Im zweiten Teil unserer Payment Serie richten wir unseren Blick auf Griechenland, wo, verglichen mit dem Rest der Eurozone, die Menschen mehrheitlich noch immer am liebsten mit Bargeld zahlen – egal ob es sich um die Stromrechnung, Miete oder Steuern handelt.

Cash ist Trumpf

Eine der Hauptursachen für die hohe Verbreitung von Bargeld liegt darin begründet, dass ein Großteil der Griechen ihre Gehaltszahlungen direkt cash erhalten, nicht zuletzt, weil viele Griechen über kein Bankkonto verfügen. Laut einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) erhalten 57 Prozent der Arbeitnehmenden ihr Gehalt in bar ausgezahlt.[1] Diese Zahl verdeutlicht, warum bspw. Steuerhinterziehung für die Finanzbehörden in Griechenland nach wie vor eines der größten Probleme darstellt.

Im Gegensatz zu ihren europäischen Nachbarn begleicht ein großer Teil der Bevölkerung ihre monatlichen Verpflichtungen in bar. Wenn es bspw. um Versicherungen geht, macht die Hälfte der Griechen von dieser Zahlungsvariante Gebrauch. In der restlichen Eurozone fällt dieser Anteil mit gerade einmal neun Prozent deutlich geringer aus. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn es um das Bezahlen von Strom- oder Telefonrechnungen bzw. die Entrichtung der Miete geht. Laut EZB trägt ein jeder Mensch in Griechenland etwa 80 Euro in bar mit sich, drei- bis viermal so viel wie der Durchschnittseuropäer.

Payment in Europa: Griechenland 5

Geringe Smartphone Verbreitung bremst Digitalisierung

Ein Hindernis für die Verbreitung alternativer, insbesondere elektronischer, Bezahlverfahren, stellt auch die vergleichsweise eher geringe Verbreitung mobiler Geräte wie Smartphones dar. Laut Zahlen des Marktforschungsunternehmens Pew Research Center befindet sich Griechenland mit 59 Prozent am unteren Ende der Liste, wenn es um die Durchsetzungsrate von Smartphones geht. Zum Vergleich: Deutschland belegt mit 76 Prozent den achten Rang.[2] Insbesondere die ältere Bevölkerung über 65 Jahre verfügt in der Regel über kein mobiles Gerät. Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit können sich allerdings auch viele jüngere Menschen kein Smartphone leisten und müssen, wenn überhaupt, auf vergleichsweise einfache Mobiltelefone ausweichen.

Trotz dieser eher schwierigen Rahmenbedingungen bieten immer mehr Banken in punkto Payment auch digitale Lösungen an. Besonders verbreitet ist bspw. i-bank pay vom größten Kreditinstitut Griechenlands, der Bank of Greece. Die Funktionsweise des Angebots ist nahezu identisch mit Kwitt, das mobile Bezahlverfahren von den Sparkassen, Genossenschaftsbanken und teilnehmenden Privatbanken. Über die App lässt sich Geld per Smartphone an Freunde und weitere Kontakte schicken bzw. Geld anfordern. Auch können entstandene Kosten über eine Split-Funktion auf verschiedene Personen aufgeteilt werden. Weiterhin ist es möglich u.a. Einkäufe in teilnehmenden Geschäften über i-bank pay via QR-Code zu bezahlen – sowohl online als auch offline.

Quellen:
[1] https://www.athensinsider.com/greece-become-truly-cashless-society/
[2] https://www.pewresearch.org/global/2019/02/05/smartphone-ownership-is-growing-rapidly-around-the-world-but-not-always-equally/

Dieser Artikel ist Teil einer Serie zum Thema Payment in Europa. Die weiteren Teile findest du hier (aktualisiert nach Stand der Veröffentlichungen):
Payment in Europa (Überblickstext)
• Teil 1: Spanien
• Teil 2: Griechenland
• Teil 3: Italien
• Teil 4: Frankreich
• Teil 5: Österreich

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Über den Autor

Thomas ist Teamleiter Unternehmenskommunikation bei der Star Finanz und hier für Pressearbeit und Social Media verantwortlich. Wenn er nicht gerade auf der Suche nach neuen Themen und Trends in den Bereichen Banking, Payment und Digitalisierung ist, tobt er sich u.a. auf dem Basketballplatz aus.

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