu verschaffen. Mit Tangle EE (Enterprise Edition) haben wir eine Arbeitsgruppe für kommerzielle Lösungsentwicklung ins Leben gerufen, welche mit den ersten beiden Fokusthemen „Dezentralisierten Marktplätze“ und „Identity Management“ startet.

Mit welchen Unternehmen/Industrien kannst Du Dir eine Zusammenarbeit vorstellen?

Wir fokussieren uns stark auf den Automotive-, Industrie-, Energie- und Logistikbereich (Global Trade & Supply Chain), da diese von der Technologie und Infrastruktur besonders profitieren. Smart City ist ebenfalls interessant, da hier die verschiedenen Industrien zusammenkommen und eine Smart City nur durch Automatisierung „smart“ wird, was wiederum ein Vertrauen in die Daten voraussetzt.

Wir freuen uns über alle Anfragen von Unternehmen die „hungrig“ auf Innovation sind, um IOTA in den ersten praxisnahen „Testbeds“ zu testen. Zum anderen ist IOTA sehr hardwarenah entwickelt, damit es auf jedem IOT Gerät funktioniert. Die Zusammenarbeit mit großen Industrieunternehmen steht daher im Fokus, da diese zum einen am meisten von IOTA profitieren können und uns gleichzeitig beim Ausbau des IOTA Ökosystems stark unterstützen können.

Der Finanzsektor ist ebenfalls interessant – wir brauchen dringend einen besseren direkten Zugang zu Kryptowährung. Diese ist für Unternehmen noch zu oft ein Buch mit sieben Siegeln und sorgt für starke Unsicherheit. Mehr Kooperation, um Firmen gemeinsam zu unterstützen wäre großartig.

Vor welchen Herausforderungen steht IOTA bzw. die IOTA Foundation mit Blick auf die Zukunft?

Wir entwickeln die Technik konstant weiter, die einfache Nutzung und Integration von IOTA steht dabei ganz klar im Vordergrund. Wir haben bewusst sehr viel in Forschung und Entwicklung investiert um IOTA von Anfang an richtig zu konzipieren. Die ersten Ergebnisse werden nun in den nächsten Monaten umgesetzt, um IOTA auf mehrere hundert oder sogar tausend Transaktionen pro Sekunden zu bringen. Als komplett offenes System ist das bereits sehr viel (Bitcoin schafft gerade sieben Transaktionen/s), aber natürlich für eine hochautomatisierte Welt noch lange nicht ausreichend. Deshalb wird bereits mit Hochdruck an der weiteren Skalierbarkeit geforscht und wir sind sehr zuversichtlich den Erwartungen gerecht zu werden.

Wir haben mit IOTA eine klare Vision und eine der stärksten und fähigsten Communities im gesamten Blockchain / DLT Bereich, die täglich größer wird, benötigen aber auch die Mittel zur Umsetzung. Gemeinsame Netzwerke zur Sicherung von Fördergeldern und Technologiepartnerschaften sind deshalb ein wichtiges Thema, um die Vorteile von IOTA in der Praxis zu demonstrieren und eine offene, sichere und kostenfreie Infrastruktur für Mensch und Maschine zu ermöglichen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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